ANZEIGE

Aurora Innovation will bis 2028 profitabel werden

Autonome Lkw-Flotte soll auf 200 Fahrzeuge wachsen – CEO Urmson gibt Zeitplan vor

4 Min
Aurora Innovation will bis 2028 profitabel werden

Aurora Innovation treibt die Kommerzialisierung autonomer Lastwagen mit Nachdruck voran. Das Unternehmen aus Pittsburgh will bis 2028 einen positiven Free Cash Flow erreichen – angetrieben durch eine drastische Aufstockung seiner fahrerlosen Flotte. Derzeit sind 20 autonome Sattelzüge auf US-amerikanischen Straßen unterwegs, bis Ende 2026 soll die Zahl auf 200 steigen.

Gründer und CEO Chris Urmson erklärte gegenüber CNBC, dass ein autonomer Sattelzug effizienter und kostengünstiger operieren könne als ein herkömmlicher Lkw mit Fahrer. Das Unternehmen betreibt seine vollständig autonomen Semis bereits auf zwei der verkehrsreichsten Lkw-Routen der USA: der Interstate 45 zwischen Houston und Dallas sowie der I-20 zwischen Fort Worth und El Paso in Texas.

„Es nutzt Laser, Radar und Kameras, um sich rundum umzusehen, andere Fahrzeuge und andere Lkw auf der Straße zu erkennen und herauszufinden, wie es sicher fahren kann", sagte Urmson. Er sprach mehr als drei Stunden lang mit CNBC-Journalist Phil LeBeau, während beide im Führerhaus eines autonomen Aurora-Lkw saßen.

Die Details

Das Geschäftsmodell von Aurora basiert auf dem Konzept „Driver as a Service" (Fahrer als Dienstleistung). Kunden zahlen pro gefahrener Meile. Die Kostenvorteile sind nach Unternehmensangaben erheblich: Die Bank of America schätzt, dass die Dienste von Aurora etwa 0,85 Dollar pro Meile kosten, verglichen mit rund 1,30 Dollar pro Meile für Löhne und Leistungen menschlicher Fahrer – noch vor Berücksichtigung indirekter Arbeitskosten.

Ravi Shanker, Verkehrsanalyst bei Morgan Stanley, geht sogar noch weiter: Er schätzt, dass „eine autonome Flotte nahezu 7,5-mal profitabler sein sollte als eine heute von Menschen geführte Flotte". Aurora selbst hat im Jahr 2025 mehr als 800 Millionen Dollar verloren und peilt nun die Wende an.

Ein entscheidender Faktor ist die Auslastung. Autonome Lkw können bis zu 20 Stunden am Tag unterwegs sein, während die Fahrzeiten menschlicher Fahrer durch Bundesgesetze begrenzt sind, die Pausen vorschreiben. Hinzu kommt ein eklatanter Mangel an Lkw-Fahrern in den USA, der Frachtunternehmen nach zuverlässigen und günstigeren Alternativen suchen lässt.

Seit Aurora seine autonome Fahrtechnologie im Jahr 2022 auf öffentlichen Straßen testet, hat das Unternehmen mehr als 440.000 Meilen zurückgelegt. Die meisten dieser Fahrten wurden von einem menschlichen Sicherheitsfahrer begleitet, der im Fall eines Technologieversagens eingreifen konnte. Das Unternehmen betont, die Technologie vor dem Einsatz auf der Straße 15 Millionen Tests unterzogen zu haben.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 6. Mai 2026 berichtete aktien.news, dass die McLane Company, eine Tochter des Investmentkonglomerats Berkshire Hathaway von Warren Buffett, den großflächigen Einsatz fahrerloser Aurora-Lastwagen auf Fernverkehrsstrecken in Texas und dem gesamten US-amerikanischen Sun Belt plant. McLane betreibt seit 2023 ein Pilotprogramm mit Aurora.

Am 9. Juni 2026 folgte eine weitere wichtige Nachricht: PepsiCo setzt in Arizona bereits 35 fahrerlose Lastwagen im regulären Alltagsbetrieb ein. Der Konsumgüterkonzern ist damit das erste große US-Unternehmen seiner Branche, das den realen, großflächigen Einsatz autonomer Lkw auf öffentlichen Straßen offiziell bekannt gab. Die Fahrzeuge transportieren Produkte wie Doritos und Frito-Lay-Chips zwischen Distributionszentren und Walmart-Filialen.

