KI-Expansion treibt Büromieten in Singapur in die Höhe
OpenAI, Anthropic und Co. drängen auf den Markt – Mietsteigerungen von bis zu zehn Prozent erwartet.

KI-Giganten wie OpenAI und Anthropic setzen den Büroimmobilienmarkt in Singapur massiv unter Druck. Die Unternehmen verfolgen ehrgeizige Expansionspläne in dem Stadtstaat, der sich als globaler KI-Hub positionieren will. Prognosen zufolge könnten die Mieten im Stadtzentrum im kommenden Jahr um bis zu zehn Prozent steigen.
In den vergangenen zwölf Monaten haben mehrere der am schnellsten wachsenden Technologieunternehmen der Welt Niederlassungen in Singapur gegründet. Die Regierung des Stadtstaats hat die Ansiedlung dieser Firmen als Teil einer nationalen Strategie priorisiert, um künstliche Intelligenz ins Zentrum der singapurischen Wirtschaft zu rücken.
„Dies schafft ein ‚glückliches Problem‘ für Vermieter“, sagte Lawrence Tan, Associate Director bei der Immobilienagentur Brilliance Capital. „In den nächsten 12 bis 18 Monaten steht eine echte Verknappung bevor.“
OpenAI plant Großbüro im Stadtzentrum
OpenAI hat eines der größten Versprechen gegenüber Singapur abgegeben. Der Hersteller von ChatGPT richtete sein erstes angewandtes KI-Labor außerhalb der USA ein und kündigte eine Investition von mehr als 300 Millionen Singapore-Dollar (237 Millionen US-Dollar) an. In den kommenden Jahren will das Unternehmen mehr als 200 Mitarbeiter in Singapur einstellen, viele davon in Ingenieurpositionen.
Laut Personen mit Kenntnis der Pläne verhandelt OpenAI über die Anmietung von 100.000 Quadratfuß Bürofläche, die fünf Etagen in einem neu renovierten Zentralturm umfasst. Das Unternehmen reagierte nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme. Mit dieser Fläche könnte OpenAI nach Angaben von Immobilienanalysten Platz für bis zu 800 Mitarbeiter bieten.
Kürzlich hat OpenAI zudem Meta-Managerin Sandhya Devanathan abgeworben, um seine Operationen in Südostasien und Australien von Singapur aus zu leiten.
Anthropic und weitere KI-Firmen drängen auf den Markt
Der Konkurrent Anthropic, der bedeutende Investitionen vom singapurischen Staatsfonds GIC erhalten hat, plant, im Oktober ein Büro im Stadtzentrum zu eröffnen. Auf seiner Karriereseite sind mehrere finanzbezogene Positionen mit Sitz in Singapur ausgeschrieben, die die Region Asien-Pazifik überwachen.
Auch Google DeepMind hat ein Forschungslabor in Singapur eingerichtet. Das Transkriptions-Tool Plaud und der französische Start-up Mistral haben angekündigt, bis Ende des Jahres jeweils mindestens 100 Mitarbeiter im Stadtstaat beschäftigen zu wollen.
Das KI-Datenunternehmen Databricks plant, seinen Bürostandort in Singapur bis Ende des Jahres zu vervierfachen, wenn es 32.000 Quadratfuß Fläche bezieht. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 250 Menschen in Singapur – darunter seinen General Manager für Asien-Pazifik und Japan – und plant, die Belegschaft im nächsten Jahr um die Hälfte zu erhöhen.
Angebotsknappheit treibt Mieten
Diese Unternehmen konkurrieren um einen zunehmend schrumpfenden Pool an erstklassigen Büroeinheiten, die ihren Anforderungen an starke Netzwerkverbindungen, hohe Sicherheitsstandards und zentrale Lage gerecht werden. Die Leerstandsquoten für die gefragtesten Einheiten liegen laut Immobilienfirma Savills bei einem 13-Jahres-Tief von lediglich 3,1 Prozent.
Dies ist hauptsächlich auf den Mangel an Angebot neuer Entwicklungen zurückzuführen. Die nächste Welle neuer Bürogebäude wird erst Anfang 2028 eröffnet. Alan Cheong von Savills Singapore erklärte, dass viele KI-Unternehmen aufgrund rasanter Expansion weit mehr Platz beanspruchten, als sie aktuell benötigten: „Sie sind gut mit Cash versorgt und werfen nur so mit Geld um sich.“
Singapur als bevorzugter KI-Standort in Asien
Obwohl die Bürogrundmieten in Hongkong tendenziell höher sind, verfügt das chinesische Sonderverwaltungsgebiet über mehr Kapazität als Singapur. Die Kostendifferenz zwischen den beiden asiatischen Hub-Städten schließt sich allerdings. US-amerikanische Technologieunternehmen werden Hongkong jedoch aufgrund der geopolitischen Spannungen zwischen Washington und Peking wahrscheinlich weniger bevorzugen.
Singapur hat die KI zum Kern seiner Wirtschaftsstrategie gemacht und in diesem Jahr einen speziellen National AI Council ins Leben gerufen, der von Premierminister Lawrence Wong geleitet wird. Der Ansatz mit offenem Zugang hat den Stadtstaat zu einem beliebten Ziel für internationale Expansionen sowohl für US-amerikanische als auch für chinesische KI-Unternehmen gemacht.
