ANZEIGE

Berentzen vor Übernahme: US-Whiskey-Riese Sazerac bietet 5,55 Euro je Aktie

Der niedersächsische Spirituosen-Hersteller steht vor dem Verkauf an den US-Konzern Sazerac.

3 Min
Berentzen vor Übernahme: US-Whiskey-Riese Sazerac bietet 5,55 Euro je Aktie

Der niedersächsische Spirituosen- und Getränkehersteller Berentzen steht unmittelbar vor der Übernahme durch den US-amerikanischen Whiskey-Spezialisten Sazerac. Wie das Unternehmen aus Haselünne im Emsland mitteilte, wurde eine entsprechende Vereinbarung über einen Zusammenschluss unterzeichnet.

Sazerac will ein öffentliches Übernahmeangebot in Höhe von 5,55 Euro je Aktie für alle Anteile der Berentzen-Gruppe abgeben. Das Angebot ist an eine Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent plus eine Aktie geknüpft. Insgesamt bewertet der US-Konzern die Transaktion damit mit rund 53,3 Millionen Euro. Der Abschluss wird voraussichtlich im vierten Quartal 2026 erwartet.

Die Anleger reagierten begeistert: Zum Handelsbeginn in Frankfurt schoss die Berentzen-Aktie um rund 22 Prozent auf 5,56 Euro nach oben. Damit notierte das Papier erstmals seit langer Zeit wieder über dem Angebotspreis. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens lag zuletzt bei rund 35 Millionen Euro. Die Aktien befinden sich fast vollständig im Streubesitz.

Bekannte Marken und herausforderndes Marktumfeld

Berentzen ist vor allem für seine klassischen Spirituosen bekannt: Berentzen Apfelkorn und Puschkin Vodka zählen zu den bekanntesten Produkten. Darüber hinaus gehören Traditionsmarken wie Doornkaat und Bommerlunder sowie die alkoholfreien Getränke Mio Mio und das in Lizenz hergestellte Sinalco zum Portfolio.

Das Unternehmen hatte zuletzt mit einer schwächelnden Nachfrage nach hochprozentigen Getränken zu kämpfen. Nach einem enttäuschenden ersten Halbjahr wurden die Jahresziele nach unten korrigiert. Der Umsatz sank in den ersten sechs Monaten um gut elf Prozent auf 71 Millionen Euro. Noch deutlicher fiel der Einbruch beim operativen Ergebnis aus: Der Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) brach um mehr als 80 Prozent auf nur noch rund 600.000 Euro ein. Das Unternehmen beschäftigt aktuell rund 430 Mitarbeiter.

Management begrüßt Übernahmeangebot

Das Berentzen-Management um die Vorstände Oliver Schwegmann und Ralf Brühöfner sprach sich klar für das Angebot aus. Sie bezeichneten die Übernahme als "hervorragende Chance" für das Unternehmen. Der gebotene Preis von 5,55 Euro entspreche einem Niveau, das seit mehr als zwei Jahren nicht mehr erreicht worden sei. Zudem liege das Angebot rund 68 Prozent über dem durchschnittlichen Aktienkurs der vergangenen drei Monate.

Sazerac-Chef Jake Wenz zeigte sich wertschätzend: "Wir schätzen die lange und traditionsreiche Geschichte der Berentzen-Gruppe auf dem deutschen Markt sehr." Er betonte die starke Marktpräsenz des niedersächsischen Herstellers und kündigte an, dass Berentzen künftig auch Sazerac-Marken in Deutschland produzieren und vertreiben solle. "Es ist uns sehr wichtig, dies auch in Zukunft fortzuführen", so Wenz.

Sazerac auf Einkaufstour

Für den US-Getränkeriesen, der unter anderem Marken wie Southern Comfort und Buffalo Trace vertreibt, ist dies nicht die erste Übernahme in diesem Jahr. Laut "Wall Street Journal" hatte Sazerac zuvor dem Jack-Daniel's-Hersteller Brown-Forman ein Übernahmeangebot in Höhe von rund 15 Milliarden Dollar unterbreitet, bekam jedoch einen Korb. Stattdessen sicherte sich der Konzern jüngst den britischen Spirituosen-Hersteller Au Vodka. Dieses Geschäft soll nach Bloomberg-Informationen rund 300 Millionen Pfund (umgerechnet etwa 350 Millionen Euro) schwer gewesen sein.

Sazerac wurde 1850 in New Orleans gegründet und hat seinen Hauptsitz in Louisville im US-Bundesstaat Kentucky. Das Familienunternehmen erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von sechs Milliarden Dollar. Mit der Übernahme von Berentzen stärkt der Konzern nun seine Präsenz auf dem deutschen Markt und erweitert sein Portfolio um traditionsreiche europäische Marken.

Berentzen ÜbernahmeSazeracBerentzen AktieSpirituosen-HerstellerÜbernahmeangebotBerentzen ApfelkornM&A Getränkeindustrie

Meistgelesene News

  1. Jugendarbeitslosigkeit in China steigt im August auf 18,9 Prozent
  2. Volvo Cars kämpft mit EX60-Produktionsziel und Batterieplänen
  3. Frankfurter Erbpacht-Schock: 1.900 Prozent mehr für Hausbesitzer
  4. BlackRock-Strategin warnt: Fed-Zinsentscheidung ist nicht die entscheidende Frage
  5. Warsteiner verliert Motel One und Sauerland-Stern als Kunden

Disclaimer