Porsche drohen weitere 4.000 Stellenstreichungen laut Handelsblatt-Bericht
VW-Tochter Porsche steht laut Handelsblatt vor weiteren massiven Stellenstreichungen im Zuge des Konzernumbaus.

Der Druck auf die Volkswagen-Tochter Porsche wächst weiter. Nach einem Bericht des Handelsblatts sind im Zuge des umfassenden Umstrukturierungsplans des Mutterkonzerns weitere mehr als 4.000 Stellenstreichungen bei der Sportwagenschmiede vorgesehen. Damit verschärft sich die ohnehin angespannte Lage beim Stuttgarter Hersteller, der bereits zuvor umfangreiche Personalanpassungen vereinbart hatte.
Laut dem Bericht vom Samstag sehen Dokumente einer kürzlich getroffenen Vereinbarung des VW-Aufsichtsrats einen Abbau von „rund 4.100 Mitarbeitern“ bei Porsche vor. Ziel dieser Maßnahme ist es, ein Defizit bei den Gemeinkosten in Höhe von rund 700 Millionen Euro auszugleichen. Die Zeitung betont, dass die Kürzungen „zusätzlich zu bestehenden Vereinbarungen“ erfolgen sollen.
Bereits laufende Personalanpassungen werden ausgeweitet
Erst im Juli hatten das Management von Porsche und die Arbeitnehmervertreter zusätzliche 5.000 Entlassungen vereinbart. Diese kamen zu den zuvor bereits festgelegten 4.000 Stellenstreichungen hinzu. Rechnet man die nun berichteten weiteren 4.100 Stellen hinzu, beläuft sich der Umfang der derzeit vereinbarten Stellenabbauten beim Hersteller des 911 bis zum Jahr 2035 auf etwa ein Fünftel der Belegschaft.
Volkswagen selbst lehnte eine Kommentierung des Berichts ab. Ein Sprecher von Porsche verweigerte ebenfalls die Stellungnahme zu den berichteten Plänen des VW-Aufsichtsrats. Dabei ist rechtlich zu beachten, dass das Mutterunternehmen solche Maßnahmen bei Porsche lediglich empfehlen, nicht aber anordnen kann.
Gewinnwarnung belastet die gesamte VW-Gruppe
Die neuen Berichte über mögliche Stellenstreichungen kommen nicht überraschend. Volkswagen hatte am Freitag seine Zielvorgabe für die Marge im Gesamtjahr deutlich nach unten korrigieren müssen. Statt der bisher erwarteten Spanne von 4,0 bis 5,5 Prozent hofft der Konzern nun bestenfalls auf ein Prozent. Diese drastische Korrektur ist maßgeblich auf Abschreibungen bei Porsche zurückzuführen.
Bei der Sportwagentochter steht CEO Michael Leiters massiv unter Druck. Er muss eine Comeback-Strategie umsetzen, nachdem die Verkäufe in China eingebrochen sind und die Elektrofahrzeug-Strategie des Herstellers kostspielig revidiert werden musste. Die Absatzprobleme im wichtigsten Automarkt der Welt sowie die strategischen Fehler bei der Elektrifizierung haben Porsche in eine schwierige Lage gebracht.
Der geplante Stellenabbau ist Teil des größten Umbaus der deutschen Autogruppe in ihrer Geschichte. Volkswagen-Chef Oliver Blume, der zeitgleich auch Porsche führt, steht vor der Herausforderung, die Traditionsmarke wieder auf Kurs zu bringen. Die Kombination aus rückläufigen Verkaufszahlen in China, hohen Investitionen in die Elektromobilität und den Kosten für die strategische Neuausrichtung setzt das Unternehmen massiv unter Druck.
Für die Beschäftigten bei Porsche bedeutet die Entwicklung eine Phase großer Unsicherheit. Die Gewerkschaften und Arbeitnehmervertreter werden voraussichtlich auf sozialverträgliche Lösungen drängen, während das Management die Kosten senken muss, um die Wettbewerbsfähigkeit der Marke zu sichern. Die kommenden Monate werden zeigen, wie die Verhandlungen zwischen den Parteien verlaufen und ob die von VW empfohlenen Kürzungen tatsächlich umgesetzt werden.
