Pokémon: Wie eine Käfersammlung zum Milliarden-Imperium wurde
Aus einer Kindheitsidee wurde das erfolgreichste Medien-Franchise der Welt – mit Milliardenumsätzen.

Als Kind sammelte Satoshi Tajiri in Tokio Käfer – heute ist seine Erfindung ein Milliardenimperium. Die Rede ist von Pokémon, jenem Videospiel-Franchise, das 1996 auf den Markt kam und seither die Welt erobert hat. Schätzungen zufolge hat die Marke zwischen 130 und 280 Milliarden US-Dollar Umsatz generiert. Pokémon selbst bezeichnet sich als die erfolgreichste Medienmarke aller Zeiten.
Die Ursprünge reichen ins Jahr 1989 zurück, als Tajiri seine Idee bei Nintendo vorstellte. Es dauerte sieben Jahre, bis Pokémon am 27. Februar 1996 für den Game Boy erschien. Der Erfolg stellte sich sofort ein: Bereits im September 1996 hatte sich das Spiel über eine Million Mal verkauft. Noch im selben Jahr brachte Nintendo ein Sammelkartenspiel auf den Markt, 1997 folgte eine Fernsehserie – zunächst alles nur in Japan.
Der schwierige Weg in den Westen
Als Tajiri und sein Team Pokémon erstmals im Westen präsentierten, stießen sie auf erhebliche Widerstände. Die Kritik war deutlich: Das Design sei „zu süß", das Spiel zu komplex und zu textlastig. Nintendos US-Ableger schlug sogar eine radikale Neugestaltung vor. Das bekannteste aller Monster, Pikachu – eine gelbe Maus mit roten Backen und blitzförmigem Schwanz – sollte zu einem Tiger mit großen Brüsten umgestaltet werden. Das Design sollte stärker an Graffiti erinnern.
Tajiri zeigte sich später irritiert über die kulturellen Unterschiede: „Ich konnte die kulturellen Unterschiede genießen, aber es hat mich ganz sicher nicht dazu gebracht, in einem solchen Markt antreten zu wollen." Die Entwickler blieben standhaft und behielten die ursprünglichen Designs bei.
1998 brachte Nintendo Pokémon mit geringen Erwartungen in den USA auf den Markt, Deutschland folgte 1999. Das Spiel verkaufte sich millionenfach und entwickelte sich zum globalen Phänomen. Bis Ende der 2000er-Jahre hielt der Hype an, ehe es einige Jahre ruhiger um das Franchise wurde.
Pokémon Go als zweite Welle
2016 gelang den Machern mit Pokémon Go ein weiterer Coup. Einen Sommer lang streiften Menschen mit dem Smartphone durch die Gegend, um virtuelle Monster in der realen Welt zu jagen. Das Augmented-Reality-Spiel wurde mittlerweile über eine Milliarde Mal heruntergeladen und dürfte sechs bis acht Milliarden US-Dollar Umsatz generiert haben. Es zählt zu den erfolgreichsten Handyspielen aller Zeiten.
Seit 2020 erleben auch die Sammelkarten eine Renaissance. Originalkarten aus den 1990er-Jahren wechseln teils für Millionenbeträge den Besitzer. Im Februar 2026 erzielte die Karte Pikachu Illustrator – von der nur 39 Exemplare existieren – einen Preis von 16,5 Millionen Dollar. Das ist der höchste jemals für eine Sammelkarte gezahlte Betrag.
Für Anleger bleibt Nintendo als Mutterkonzern der zentrale Börsenbezug. Der japanische Gaming-Riese notiert in Tokio und profitiert direkt von den Pokémon-Erlösen. Zudem sind Lizenznehmer wie The Pokémon Company (ein Joint Venture zwischen Nintendo, Game Freak und Creatures) an den Umsätzen beteiligt. Die Marke zeigt mit jedem neuen Spiel- oder Kartenset, dass sie auch nach 30 Jahren nichts von ihrer Strahlkraft verloren hat.
Was Tajiri wohl nicht ahnte, als er als Kind in Tokio Käfer sammelte: Aus diesem Hobby wurde ein Milliardenimperium, das Generationen von Spielern weltweit geprägt hat.
