US-Arbeitsmarkt überrascht: Fed verschiebt Zinssenkungen auf Juli
Robuste Beschäftigungsdaten dämpfen Hoffnungen auf baldige Leitzinssenkung – Märkte passen Erwartungen an

Der US-Arbeitsmarkt hat im Januar überraschend stark zugelegt und die Erwartungen an baldige Zinssenkungen der Federal Reserve deutlich gedämpft. Mit 130.000 neuen Stellen lag der Zuwachs fast doppelt so hoch wie die prognostizierten 70.000. Gleichzeitig sank die Arbeitslosenquote unerwartet auf 4,3 Prozent, während das durchschnittliche Lohnwachstum anzog.
Die robusten Daten signalisieren eine Stabilisierung des Arbeitsmarktes, wie sie Fed-Chef Jerome Powell bereits im vergangenen Monat vorhergesagt hatte. Für Anleger bedeutet dies jedoch eine Verschiebung der ersten vollständigen Zinssenkung auf Juli 2026. Die Futures-Märkte preisen für dieses Jahr nur noch zwei Zinssenkungen ein – deutlich weniger als zuvor erhofft.
Fokus verschiebt sich auf Inflation
Mit einem stabilisierten Arbeitsmarkt kann sich die Federal Reserve nun verstärkt auf ihr Inflationsmandat konzentrieren. Die Teuerungsrate liegt weiterhin deutlich über dem Zielwert von zwei Prozent. Der für Freitag erwartete CPI-Bericht rückt damit in den Mittelpunkt des Marktinteresses und dürfte wichtige Hinweise auf den weiteren geldpolitischen Kurs liefern.
Die Beschäftigungsgewinne konzentrierten sich vor allem auf die Bereiche Gesundheitswesen, Sozialwesen und Bauwesen. Trotz Abwärtskorrekturen der Beschäftigtenzahlen für 2024 zeigt der aktuelle Bericht eine deutlich verbesserte Dynamik am Arbeitsmarkt.
Haushaltsdefizit belastet Zinsperspektiven
Parallel zu den Arbeitsmarktdaten veröffentlichte das überparteiliche Congressional Budget Office (CBO) seinen neuesten Haushaltsausblick. Die Prognosen zeichnen ein besorgniserregendes Bild: Das kumulierte 10-Jahres-Defizit wird voraussichtlich um 1,4 Billionen Dollar oder sechs Prozent höher ausfallen als noch im Januar 2025 erwartet.
Besonders alarmierend: Die Schuldenquote soll bis 2030 auf über 106 Prozent steigen und damit den bisherigen Höchststand aus dem Jahr 1946 übertreffen. Diese Entwicklung erklärt, warum US-Staatsanleihen trotz Forderungen von Präsident Trump nach niedrigeren Zinsen nicht die günstigsten Kreditkosten der Welt bieten können.
Märkte reagieren gelassen
Die globalen Aktienmärkte zeigten sich von den Nachrichten weitgehend unbeeindruckt. Europäische Aktien erreichten neue Rekordstände, während die Wall-Street-Futures vor Handelsbeginn zulegten. Die Renditen von US-Staatsanleihen bewegten sich größtenteils in der Mitte ihrer jüngsten Spannen.
Am Devisenmarkt fiel vor allem der chinesische Offshore-Yuan auf, der im Vorfeld der Neujahrsfeiertage neue Dreijahreshochstände erreichte. In Europa dominierte eine Welle optimistischer Unternehmensgewinne den Nachrichtenfluss.
Großer M&A-Deal in Großbritannien
Für Aufsehen sorgte die Übernahme des britischen Vermögensverwalters Schroders durch den US-Asset-Manager Nuveen für 9,9 Milliarden Pfund (13,5 Milliarden Dollar). Die Aktien von Schroders schossen um 29 Prozent in die Höhe. Der Deal markiert das Ende einer Ära für das 222 Jahre alte Unternehmen und gilt als einer der größten in der europäischen Fondsverwaltung.
Analysten werten die Transaktion als Signal für die diesjährige Rotation in sogenannte Value-Aktien. Die relativ günstigen britischen Märkte ziehen zunehmend globale Investoren an, die nach Bewertungsvorteilen suchen.
