Griechische Banken: Comeback mit 12 Prozent EPS-Wachstum pro Jahr
J.P. Morgan sieht griechische Banken auf Wachstumskurs mit hohen Renditen und Aktionärsausschüttungen.

Die griechischen Banken haben einen bemerkenswerten Wandel vollzogen. Nach Jahren der Bilanzbereinigung und Restrukturierung rücken nun Wachstum, Gewinne und Aktionärsrenditen in den Fokus. J.P. Morgan prognostiziert dem Sektor ein jährliches Gewinnwachstum pro Aktie (EPS) von zwölf Prozent zwischen 2025 und 2028 sowie Renditen auf das tangible Eigenkapital im mittleren zweistelligen Bereich.
Die Transformation des Sektors ist das Ergebnis einer tiefgreifenden Restrukturierung. Die Quoten notleidender Kredite sind auf rund zwei bis drei Prozent gesunken – ein drastischer Rückgang verglichen mit Werten von über 50 Prozent während der griechischen Finanzkrise. Die Kapitalrentabilität hat mit 1,3 Prozent inzwischen mehr als das Doppelte des Euroraum-Durchschnitts von 0,6 Prozent erreicht.
Aktionärsrenditen und Finanzierungsvorteile
Nach einer 15-jährigen Pause haben die griechischen Banken wieder Ausschüttungen an die Aktionäre aufgenommen. Diese basieren auf den Ergebnissen ab 2023 und markieren einen wichtigen Wendepunkt für den Sektor. Die Wiederaufnahme der Dividenden signalisiert das Vertrauen der Institute in ihre nachhaltige Ertragskraft.
Ein weiterer entscheidender Vorteil ist die Finanzierungsstruktur. Einlagen machen rund 80 Prozent der Verbindlichkeiten griechischer Banken aus, verglichen mit nur 52 Prozent im Euroraum. Das Kredit-Einlagen-Verhältnis des Systems liegt bei etwa 60 Prozent. Rund 80 Prozent der Einlagen werden auf Sicht- und Spareinlagenkonten gehalten, was den Banken eine relativ kostengünstige Finanzierungsbasis verschafft.
Kreditwachstum und EU-Mittel
J.P. Morgan erwartet, dass die leistungsfähigen Kredite jährlich um acht bis zehn Prozent wachsen werden. Die Treiber sind Unternehmensinvestitionen, Finanzierungen aus dem EU-Programm „Recovery and Resilience Facility“ sowie eine allmähliche Erholung im Hypothekarkreditgeschäft. Zusätzliches Gewinnwachstum versprechen steigende Gebühren, Akquisitionen und der gezielte Kapitaleinsatz.
Internationale Sichtbarkeit steigt
Griechische Banken gewinnen zunehmend an Aufmerksamkeit internationaler Anleger. Bei der September-Anpassung werden griechische Aktien in die Indizes Euro STOXX und STOXX Europe 600 aufgenommen. Die vier systemrelevanten Banken zählen zu den Hauptzugängen, wobei mit passiven Zuflüssen von rund einer Milliarde US-Dollar gerechnet wird.
Bis Mai 2027 bleibt Griechenland zudem weiterhin im MSCI-Index für Schwellenmärkte verzeichnet. Dadurch wird der Sektor vorübergehend sowohl von Anlegern entwickelter Märkte als auch von solchen mit Fokus auf Schwellenmärkte beobachtet – eine seltene Konstellation, die zusätzliche Nachfrage generieren könnte.
Bewertung und Risiken
Die Bewertungen haben bereits stark angezogen. Griechische Banken haben in diesem Jahr 41 Prozent zugelegt, verglichen mit 21 Prozent für den europäischen Bankenindex SX7E. Damit hat sich der breite Bewertungsabschlag gegenüber Kernbanken Europas weitgehend geschlossen. Dennoch handeln die Titel immer noch beim etwa Neunfachen des geschätzten Gewinns für 2028 und weisen trotz erwartet schnelleren Gewinnwachstums einen Abschlag von rund zehn Prozent gegenüber vergleichbaren Banken in Südeuropa sowie Mittel- und Osteuropa auf.
J.P. Morgan sieht bei Eurobank und Piraeus eine besonders attraktive Kombination aus Wachstum, Renditen und Bewertung. Zu den wesentlichen Risiken des Sektors zählen ein langsameres Kreditwachstum, Margendruck, schwächeres Gebührenwachstum sowie Integrationsrisiken bei Akquisitionen. Anleger sollten diese Faktoren bei ihrer Entscheidungsfindung berücksichtigen.
