EZB bereitet Dezember-Sitzung zu Inflation vor
Interne Differenzen über mögliche Zinssenkung und Spielraum beim Inflationsziel

Die Entscheidungsträger der Europäischen Zentralbank bereiten sich auf eine richtungsweisende Sitzung im Dezember vor, bei der neue Projektionen für die kommenden drei Jahre entscheidend sein werden. Nach Informationen aus Notenbankkreisen dürfte das Treffen zu intensiven Diskussionen über die weitere geldpolitische Ausrichtung führen. Im Zentrum steht die Frage, ob die Inflationsentwicklung in den kommenden Jahren unter das angestrebte Ziel von zwei Prozent fallen könnte und wie die EZB darauf reagieren sollte.
Die Europäische Zentralbank hatte den Leitzins zuletzt bei zwei Prozent belassen – bereits zum dritten Mal in Folge. Präsidentin Christine Lagarde betonte, dass sich die Geldpolitik derzeit in einer „guten Position“ befinde. Die Eurozone zeige trotz anhaltender Unsicherheiten eine gewisse wirtschaftliche Widerstandskraft, während die Risiken für das Wachstum abnähmen. Unter den Mitgliedern des EZB-Rats herrscht jedoch Uneinigkeit darüber, wie stark sich der rückläufige Inflationsdruck auf die künftige Zinspolitik auswirken sollte.
Nach Einschätzung der Zentralbank dürfte die Inflation im kommenden Jahr leicht unter die Zielmarke fallen, bevor sie sich erst Ende 2027 wieder erholt. In den neuen Prognosen, die im Dezember vorgestellt werden, wird erstmals auch eine Schätzung für das Jahr 2028 enthalten sein. Sollte diese auf eine anhaltende Unterschreitung des Inflationsziels hindeuten, sehen einige Entscheidungsträger darin einen möglichen Anlass, über eine Zinssenkung zu diskutieren. Andere mahnen jedoch zur Vorsicht: Langfristige Projektionen seien unsicher, und eine moderate Abweichung von 20 bis 30 Basispunkten könne toleriert werden.
Das unterschiedliche Meinungsbild verdeutlicht die Unsicherheit innerhalb des EZB-Rats über den Spielraum, den die Bank bei ihrem Inflationsziel haben sollte. Die im Laufe des Jahres veröffentlichte Strategie der Zentralbank lässt bewusst offen, wie stark das Ziel verfehlt werden darf, da dies vom jeweiligen wirtschaftlichen Umfeld abhängt. Lagarde bekräftigte zuletzt, dass die EZB das Risiko einer zu niedrigen Inflation ebenso ernst nehme wie das einer zu hohen – ein Grundprinzip ihrer symmetrischen Ausrichtung.