Auch die Konkurrenz schläft nicht. Am 14. September 2026 stellte der chinesische Anbieter Pony.ai auf der IAA Transportmesse in Hannover ein neues Schwerlastfahrzeug mit Level-4-Autonomie vor und verhandelt über Straßentests in Europa.

Was das für Anleger bedeutet

Aurora Innovation befindet sich in einer entscheidenden Phase. Das Unternehmen hat mit namhaften Kunden wie McLane (Berkshire Hathaway) und PepsiCo wichtige Referenzen vorzuweisen. Die Partnerschaften zeigen, dass die Technologie nicht nur im Labor, sondern im realen Logistikbetrieb funktioniert.

Die Kostenvorteile sind aus Analystensicht beeindruckend. Die Schätzungen von Morgan Stanley und der Bank of America deuten auf ein erhebliches Einsparpotenzial für Speditionskunden hin. Allerdings ist Aurora noch nicht profitabel: Mit Verlusten von über 800 Millionen Dollar im Jahr 2025 und dem Ziel eines positiven Free Cash Flow erst für 2028 bleibt das Unternehmen auf zusätzliche Finanzierung angewiesen.

Anleger sollten beachten, dass der Markt für autonome Lkw noch in den Kinderschuhen steckt. Von den rund 3,5 Millionen Sattelzügen der Klasse 8 auf US-amerikanischen Straßen ist nur ein Bruchteil autonom. Neben Aurora arbeiten auch Kodiak AI, Gatik und Tesla an autonomen Fahrzeugen. Der Wettbewerb wird sich in den kommenden Jahren verschärfen.

Ausblick

Aurora hat einen klaren Zeitplan vorgegeben: Bis Ende 2026 soll die Flotte von derzeit 20 auf 200 fahrerlose Lkw anwachsen. Bis 2028 strebt das Unternehmen einen positiven Free Cash Flow an. „Wir waren in der Lage, Zeitpläne herauszugeben und diese im Grunde genommen auch eingehalten zu haben", sagte CEO Urmson.

Die nächste Generation fahrerloser Lkw von Aurora steht kurz vor der Markteinführung. Das Unternehmen setzt darauf, dass sein „Driver as a Service"-Modell bei Speditions- und Frachtkunden auf breite Nachfrage stoßen wird. Ob die Technologie die hohen Erwartungen erfüllen kann, wird sich in den kommenden zwei Jahren zeigen.

Kurz erklärt

  • Free Cash Flow: Der Geldbetrag, der einem Unternehmen nach Abzug aller Investitionen und Betriebsausgaben übrig bleibt. Ein positiver Free Cash Flow gilt als Zeichen finanzieller Gesundheit.
  • Level-4-Autonomie: Ein Fahrzeug kann unter bestimmten Bedingungen und in definierten Zonen ohne menschlichen Fahrer selbstständig fahren. Der Fahrer muss nicht eingreifen, solange die vorgegebenen Bedingungen eingehalten werden.
  • Driver as a Service: Ein Geschäftsmodell, bei dem Kunden nicht den Lkw selbst kaufen, sondern nur für die tatsächlich gefahrene Strecke bezahlen – inklusive der autonomen Fahrtechnologie.
Aurora InnovationAutonome LkwChris UrmsonFree Cash FlowDriver As A ServiceAutonomes FahrenLogistik

Meistgelesene News

  1. Volvo Cars kämpft mit EX60-Produktionsziel und Batterieplänen
  2. Jugendarbeitslosigkeit in China steigt im August auf 18,9 Prozent
  3. BlackRock-Strategin warnt: Fed-Zinsentscheidung ist nicht die entscheidende Frage
  4. Frankfurter Erbpacht-Schock: 1.900 Prozent mehr für Hausbesitzer
  5. Iran-Kriegsende droht: Insider kaufen trotz Ölpreis-Risiko Energieaktien

Disclaimer