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Dreifach-Schock für US-Wirtschaft: Zölle, Spritpreise und Zinsen

Zölle, explodierende Kraftstoffkosten und steigende Zinsen setzen US-Unternehmen massiv unter Druck.

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Dreifach-Schock für US-Wirtschaft: Zölle, Spritpreise und Zinsen

Die US-Wirtschaft steckt in einer historischen Zangenbewegung: Zölle, explodierende Kraftstoffpreise und steigende Zinsen setzen Unternehmen aller Größenordnungen massiv unter Druck. Besonders mittelständische Hersteller und die Automobilzulieferindustrie geraten dabei zwischen die Mühlsteine.

Allen Eden, Inhaber des 25-köpfigen Unternehmens TheOriginal Saw Co. in Britt, Iowa, beschreibt die Lage gegenüber CNBC mit einem Wort: „furchtbar“. Sein Betrieb stellt industrielle Kreissägen für Holz- und Metallarbeiten her und kämpft mit sprunghaft steigenden Preisen für Aluminium, Stahl und essentielle Bauteile. Ein „kleiner Halter“ für Sägenmotoren habe seinen Preis in diesem Sommer mehr als verdoppelt – von 42 auf 87 Dollar. Eden hortet daher zusätzliche Lagerbestände, aus Sorge, die benötigten Teile später nicht mehr beschaffen zu können.

Es ist eine Dreifach-Zange, die Unternehmen in Fertigung, Transport und Einzelhandel erfasst: Die Zölle der Trump-Administration verteuern Rohstoffe und Waren. Die explodierenden Kraftstoffpreise infolge des Iran-Krieges treiben die Produktions- und Transportkosten in die Höhe. Und die steigenden Zinsen der Federal Reserve machen es teurer, Lagerbestände und Ausrüstungen zu finanzieren.

Die Fed dreht an der Zinsschraube

Um die hartnäckige Inflation einzudämmen, hat die Federal Reserve die Zinssätze zum ersten Mal seit drei Jahren angehoben. Ein weiterer Anstieg noch in diesem Jahr gilt als möglich. Für Unternehmen bedeutet das: Kredite für Wachstum und die Finanzierung von Lagerbeständen werden teurer, während gleichzeitig Rekordpreise für Diesel die Margen im Lkw-Transport zusätzlich unter Druck setzen.

Der Schmerz verteilt sich dabei ungleich. Kleinere Unternehmen, die sich typischerweise auf kurzfristige Kredite stützen, spüren die Zinserhöhungen der Fed direkter in ihren Kosten, erklärt Dubravko Lakos-Bujas, Leiter der globalen Strategie bei JPMorgan Chase. Unabhängig von der Größe leiden jedoch kapitalintensive Sektoren wie Fertigung, Logistik und Gewerbeimmobilien überproportional.

Gregory Daco, Chefökonom bei EY-Parthenon, bringt es auf den Punkt: „Die Kombination aus höheren Zinsen und höheren Kraftstoffpreisen bedeutet, dass Sektoren mit starker Exposition gegenüber beiden Faktoren als Erste ins Visier genommen werden.“ Jede Art von Fertigung sei unverhältnismäßig stark betroffen.

Autozulieferer in der Krise

Besonders dramatisch ist die Lage in der heimischen Automobilzulieferkette. Lucerne International, ein privat gehaltener Autoersatzteiler aus den Vororten von Detroit, stellte die Produktion in den USA komplett ein und strich Pläne für eine 50 Millionen Dollar teure Aluminium-Gießerei in Michigan. CEO Mary Buchzeiger erklärt: „Der Beginn der Trump-Zölle 2.0 hat unsere globalen Lieferketten regelrecht zerfressen und die Kosten erheblich erhöht.“ Ihr Unternehmen produziert nun im Ausland und hat die US-Operationen auf Lagerhaltung und Zollminderungs-Lösungen umgestellt.

Die Zahlen belegen den Druck: Das Wachstum der 100 größten Autozulieferer, gemessen am Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT), fiel im vergangenen Jahr auf 4,2 Prozent, nach mehr als 6 Prozent im Jahr 2021. Unter den Top 10 der Autohersteller liegt die Zahl bei 5,2 Prozent, nach fast 8 Prozent im Jahr 2022.

Der spanische Autozulieferer Grupo Antolin, der Komponenten an Ford, GM, Volkswagen und Stellantis liefert, beantragte im Juli Schutz vor Gläubigern nach Chapter 15 in den USA. Das Unternehmen nannte Zölle, höhere Rohstoff- und Energiekosten sowie Lieferkettenstörungen als Gründe für die Umstrukturierung.

Die Spaltung der Wirtschaft: Wer hat Preismacht?

Besser gestellt sind die Giganten der Weltwirtschaft – Tech- und Finanzunternehmen, die den S&P 500 füllen. Sie verfügen typischerweise über größere Cash-Reserven und langfristige Schulden, was sie vor den schmerzhaften Auswirkungen höherer Zinsen schützt. Der Schmerz würde laut JPMorgan-Analyst Lakos-Bujas erst einsetzen, wenn die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe 6 Prozent erreicht – derzeit liegt sie bei rund 5 Prozent.

Die entscheidende Frage in der gesamten US-Wirtschaft lautet: Wer verfügt über Preismacht? Einige Branchen geben höhere Kosten problemlos an die Verbraucher weiter, andere sitzen in der Falle. Fluggesellschaften etwa rühmten sich zuletzt höherer Ticketpreise, da Kunden weiterhin Reisen buchen. Die Preise lagen im August um mehr als 23 Prozent über dem Vorjahresniveau. United CFO Mike Leskinen räumte jedoch ein: „Es gibt einige marginale Routen, die in einem Umfeld mit höheren Kraftstoffkosten keinen Sinn ergeben. Deshalb haben wir sie gestrichen.“

Auf der Einzelhandelsseite wird der Druck durch Energie- und Rohstoffkosten selbst bei Giganten wie Home Depot spürbar. CFO Richard McPhail erklärte, der unerwartete Druck werde den Nutzen von 730 Millionen Dollar an Zollrückerstattungen „vollständig aufwiegen“.

Ein Risiko für die gesamte Wirtschaft

Ein Großteil der US-Wirtschaft bleibt trotz höherer Kraftstoff- und Finanzierungskosten widerstandsfähig. Die Gewinnmargen großer Unternehmen bewegen sich nahe historischer Höchststände, angetrieben durch Produktivitätssteigerungen, gezügelte Lohnkosten und boomende KI-Investitionen.

Doch ein Risiko der Zinspolitik besteht darin, dass höhere Zinsen die Ursachen der Inflation nicht direkt angehen: den Iran-Krieg, die Zölle der Trump-Administration und den KI-Boom, der die Preise für alles von Strom über Speicherchips bis hin zu Kupfer in die Höhe treibt. EY-Chefökonom Daco warnt: „Die Wirtschaft ist widerstandsfähig, aber sie ist wachsenden Risikopunkten ausgesetzt. Ein Schock könnte schneller eintreten, als wir alle denken.“

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