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VW, Mercedes, BMW: Deutsche Autobauer verlieren weiter an Boden

Umsatzminus, Gewinneinbruch und China-Schwäche: Die Krise der deutschen Autoindustrie verschärft sich.

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VW, Mercedes, BMW: Deutsche Autobauer verlieren weiter an Boden

Die drei großen deutschen Autobauer geraten im internationalen Vergleich immer stärker unter Druck. In der ersten Jahreshälfte 2024 sanken die Umsätze von Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW auf rund 284 Milliarden Euro – ein Minus von 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY.

Zum Vergleich: Die 19 untersuchten Autokonzerne weltweit steigerten ihre Erlöse im Schnitt um 3,6 Prozent auf knapp 1.048 Milliarden Euro. Für die deutschen Hersteller ist es bereits das dritte Umsatzminus in einem ersten Halbjahr in Folge. Noch deutlicher wird der Rückstand im Konzern-Ranking: 15 Autobauer verzeichneten ein Umsatzplus – die drei deutschen Konzerne belegen lediglich die Plätze 16, 17 und 19. Den stärksten Zuwachs erzielte Tesla, gefolgt von Suzuki und Geely.

Gewinneinbruch trotz absoluter Spitzenposition

Noch besorgniserregender ist die Entwicklung beim Gewinn. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) der deutschen Autobauer sank um 19,0 Prozent auf 13,0 Milliarden Euro. Absolut liegen VW, Mercedes und BMW damit zwar weiterhin mit Abstand vor den Herstellern aus anderen Ländern – es ist jedoch der niedrigste Wert seit dem Pandemie-Jahr 2020.

Noch schlechter lief es nur bei Herstellern aus China (minus 21,9 Prozent) und Japan (minus 36,5 Prozent). Die US-Hersteller Ford, General Motors und Tesla legten hingegen um beeindruckende 32,9 Prozent zu. Der Gewinn aller betrachteten Hersteller stieg insgesamt um 11,4 Prozent auf 43,7 Milliarden Euro. Allerdings wird der Vergleich dadurch beeinflusst, dass etliche Konzerne im Vorjahreszeitraum massive Abschreibungen auf das E-Auto-Geschäft vorgenommen hatten.

EY-Experte: „Made in Germany“ wird zur Achillesferse

Nach Ansicht von EY-Branchenexperte Constantin Gall steckt Deutschlands Autoindustrie in einer tiefgreifenden Profitabilitätskrise. „Die deutschen Hersteller verlieren nicht nur Marktanteile, sondern vor allem Ertragskraft“, warnt Gall. Während internationale Wettbewerber ihre Margen stabilisierten, gerieten VW, Mercedes-Benz und BMW bei Gewinn und Rendite zunehmend ins Hintertreffen.

Die Ursachen sind vielfältig: „Die deutschen Konzerne leiden massiv unter strukturellen Kostennachteilen“, so Gall. Der hohe Produktionsanteil in Deutschland sei lange ein Wettbewerbsvorteil und Symbol für Qualität und Stärke gewesen. Angesichts einer viel zu geringen Lohnkostenproduktivität, hoher Energiepreise und hoher Bürokratiekosten werde er aber zunehmend zur Belastung.

Notwendige Veränderungen könnten hierzulande nicht konsequent umgesetzt werden. Daher werde es schwer, beim Thema Profitabilität den Anschluss an die Weltspitze wiederherzustellen. „Deutsche Konzerne suchen daher ihr Heil in der Abwanderung an attraktivere Standorte“, erklärte Gall. Deutschland könne nur Autonation bleiben, wenn alle Beteiligten über ihre Schatten sprängen und die strukturellen Standortnachteile schnell und pragmatisch lösten.

China: Von der Cashcow zum Risikofaktor

Neben den US-Zöllen macht den Autobauern insbesondere der Markt in China zu schaffen. Dieser hat sich Gall zufolge von der „Cashcow“ zum Sorgenkind entwickelt. In der Volksrepublik verzeichneten die drei deutschen Autobauer von Januar bis Juni einen Absatzrückgang von 25 Prozent. „China bleibt das größte Einzelrisiko für die deutschen Konzerne“, warnt Gall. Ein Minus in dieser Größenordnung lasse sich nicht kurzfristig in anderen Regionen ausgleichen.

Der chinesische Markt ist extrem wettbewerbsintensiv. Angesichts der schwachen Konjunktur verkaufen sich teure Premiumfahrzeuge schlechter. Und im wachsenden Elektrosegment bevorzugen chinesische Kunden zunehmend einheimische Marken. Der Anteil Chinas am weltweiten Absatz von Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW sank binnen eines Jahres von 28,9 auf 23,5 Prozent.

Doch auch die chinesischen Autobauer stehen unter Druck: Ihr weltweiter Absatz sank im ersten Halbjahr um acht Prozent, während der Absatz in Europa um 44 Prozent zulegte. „Der weltweite Expansionskurs und der brutale Preiswettbewerb im Heimatmarkt kosten auch die chinesischen Hersteller viel Geld“, so Gall. Aber sie hielten daran fest – mit steigendem Preisdruck für die europäischen Anbieter in der Heimat.

IG Metall mobilisiert – VDA kontert

Die Krise sorgt in der deutschen Autoindustrie für erhebliche Unruhe. Angesichts der Probleme laufen zahlreiche Jobabbauprogramme, die sich über mehrere Jahre erstrecken. Zehntausende Menschen sind betroffen – unter anderem bei Mercedes-Benz, BMW, im VW-Konzern sowie bei Zulieferern wie Bosch, Aumovio, ZF Friedrichshafen und Mahle. Bei VW steht sogar die Schließung der Werke Hannover, Emden, Zwickau sowie des Audi-Standorts Neckarsulm im Raum.

Dagegen macht die IG Metall an gut 200 Orten mobil. Unter dem Motto „Zukunft statt Kahlschlag“ erwartet die Gewerkschaft mehr als 100.000 Teilnehmer. Sie fordert von den Herstellern unter anderem mehr Investitionen in deutsche Werke, etwa in Batteriefertigung und autonomes Fahren.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hält dagegen eine größere Veränderungsbereitschaft von Gewerkschaften und Beschäftigten für nötig. Produktion in Deutschland sei „kein Naturgesetz“, die Auslastung von Werken „kein Selbstläufer“, schrieb VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Als Wettbewerbsnachteil nannte sie vor allem die hohen Arbeitskosten und die kürzeren Arbeitszeiten in Deutschland. Eine Arbeitsstunde koste in der deutschen Autoindustrie fast 65 Euro, in Tschechien 24 und in Polen 18 Euro. In Deutschland würden durchschnittlich 1300 Stunden im Jahr gearbeitet, in Tschechien 1800 und in Mexiko mehr als 2000 Stunden.

Für Anleger bleibt die Lage angespannt: Die deutschen Autowerte stehen vor einem schwierigen Strukturwandel, der kurzfristig keine Entspannung erwarten lässt. Die Kombination aus schwächelndem China-Geschäft, hohen Standortkosten und wachsendem Wettbewerbsdruck dürfte die Aktienkurse von VW, Mercedes-Benz und BMW auch in den kommenden Quartalen belasten.

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