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BASF im Umbruch: Evonik-Übernahme und EU-Batterie-Regeln

BASF kämpft an zwei Fronten: um die Übernahme von Evonik und für strenge EU-Regeln zur Batterielieferkette.

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BASF im Umbruch: Evonik-Übernahme und EU-Batterie-Regeln

BASF steht zum 1. Oktober 2026 im Zentrum zweier großer industrieller Entwicklungen: eines umstrittenen Versuchs, den Wettbewerber Evonik zu übernehmen, und eines strategischen Lobbyvorstoßes für strenge EU-Vorschriften zur Batterielieferkette. Beide Vorhaben zeigen das aggressive Streben des Ludwigshafener Chemiekonzerns nach Marktdominanz und Unabhängigkeit in der Lieferkette – trotz erheblicher politischer, sozialer und regulatorischer Gegenwinde.

Der Übernahmeversuch: Strategische Logik trifft auf Widerstand

BASF hat offiziell ein unverbindliches Übernahmeangebot für Evonik vorgelegt und bietet 22,15 Euro je Aktie. Dieses Angebot bewertet das Eigenkapital von Evonik mit 10,32 Milliarden Euro, wobei BASF zusätzlich 3,9 Milliarden Euro Nettoverschuldung übernehmen würde. Trotz der Prämie – rund 23 Prozent über dem vorherigen Schlusskurs von Evonik – hat das Evonik-Management das Angebot formell abgelehnt, BASF den Zugang zu den Büchern des Unternehmens verwehrt und damit einen klaren Widerstand gegen die Übernahme signalisiert.

Aus strategischer Sicht folgt der Zusammenschluss einer klaren industriellen Logik. Beide Unternehmen sind in überlappenden Bereichen tätig, darunter Tenside, Weichmacher und Hochleistungskunststoffe. Berater schätzen, dass eine erfolgreiche Integration jährliche Synergien von 300 Millionen Euro über die bestehenden Restrukturierungspläne hinaus generieren könnte. Zudem ergänzen sich die Produktportfolios: BASF liefert Kernkomponenten wie Polyurethanschaum, während Evonik die für die Produktion notwendigen Stabilisierungsadditive bereitstellt. Ähnliche Synergien bestehen bei Futterzusatzstoffen und Beschichtungstechnologien.

Der Weg zu einem Abschluss ist jedoch mit Hindernissen gepflastert. Die RAG-Stiftung, größter Anteilseigner von Evonik, nimmt aufgrund ihres Auftrags zur Bewältigung der Altlasten des Kohlebergbaus eine kritische Position im Entscheidungsprozess ein. Politiker wie der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst und mächtige Arbeitnehmervertreter wie IGBCE-Chef Michael Vassiliadis haben Skepsis geäußert. Die Gewerkschaften sorgen sich besonders um mögliche massive Stellenstreichungen – Schätzungen zufolge könnten bis zu 3.000 zusätzliche Stellen bei Evonik wegfallen, um Überlappungen zu beseitigen. Die Standorte Marl und Essen gelten als besonders gefährdet für eine Konsolidierung.

Darüber hinaus dürften die Kartellbehörden den Deal intensiv prüfen. Angesichts der Marktkonzentration in der Spezialchemie könnten die Regulierer den Verkauf bestimmter Produktlinien verlangen, um monopolistische Praktiken zu verhindern. In einem solchen Szenario gelten Wettbewerber wie Lanxess, Clariant, Arkema und Celanese als potenzielle Käufer dieser Vermögenswerte.

Der Streit um die Ursprungsregeln: Schutz der europäischen Batteriekette

Während BASF die mögliche Evonik-Übernahme vorantreibt, ist das Unternehmen gleichzeitig in einen erbitterten regulatorischen Kampf um die Lieferkette für Elektrofahrzeuge (EV) in der Europäischen Union verwickelt. Gemeinsam mit dem belgischen Materialunternehmen Umicore lobbyiert BASF bei der Europäischen Kommission, um den Umsetzungstermin 1. Januar 2027 für strenge Ursprungsregeln beizubehalten.

Diese Regeln, die im Rahmen des Handels- und Kooperationsabkommens zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU festgelegt wurden, schreiben vor, dass nicht mehr als 30 bis 35 Prozent des Werts von Batteriezellen und -packs aus Nicht-EU-/UK-Quellen stammen dürfen. Werden diese Schwellenwerte nicht eingehalten, drohen 10 Prozent Zölle auf den UK-EU-Handel. Die Chemieindustrie argumentiert, dass diese Regeln unerlässlich sind, um die Entwicklung einer widerstandsfähigen, unabhängigen europäischen Batteriewertschöpfungskette anzuregen – insbesondere bei kathodenaktiven Materialien (CAM).

Diese Position bringt BASF und seine Branchenkollegen in direkten Konflikt mit dem europäischen Automobilherstellerverband Acea. Acea warnt, dass die Industrie weiterhin stark von chinesischen Materialien abhängig ist – die derzeit 85 Prozent der globalen CAM-Produktion ausmachen – und dass rund 82 Prozent der 520.000 Elektrofahrzeuge, die 2027 voraussichtlich verkauft werden, die neuen Anforderungen nicht erfüllen würden. Folglich drängt Acea auf eine Verschiebung dieser Regeln bis 2030 oder 2032, um erhebliche Zollkosten zu vermeiden.

Die Europäische Kommission zögert jedoch, eine Verschiebung zu gewähren. Beamte argumentieren, dass eine Verzögerung der Regeln die Agenda 'Made in Europe' der EU untergraben, die Glaubwürdigkeit des Blocks beschädigen und Schwäche in den Verhandlungen mit China signalisieren würde. Dieser Streit hat weitreichende geopolitische Implikationen und trägt zur Verzögerung eines geplanten November-Gipfels bei, der die EU-UK-Handelsbeziehungen 'neu ausrichten' sollte. Unterdessen haben Handelskammern aus dem Vereinigten Königreich und mehreren EU-Ländern einen gemeinsamen Aufruf zu mehr Flexibilität veröffentlicht und betont, dass der Ausschluss des Vereinigten Königreichs aus diesen Lieferketten langfristige Investitionen und Innovationen behindern könnte.

Fazit

Die aktuelle Entwicklung von BASF spiegelt die breiteren Herausforderungen wider, vor denen europäische Industriegiganten stehen: die Notwendigkeit zu konsolidieren, um global wettbewerbsfähig zu bleiben, gegenüber den sozialen und politischen Kosten solcher Restrukturierungen – und die Spannung zwischen protektionistischer Industriepolitik und den praktischen Realitäten globalisierter Lieferketten. Ob BASF bei seinem Angebot für Evonik erfolgreich ist oder sein bevorzugtes regulatorisches Umfeld für Batteriematerialien sichert, das Unternehmen bleibt ein Gradmesser für die Zukunft der europäischen Fertigungsindustrie.

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