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VW verschärft Sparkurs: Markenchef Schäfer fordert Tempo

Volkswagen legt im Sparprogramm nach. Markenchef Schäfer warnt vor Zeitverlust, Betriebsratschefin Cavallo sieht "Zeichen auf Sturm".

3 Min
VW verschärft Sparkurs: Markenchef Schäfer fordert Tempo

Europas größter Autobauer Volkswagen verschärft seinen Sparkurs. Markenchef Thomas Schäfer machte auf einer Betriebsversammlung in Wolfsburg deutlich, dass die nächste Sparrunde kommen wird – und zwar schneller als gedacht.

„Wir haben absolut keine Zeit zu verlieren und werden deshalb in unserem Performance-Programm nochmal deutlich nachlegen“, sagte Schäfer am Montag. „Wegschauen löst keine Probleme.“ Über die konkreten Maßnahmen werde nun mit den Arbeitnehmervertretern verhandelt.

Betriebsratschefin Daniela Cavallo bestätigte die Dringlichkeit. Nach Informationen aus Teilnehmerkreisen sagte sie, es stehe fest, dass die Sparbemühungen noch heftiger würden. „Alles in allem stehen damit die Zeichen auf Sturm“, warnte Cavallo. „Und der wird kein Kleiner.“

Gewinnkraft schwindet – harter Umbruch steht bevor

Cavallo räumte ein, dass sich das Unternehmen massiv verändern müsse. „Der Großteil unserer bisherigen Gewinnkraft ist futsch. Das ist die nackte Wahrheit.“ Die gesamte europäische Autoindustrie werde sich massiv neu ordnen. Traditionsreiche Hersteller blieben auf der Strecke, andere müssten fusionieren oder Allianzen bilden, an die sie früher nie gedacht hätten.

Die Frage sei nicht mehr, ob neue Lasten auf die Beschäftigten zukämen, sondern nur noch, wie es gelinge, diese fair zu verteilen. Zu den Plänen des Unternehmens, rund 25.000 Arbeitsplätze in Deutschland zu streichen, sagte Cavallo, es sei offen, wie dies sozialverträglich gelingen solle. Besonders brisant: Die Frage, ob auch betriebsbedingte Kündigungen geplant seien.

Auf Ebene des Aufsichtsrates gebe es einen ungelösten Konflikt, der sich vor allem um die Zukunft von vier Standorten drehe. „Aber insgesamt dreht er sich auch darum, was wir dem Renditeziel der neun Prozent Gewinnkraft unterordnen“, so Cavallo.

Gewinnprognose gesenkt – Milliardenabschreibung auf Porsche

Bereits am Freitag hatte Volkswagen seine Gewinnprognose für das laufende Jahr deutlich gesenkt. Als Grund nannte der Konzern unter anderem eine Milliardenabschreibung auf die Tochter Porsche. Porsche habe nach einer Aufsichtsratssitzung mittel- und langfristige Prognosen aktualisiert, was die Neubewertung des 75-Prozent-Anteils an dem Sportwagenbauer ausgelöst habe. Details sollen bei einem Kapitalmarkttag am 7. Oktober bekanntgegeben werden.

Volkswagen selbst leidet zudem unter dem Zusammenbruch des chinesischen Marktes und der steigenden Nachfrage nach margenschwachen Elektroautos. VW-Vertriebschef Martin Sander sagte, vor allem in Deutschland und anderen europäischen Ländern steige die Beliebtheit dieser Fahrzeuge. „Damit erleben wir einen wichtigen Wendepunkt in der Transformation des Automobilmarktes“, erklärte er. Zugleich gehe die Nachfrage nach Verbrenner-Autos zurück.

Produktion wird umgestellt – Werke unter Druck

Entsprechend werde das Produktionsprogramm in den Werken angepasst. Im Stammwerk in Wolfsburg, wo der Tiguan und der Golf gebaut werden, fallen ab September geplante Sonderschichten weg. Im Elektrowerk in Emden, in dem der ID.4 und der ID.7 gefertigt werden, wurden dagegen zwei Zusatzschichten eingeplant.

Anfang September hatte der Aufsichtsrat grünes Licht für einen weiteren Sparplan bei Volkswagen gegeben, bei dem unter anderem weitere zehntausende Stellen weltweit gestrichen werden sollen. Die Fertigung in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm steht langfristig zur Disposition. VW-Konzernchef Oliver Blume will so die Rendite bis 2030 auf neun Prozent steigern.

Für Anleger bleibt die Lage angespannt. Der Sparkurs ist alternativlos, doch die sozialen und strukturellen Konflikte im Konzern könnten die Umsetzung verzögern. Der Kapitalmarkttag am 7. Oktober wird zeigen, wie konkret die Pläne bereits sind und ob VW die Wende tatsächlich schaffen kann.

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