Vonovia-Aktien fallen nach Berlin-Wahl ans Dax-Ende
Vonovia-Aktien fallen nach Berlin-Wahl ans Dax-Ende. Anleger fürchten Enteignungspläne der Linken.

Die Aktien des Immobilienkonzerns Vonovia sind am Montag nach dem Ausgang der Berliner Abgeordnetenhauswahl unter Druck geraten. Die Papiere fielen bis zum späten Vormittag als Schlusslicht im DAX um 2,2 Prozent auf 17,31 Euro und erreichten damit das Niveau von Juni 2023. Der deutsche Leitindex legte im gleichen Zeitraum um ein Prozent zu.
Hintergrund der Kursverluste ist der Wahlsieg der Linken in Berlin. Die Partei kam auf 25,7 Prozent der Stimmen. Wahlsiegerin Elif Eralp von den Linken kündigte an, große Wohnungsunternehmen enteignen und einen Mietendeckel für landeseigene Wohnungen einführen zu wollen. „Wenn die Linke regiert, wird vergesellschaftet. Das habe ich so gesagt, und dabei bleibe ich auch“, sagte Eralp in der ARD. Für Anleger sind diese Ankündigungen ein Warnsignal.
Wohnungspolitik und die Folgen für Vonovia
Die Linke bezieht sich bei ihren Plänen auf einen erfolgreichen Volksentscheid aus dem Jahr 2021 zur Enteignung großer Wohnungskonzerne gegen Entschädigung. Ziel ist es, rund 220.000 zusätzliche kommunale Wohnungen zu schaffen, um mehr Einfluss auf den angespannten Berliner Wohnungsmarkt zu nehmen, auf dem die Mieten seit Jahren stark steigen. Experten sehen jedoch hohe rechtliche, politische und finanzielle Hürden für eine Umsetzung der Enteignungspläne.
Vonovia selbst sieht sich unterdessen als Teil der Lösung. „Ich glaube, dass unser Unternehmen Teil der Lösung sein muss und auch ist“, sagte Vorstandschef Luka Mucic der Deutschen Presse-Agentur. Der Konzern habe etwa den Neubau hochgefahren, um zur Entspannung des Wohnungsmarktes beizutragen.
Schwieriges Marktumfeld für Immobilienwerte
Neben den politischen Risiken belastet auch das konjunkturelle Umfeld die Aktie. Das Geschäftsmodell börsennotierter Immobilienkonzerne basiert stark auf Fremdfinanzierung. Steigende Zinsen an den Kapitalmärkten werden zum Problem, wenn sich die Unternehmen neu refinanzieren müssen und das Zinsniveau in der Zwischenzeit deutlich angestiegen ist.
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Mit einer Rendite von aktuell 3,47 Prozent sind zehnjährige Bundesanleihen aus Anlageperspektive mittlerweile eine attraktive Alternative zu Aktien im Allgemeinen und Immobilienwerten im Speziellen geworden. Dies setzt die Bewertungen von Immobilienkonzernen wie Vonovia zusätzlich unter Druck.
Für Anleger bleibt die Lage damit zweigeteilt: Während die politischen Risiken aus Berlin kurzfristig für Verunsicherung sorgen, sind es die strukturellen Herausforderungen des Zinsumfelds, die das Geschäftsmodell der Branche mittelfristig belasten könnten.
