Brent-Öl vor längster Verlustserie seit Juni – Fokus auf Diplomatie
Brent-Rohöl fällt um bis zu 3,5 Prozent – längste Verlustserie seit Juni zeichnet sich ab

Der Ölpreis gerät weiter unter Druck: Brent-Rohöl steuert auf seine längste Verlustserie seit Juni zu. Am Freitag fiel der globale Referenzpreis um bis zu 3,5 Prozent und näherte sich wieder der Marke von 100 US-Dollar pro Fass. Auslöser sind robuste Durchflussmengen durch die strategisch wichtige Straße von Hormus sowie zunehmende diplomatische Signale zwischen Washington und Teheran.
Der jüngste Kursrutsch wird durch mehrere Faktoren gleichzeitig befeuert. Zum einen sorgen stabile Lieferungen durch die Meerenge am Persischen Golf für Entspannung auf der Angebotsseite. Zum anderen gewinnen diplomatische Bemühungen zur Beendigung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran an Fahrt – ein Szenario, das die Risikoprämie am Ölmarkt weiter drücken könnte.
Diplomatische Signale aus Washington
US-Präsident Donald Trump hat in einem Interview mit Fox News seine Bereitschaft zu direkten Gesprächen mit dem Iran signalisiert. Trump erklärte, er sei „wahrscheinlich offen“ für ein Treffen mit seinem iranischen Amtskollegen Masoud Pezeshkian. Ein mögliches Aufeinandertreffen könnte am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York stattfinden, die in dieser Woche beginnt.
Die Aussicht auf eine diplomatische Lösung des Konflikts belastet die Ölpreise zusätzlich. Seit Monaten hatten die Spannungen zwischen Washington und Teheran für eine deutliche Risikoprämie am Rohölmarkt gesorgt. Sollte sich eine Entspannung abzeichnen, könnte dies den Preis weiter nach unten drücken.
Gipfeltreffen mit China im Fokus
Neben den Gesprächen mit dem Iran plant Trump in New York auch einen Gipfel mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping. Auch dieses Treffen könnte weitreichende Auswirkungen auf die globalen Rohstoffmärkte haben. Ein möglicher Handelsdialog zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt würde die Konjunkturaussichten und damit die Nachfrageerwartungen an den Ölmärkten beeinflussen.
Die aktuelle Entwicklung markiert für Brent-Öl die längste Abwärtsphase seit Juni dieses Jahres. Damals hatte eine ähnliche Kombination aus Angebotsausweitungen und geopolitischer Entspannung für fallende Preise gesorgt. Nun wiederholt sich das Muster: Stabile Lieferketten und diplomatische Fortschritte setzen die Preise unter Druck.
Blick auf die kommenden Tage
Anleger und Marktbeobachter richten ihren Fokus nun auf die Gespräche am Rande der UN-Generalversammlung. Jede konkrete Annäherung zwischen den USA und dem Iran könnte die Ölpreise weiter belasten. Sollte es zu einem direkten Treffen zwischen Trump und Pezeshkian kommen, wäre dies ein starkes Signal für eine mögliche Deeskalation.
Gleichzeitig bleibt die Lage fragil. Die Straße von Hormus gilt als einer der wichtigsten Engpässe für den globalen Öltransport. Rund ein Fünftel des weltweiten Rohöls passiert diese Meerenge. Sollten die diplomatischen Bemühungen scheitern, könnte die Risikoprämie schnell wieder ansteigen.
Für den Moment dominiert jedoch die Entspannung: Brent-Öl notiert auf dem Weg zurück zur 100-Dollar-Marke und die längste Verlustserie seit Juni ist zum Greifen nah.
