Solitude-Pipeline: Konkurrenten werden Partner im Erdgas-Milliardenprojekt
MPLX, Western Midstream, Diamondback und Devon Energy bündeln Kräfte für neues Pipeline-System.

Das Solitude-Pipeline-System hat die behördliche Genehmigung erhalten und wird die Erdgasförderung im Permian-Becken mit der Nachfrage an der Golfküste verbinden. Angesichts der aktuellen globalen Nachfrage nach Erdgas könnte dies ein wertvolles Investitionsprojekt darstellen. Besonders bemerkenswert ist jedoch die ungewöhnliche Konstellation der Investoren: Ausgerechnet Wettbewerber arbeiten hier zusammen.
Zu den Unterstützern des Projekts zählen die Pipeline-Betreiber MPLX LP und Western Midstream Partners sowie die Upstream-Produzenten Diamondback Energy und Devon Energy. Diese Rivalen haben sich zusammengefunden, um die enormen Kosten und Risiken eines solchen Infrastrukturprojekts zu teilen.
Pipeline-Projekte sind Großgeschäfte
Der Bau einer neuen Pipeline kann Hunderte von Millionen US-Dollar kosten und oft noch mehr. Die Entwicklungsphase erstreckt sich über mehrere Jahre. Die Solitude-Pipeline erhielt Mitte August 2026 die Genehmigung und soll planmäßig in der zweiten Hälfte des Jahres 2029 den ersten Transport aufnehmen. Dies betrifft lediglich die erste Phase des Investitionsprojekts; eine zweite Phase wird voraussichtlich im Jahr 2030 abgeschlossen sein.
Obwohl keine konkreten Kostendaten vorliegen, ist entscheidend, dass erst dann Einnahmen generiert werden, wenn das Gas tatsächlich durch die Pipeline fließt. Es fallen enorme Vorabinvestitionen an, und bis zur Fertigstellung des Projekts entstehen keinerlei Einnahmen. Das stellt für ein einzelnes Unternehmen eine erhebliche finanzielle Belastung dar. Es hilft sehr, diese Last zu teilen, selbst wenn dies die Partnerschaft mit Wettbewerbern erfordert.
Genau das geschieht bei MPLX LP und Western Midstream Partners. MPLX LP wird 10 Prozent der Pipeline besitzen, während Western Midstream 7,5 Prozent hält. Ein privates Energieinfrastrukturunternehmen namens Whitewater besitzt mit 50 Prozent die Mehrheit. Somit arbeiten MPLX LP und Western Midstream Partners tatsächlich mit einem dritten Mitbewerber aus dem Midstream-Sektor zusammen.
Sicherstellung der Nachfrage
Damit sind 67,5 Prozent des Projekts abgedeckt. Den Rest teilen sich Diamondback Energy und Devon Energy, zwei Rivalen im Upstream-Bereich der Energiewirtschaft. Upstream-Unternehmen nutzen Pipelines, um ihre Produkte zum Markt zu bringen. Durch die Finanzierung solcher Projekte stellen sie sicher, dass ihnen Zugang zu Pipelines gewährt wird, um ihr Produktionswachstum zu unterstützen.
Devon Energy wird 25 Prozent der Pipeline besitzen, Diamondback Energy hält 7,5 Prozent, womit die restlichen 32,5 Prozent abgedeckt werden. Insgesamt ist dies eine gute Nachricht für alle beteiligten Unternehmen. Die Verteilung der finanziellen Belastung trägt dazu bei, den Erfolg des Projekts zu gewährleisten.
Derartige Geschäfte bleiben oft unbemerkt und erscheinen lediglich als einfacher Posten in den Investitionsplänen eines Midstream-Betreibers. Doch die hier beschriebene Gruppendynamik ist typisch für die Art und Weise, wie Geschäfte im Energiesektor abgewickelt werden. Für Anleger lohnt sich ein genauerer Blick auf solche Partnerschaften, da sie das Risiko für die beteiligten Unternehmen deutlich reduzieren können.
