Londoner Hedgefonds Arini verliert 16 Prozent nach gescheiterten Kreditwetten
Der Londoner Kreditinvestor Arini Capital Management hat 2026 fast 16 Prozent verloren – der dritte Verlustmonat in Folge belastet den Master-Fonds.

Der Londoner Kreditinvestor Arini Capital Management hat mit seinem Hauptfonds-Produkt in diesem Jahr Verluste von fast 16 Prozent verzeichnet. Ursache war eine Reihe gescheiterter Wetten auf die Schulden finanziell angeschlagener Unternehmen. Allein im September summierte sich der Verlust im Master-Fonds nach Schätzungen von mit den Renditen vertrauten Quellen auf 7,6 Prozent – damit steigt der kumulierte Jahresverlust auf 15,7 Prozent. Die endgültigen Performance-Kennzahlen für den September werden erst später in diesem Monat festgelegt.
Für den größten Fonds des auf Kredite spezialisierten Unternehmens, das ein Vermögen von 7,22 Mrd. US-Dollar verwaltet, war es bereits der dritte Verlustmonat in Folge. Im Juli hatte der Fonds fast 8 Prozent eingebüßt, im August knapp 1 Prozent. Der Master-Fonds von Arini macht nach Angaben einer mit der Angelegenheit vertrauten Person rund 7,3 Mrd. US-Dollar des gesamten Vermögens aus.
Arini zählt zu den am schnellsten wachsenden kreditorientierten Hedgefonds Europas. In etwas mehr als fünf Jahren hat sich das Haus zu einem der prominentesten Akteure am Markt für unternehmerische Hochrisiko-Schulden in Europa entwickelt. Das ist auch für deutsche Anleger relevant, die über Fonds, Banken oder Pensionsvehikel in diesem Markt engagiert sind.
Die Details
Die Verluste resultieren aus mehreren Engagements in angeschlagenen Unternehmen. Arini hält große Positionen in den Schulden der Telekommunikationsunternehmen Altice International und Brightspeed sowie Anleihen von Aston Martin. Die Aston-Martin-Papiere verloren an Wert, als der britische Luxuswagenhersteller einige seiner wertvollsten Vermögenswerte vor den Gläubigern sicherte.
Bei Altice International handeln die höchstbewerteten Anleihen derzeit zu weniger als der Hälfte ihres Nennwerts. Gleichzeitig dauern zähe Umstrukturierungsverhandlungen mit dem Eigentümer der Gruppe an, dem französisch-israelischen Milliardär Patrick Drahi. Arini gehört dabei zu einer Untergruppe der Senior-Gläubiger, die auf einen Deal drängt, der ihnen im Falle einer Umstrukturierung eine bevorzugte Auszahlung im Vergleich zu ihren Kollegen sichern würde. Einige Handelsabteilungen von Banken notieren Anleihen, die von dieser Gruppe gehalten werden, allerdings zu höheren Preisen.
Ebenfalls belastend: Anleihen und Kredite des von Apollo unterstützten Unternehmens Brightspeed haben im vergangenen Monat weiter massiv an Wert verloren. Der Hochgeschwindigkeits-Internetanbieter hat Verhandlungen mit Gläubigern über Möglichkeiten zur Bewältigung seiner 1,10-Mrd.-US-Dollar-Schuldenlast aufgenommen.
Trotz der Verluste sammelte Arini in den vergangenen Wochen 1,5 Mrd. US-Dollar für seinen Flaggschiff-Fonds ein. Davon gingen 1,425 Mio. US-Dollar zu Beginn dieses Monats ein, der Rest soll bis Anfang 2027 allokiert werden.
Verantwortlich für die Strategie ist Hamza Lemssouguer, ein 36-jähriger ehemaliger Star-Trader bei der Credit Suisse, der Arini im Jahr 2021 gründete. Er hat sich einen Ruf dafür erworben, konzentrierte Wetten auf die Schulden angeschlagener Unternehmen abzuschließen und Hebelwirkung einzusetzen, um die potenziellen Renditen zu steigern. Der Fonds ist nach einer Papageienart benannt, die der in Marokko geborene Manager züchtet, und bekannt für den Handel mit Credit-Default-Swaps (CDS).
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 4. April 2026 berichtete aktien.news über den Werdegang von Hamza Lemssouguer: Der damals 35-Jährige hätte im Jahr 2020 für einen der mächtigsten Hedgefonds der Welt arbeiten können – Citadel-Gründer Ken Griffin bot ihm an, mehrere Milliarden US-Dollar zu verwalten. Lemssouguer lehnte ab und setzte auf sich selbst. Laut diesem Bericht verwaltete er seinerzeit 20 Milliarden US-Dollar in seiner eigenen Gesellschaft Arini Capital, die 2022 mit einem Startkapital von 1,3 Milliarden US-Dollar gegründet worden sei und laut dem Datenanbieter Hedge Fund Research als am schnellsten wachsender neuer Hedgefonds-Manager weltweit galt. Die aktuelle Berichterstattung nennt als Gründungsjahr 2021.
