ANZEIGE

Chinesische Eigentümer verkaufen Luxemburgs älteste Privatbank BIL

Legend Holdings will 90-Prozent-Anteil an Banque Internationale à Luxembourg abstoßen.

2 Min
Chinesische Eigentümer verkaufen Luxemburgs älteste Privatbank BIL

Die chinesische Investmentgruppe Legend Holdings hat den Verkauf der Banque Internationale à Luxembourg (BIL), der ältesten Privatbank des Großherzogtums, eingeleitet. Fast ein Jahrzehnt nach dem Erwerb des Instituts arbeitet der Mehrheitseigentümer nun mit der Investmentbank Goldman Sachs zusammen, um seinen 90-prozentigen Anteil zu veräußern.

Erste Angebote sollen bereits bis Ende dieses Monats vorliegen. Mit der Angelegenheit vertraute Personen gehen davon aus, dass die Transaktion die Gruppe auf rund 2,5 Milliarden Euro oder mehr bewerten könnte. Die Beteiligungsgesellschaft, die auch Hauptgesellschafter des Computerkonzerns Lenovo ist, verzeichnet demnach vorläufiges Interesse von europäischen und Nahost-Institutionen.

Hintergrund des Verkaufs

Legend Holdings hatte die Bank 2017 von ihren damaligen katarischen Eigentümern erworben. Der Kaufpreis belief sich seinerzeit auf umgerechnet 1,6 Milliarden Euro. Die BIL gehörte zuvor der Investmentfirma Precision Capital, die Mitglieder der katarischen Königsfamilie repräsentierte. Die luxemburgische Regierung hält weiterhin einen Anteil von zehn Prozent an der Bank.

Die 1856 gegründete BIL bietet ein breites Spektrum an Finanzdienstleistungen, vom Vermögensmanagement bis zum Corporate Banking. Das verwaltete Vermögen belief sich Ende 2025 auf rund 50 Milliarden Euro – ein Anstieg von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig steigerte die Bank ihren Nettogewinn auf 210 Millionen Euro, was einem Plus von 24 Prozent entspricht.

Trend zum Rückzug chinesischer Investoren

Der geplante Verkauf reiht sich in einen größeren Trend ein: Mehrere chinesische Investoren haben sich in den vergangenen Jahren von europäischen Finanzbeteiligungen getrennt. So veräußerte der Mischkonzern Fosun 2024 seinen Anteil am belgischen Versicherer Ageas. Auch der Autobauer Geely verkaufte im vergangenen Jahr seine Beteiligung an der dänischen Saxo Bank an die Schweizer J Safra Sarasin.

Reuters hatte bereits im März 2025 berichtet, dass Legend Holdings Banker mit der Prüfung von Optionen für die BIL beauftragt habe. Die Gespräche befänden sich jedoch noch in einem frühen Stadium, und es bestehe keine Sicherheit für einen Abschluss, warnten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Einige Bieter seien möglicherweise nur an Teilen der Bank interessiert.

Attraktivität im Konsolidierungsumfeld

Die BIL könnte für andere Banken attraktiv sein, die ihr Geschäft insbesondere im Vermögensmanagement ausbauen möchten. Europäische Banken haben in den letzten Jahren ihre Transaktionsaktivitäten deutlich intensiviert. Gestützt durch stärkere Gewinne und solide Bilanzen suchen viele Kreditinstitute nach größeren Skaleneffekten.

Italien hat sich bei diesem Konsolidierungsschub als Vorreiter positioniert, mit einer Reihe inländischer Deals. Die Annäherung der italienischen UniCredit an die deutsche Commerzbank gilt als Testfall dafür, ob große grenzüberschreitende Transaktionen politische und regulatorische Hürden überwinden können. Der europäische Bankensektor ist seit Langem fragmentiert, mit einer Vielzahl von Kreditgebern und vergleichsweise wenig grenzüberschreitender Konsolidierung – ein deutlicher Unterschied zu den USA.

BIL und Goldman Sachs lehnten eine Stellungnahme ab. Legend Holdings war zunächst nicht für eine Kommentierung erreichbar.

Legend HoldingsBanque Internationale À LuxembourgBILGoldman SachsBankenverkaufLuxemburgPrivatbankFusionen Und Übernahmen

Meistgelesene News

  1. Jugendarbeitslosigkeit in China steigt im August auf 18,9 Prozent
  2. Volvo Cars kämpft mit EX60-Produktionsziel und Batterieplänen
  3. Frankfurter Erbpacht-Schock: 1.900 Prozent mehr für Hausbesitzer
  4. BlackRock-Strategin warnt: Fed-Zinsentscheidung ist nicht die entscheidende Frage
  5. Warsteiner verliert Motel One und Sauerland-Stern als Kunden

Disclaimer