Friedland warnt: Kupferknappheit droht – Nachfrage übersteigt Produktion
Ivanhoe-Mines-Gründer Friedland sieht massive Versorgungslücke – Produktion kann mit Nachfrage nicht Schritt halten

Die globale Kupferindustrie steht vor einer historischen Herausforderung. Während die Nachfrage nach dem roten Metall durch den Bau von Rechenzentren, die Verbreitung von Elektrofahrzeugen und weltweite Wiederindustrialisierungsbestrebungen rasant steigt, kann die Produktion nicht mithalten. Robert Friedland, Gründer und Co-Vorsitzender von Ivanhoe Mines, schlägt nun Alarm: Die Welt steuert auf eine tiefgreifende Kupferknappheit zu.
In einem aktuellen Interview mit dem Bloomberg-Podcast „Odd Lots“ zeichnete der erfahrene Bergbauunternehmer ein düsteres Bild der Versorgungslage. „Bei der aktuellen Rate des globalen Wirtschaftswachstums und einer Bevölkerung von acht Milliarden Menschen auf diesem Planeten müssen wir – abgesehen von der Elektrifizierung der Weltwirtschaft und abgesehen von Elektroautos – drei Prozent Wirtschaftswachstum aufrechterhalten“, sagte Friedland. Die daraus resultierende Rechnung ist atemberaubend: „Wir müssen in den nächsten 18 Jahren dieselbe Menge Kupfer abbauen, wie wir sie in den letzten 10.000 Jahren abgebaut haben, und diejenigen von uns, die in der Branche tätig sind, sehen dies als unmöglich an.“
Preistreiber und geopolitische Risiken
Die Kupferpreise steigen bereits jetzt, angetrieben durch mehrere Faktoren. Handelskriege und Ressourcen-Nationalismus belasten die globalen Lieferketten. Zudem wird erwartet, dass die USA weitere Zölle auf raffiniertes Kupfer erheben könnten, was die Preise zusätzlich nach oben treiben würde. Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage öffnet sich immer weiter.
Ein weiterer entscheidender Faktor ist der steigende Energiebedarf durch Künstliche Intelligenz. Friedland betonte, dass KI-Technologien nicht nur enorme Mengen an elektrischer Energie verbrauchen, sondern auch eine intensive Nutzung von Kupfer erfordern. Rechenzentren, die für das Training und den Betrieb von KI-Modellen benötigt werden, sind wahre Kupferfresser – für Stromkabel, Transformatoren und Kühlsysteme.
Technologische Herausforderungen beim Kupferabbau
Die Branche steht vor einem grundlegenden Dilemma. „Wir können als Branche das Kupfer, das wir für den Energiewandel benötigen, nicht mit der Technologie von gestern finden und verantwortungsvoll abbauen. Das ist einfach unmöglich“, erklärte Friedland. Er verwies dabei auf die Auswirkungen der globalen Erwärmung und das Problem hoher Dieselpreise, die den energieintensiven Bergbau zusätzlich verteuern.
Hinzu kommen geopolitische Risiken, die direkte Auswirkungen auf die Kupferproduktion haben. Friedland untersuchte in dem Podcast auch die Folgen des Krieges im Nahen Osten und insbesondere die mögliche Schließung der Straße von Hormus. Diese strategische Meerenge ist nicht nur für den Öltransport wichtig, sondern hat auch direkte Auswirkungen auf die Kupfergewinnung.
Schwefelsäure als kritischer Produktionsfaktor
Die Schließung der Straße von Hormus hat bereits zu einem Anstieg der Preise für Schwefelsäure geführt. Dieses chemische Produkt wird beim Haufenlaugungsverfahren zur Kupferextraktion eingesetzt. Friedland merkte an, dass etwa 25 Prozent des weltweit gewonnenen Kupfers Schwefelsäure zur Laugung benötigt. Steigende Schwefelsäurepreise verteuern somit direkt einen erheblichen Teil der globalen Kupferproduktion.
Trotz der düsteren Aussichten zeigte sich Friedland nicht völlig pessimistisch. „Wir glauben zwar, dass es mit großer Mühe möglich ist, uns durch Innovation aus diesem Dilemma zu befreien, aber es wird sehr schwierig werden und ein hart umkämpftes Unterfangen sein“, sagte er. Die Lösung liege in technologischem Fortschritt: „Wir sind darauf angewiesen, technologisch versiert zu werden und eine technologische Revolution zu erleben. Es wird nicht einfach sein.“
Für Anleger bedeutet dies: Kupfer bleibt ein strategischer Rohstoff mit struktureller Angebotslücke. Die Kombination aus steigender Nachfrage durch Elektrifizierung, KI und Wiederindustrialisierung sowie begrenzten Produktionskapazitäten spricht für anhaltend hohe Kupferpreise. Allerdings sind die Produktionskosten ebenfalls im Steigen begriffen, was die Margen der Bergbauunternehmen unter Druck setzen könnte.
