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Putin weitet Enteignung von Japan Tobacco in Russland deutlich aus

Ein zweiter Präsidentenerlass stellt drei weitere JTI-Einheiten unter vorläufige russische Verwaltung – einen Tag nach der Beschlagnahmung der Produktionsstätten.

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Putin weitet Enteignung von Japan Tobacco in Russland deutlich aus

Moskau treibt die Enteignung des Russland-Geschäfts von Japan Tobacco weiter voran. Nur einen Tag nach der Beschlagnahmung der wichtigsten Produktionsstätten des Konzerns stellte Russland drei weitere lokale Einheiten unter vorläufige russische Verwaltung. Das berichtete Bloomberg News am Samstag unter Berufung auf einen am späten Freitag veröffentlichten Präsidentenerlass.

Präsident Wladimir Putin ordnete die Übertragung der drei zu Japan Tobacco International (JTI) gehörenden Unternehmen an die vorläufige Aufsicht der JSC Industrial Assets an. Damit gerät der Konzern mit seiner Zigarettenmarke Winston und Camel immer weiter unter staatliche Kontrolle. Die russische Regierung hatte den Rahmen für solche Zwangsverwaltungen bereits im April 2023 geschaffen – offiziell als Vergeltung für westliche und verbündete Sanktionen.

Der jüngste Erlass zielt erklärtermaßen auf den breiteren kommerziellen Fußabdruck von JTI in Russland ab. Betroffen sind eine Holding-Gesellschaft, die an einer der zuvor beschlagnahmten Produktionsstätten beteiligt ist, eine spezialisierte Abteilung für den Verkauf und Vertrieb von Tabakwaren sowie ein operatives Unternehmen, das für den Import und das Marketing von Geräten für erhitzte Tabakerzeugnisse zuständig ist. Mit der Einbeziehung von Vertrieb und Gerätegeschäft reicht der Zugriff damit über die reine Fabrikproduktion hinaus.

Der erste Erlass traf die Zigarettenproduktion direkt

Die Anordnung vom Freitag folgt einem am Donnerstag erlassenen Erlass, der JTI seiner Kernindustrieproduktion in Russland beraubte. Damals wurde die Kontrolle über Zigarettenfabriken in Sankt Petersburg und Rostow am Don sowie über Tabakverarbeitungsanlagen in den Regionen Lipezk und Leningrad derselben russischen Einheit übertragen. Beide Erlasse zusammen erfassen damit weite Teile der Wertschöpfungskette des Konzerns – von der Verarbeitung des Rohtabaks über die Fabrikation bis zum Verkauf und zum Vertrieb.

Die eskalierenden Enteignungen lösten am Freitag einen scharfen Kurseinbruch der Japan-Tobacco-Aktien aus. In Tokio führte der Schritt zu diplomatischen Gegenmaßnahmen; die japanische Regierung hält rechtlich mindestens eine Drittel-Beteiligung an dem Konzern. Für Anleger ist das ein Signal, dass politische Risiken in Russland nicht nur westliche, sondern auch asiatische Investoren treffen – und dass selbst langjährig etablierte Beteiligungen nicht geschützt sind.

JTI kontrolliert rund 40 Prozent des russischen Tabakmarktes

JTI ist seit 1999 in Russland tätig und produziert dort unter anderem die Marken Winston und Camel. Nach Volumen kontrolliert das Unternehmen rund 40 Prozent des inländischen Marktes. Landesweit beschäftigt der Konzern nach Angaben aus dem Bericht etwa 4.000 Mitarbeiter.

Die Beschlagnahmungen der JTI-Vermögenswerte sind der jüngste Akt in Moskaus systematischer Aneignung ausländischer Unternehmenswerte aus Staaten, die Russland als „unfreundlich“ einstuft. Seit Einführung des Exekutivrahmens im April 2023 hat der Kreml mehrere ausländische Operationen unter inländische Verwaltung gestellt. Die betroffenen Konzerne verlieren dabei faktisch die Verfügungsgewalt über ihre russischen Töchter, ohne dass eine Entschädigung zugesagt wäre.

Auch Nestlé, Metro und Auchan sind betroffen

Die Beschlagnahmungen bei JTI folgen ähnlichen Enteignungserlassen, die sich gegen russische Vermögenswerte der Schweizer Lebensmittelgruppe Nestlé SA, des deutschen Großhändlers Metro AG und des französischen Supermarktkonzerns Auchan richteten. Für deutsche Anleger ist vor allem die Nennung der Metro AG relevant: Der Düsseldorfer Handelskonzern ist damit ebenso Teil derselben Praxis wie der japanische Tabakriese.

Ob die betroffenen Unternehmen rechtlich gegen die Übertragungen vorgehen oder Entschädigungen durchsetzen können, ist dem Bericht nicht zu entnehmen. Japan Tobacco hat zu dem Vorgang bislang keine über die berichteten Fakten hinausgehende Stellungnahme abgegeben. Beobachter dürften nun auf die Reaktion Tokios und mögliche weitere Erlasse gegen ausländische Konzerne achten.

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