Am 27. März 2026 berichtete aktien.news über den Kurseinbruch bei britischen und europäischen Anleihen, der Hedgefonds empfindlich traf. Zahlreiche Wetten auf steigende Anleihekurse gingen nicht auf, was zu erheblichen Verlusten bei institutionellen Investoren führte. Laut Ian Smith, leitendem Märkte-Korrespondenten der Financial Times, wird der Wertverlust europäischer Schuldtitel die Kosten für den Durchschnittsbürger in die Höhe treiben, weil steigende Anleiherenditen höhere Refinanzierungskosten für Staaten bedeuten.
Am 29. September 2026 folgte der Bericht, dass Gläubiger, darunter die großen Fonds Apollo Global Management und Oaktree Capital, den französischen Milliardär Patrick Drahi verklagt haben. Der Vorwurf: eine Schuldenumstrukturierung bei seinem US-Telekommunikationsunternehmen Optimum Communications, ehemals Altice USA. Die Kläger argumentierten, Drahi sei „persönlich haftbar“ für einen „dreisten“ Plan, die wertvollsten Kabel-TV-Vermögenswerte des Unternehmens vor dem Zugriff der Anleihegläubiger zu schützen. Es war die jüngste Eskalation im Streit zwischen dem Milliardär und einigen der größten Kreditfonds der Welt.
Bereits am 6. März 2026 hatte aktien.news über den Zusammenbruch des britischen Hypothekenfinanzierers Market Financial Solutions (MFS) berichtet, der die Private-Credit-Branche erschütterte. Finanzinstitute wie Apollo Global Managements Atlas SP Partners, Barclays, Castlelake, Jefferies Financial Group und Banco Santander hatten dem Unternehmen über Jahre Kapital bereitgestellt. MFS war auf kurzfristige Überbrückungskredite für schnelle Immobilienkäufe in Großbritannien spezialisiert gewesen.
Was das für Anleger bedeutet
Die Entwicklung bei Arini zeigt, wie stark konzentrierte Kreditwetten in einem angespannten Marktumfeld ausschlagen können. Die hochriskante Strategie des Hedgefonds hatte seinen Investoren zuvor überproportionale Renditen gebracht: in den ersten vier Jahren eine Rendite von 73 Prozent. Auch die Haupt-Hedgefonds-Strategie von Arini erlitt in früheren Jahren erhebliche Verluste, bevor sie sich erholte, als die Marktzaghaftigkeit hinsichtlich der Gesundheit der von ihr unterstützten Unternehmen nachließ.
Für deutsche Privatanleger sind die Vorgänge vor allem deshalb relevant, weil sie die Risiken im Markt für Unternehmensanleihen mit hohem Ausfallrisiko und im Private-Credit-Segment sichtbar machen. Neben seinem Flaggschiff-Fonds betreibt Arini weitere kleinere Strategien, deren Performance in diesem Jahr besser war. Das deutet darauf hin, dass sich die Verluste auf die konzentrierten Kreditwetten des Master-Fonds bündeln. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Wer sein Geld in Hochzinsanleihen, Kreditfonds oder entsprechenden Publikumsfonds geparkt hat, sollte die laufenden Umstrukturierungsverhandlungen bei den betroffenen Schuldnern aufmerksam verfolgen. Denn dort entscheidet sich, ob aus Buchverlusten dauerhafte Ausfälle werden.
Ausblick
Die endgültigen Performance-Kennzahlen für den September will Arini später in diesem Monat festlegen. Der Rest der eingesammelten 1,5 Mrd. US-Dollar für den Flaggschiff-Fonds soll bis Anfang 2027 allokiert werden. Bei Altice International dauern die Umstrukturierungsverhandlungen mit Patrick Drahi an, bei Brightspeed laufen Gespräche mit Gläubigern über den Umgang mit der 1,10-Mrd.-US-Dollar-Schuldenlast.
Kurz erklärt
- Credit Default Swap (CDS): ein Derivat, mit dem Anleger darauf wetten können, ob ein Unternehmen seinen Schulden nicht nachkommen wird.
- Master-Fonds: das Hauptvehikel eines Hedgefonds, in dem die zentralen Anlagestrategien gebündelt sind.
- Senior-Gläubiger: Kreditgeber, deren Forderungen im Rang über denen anderer Gläubiger stehen.
- Umstrukturierung: die Neuverhandlung der Schulden eines angeschlagenen Unternehmens mit seinen Gläubigern.
