Fed-Gouverneur Schmid warnt vor verfrühten Zinssenkungen trotz Produktivitätsgewinnen
Kansas-City-Fed-Chef fordert restriktive Geldpolitik, solange Inflation über Ziel liegt und Nachfrage Angebot übersteigt.

Die US-Notenbank Federal Reserve sollte angesichts der anhaltend erhöhten Inflation vorerst an ihrer straffen Geldpolitik festhalten. Dies forderte Jeffrey Schmid, Präsident der Federal Reserve Bank of Kansas City, am Mittwoch in einer Rede auf einem Wirtschaftsforum in Albuquerque, New Mexico. Der Fed-Gouverneur warnte explizit davor, auf steigende Produktivität als schnelle Lösung für das Inflationsproblem zu setzen.
"Da die Inflation immer noch heiß läuft, scheint die Nachfrage in weiten Teilen der Wirtschaft das Angebot zu übersteigen", erklärte Schmid. Weitere Zinssenkungen würden das Risiko bergen, dass die hohe Inflation noch länger anhält – insbesondere in einer Phase, in der die US-Wirtschaft offenbar weiterhin über ihrem Trendwachstum expandiert.
Die Aussagen des Fed-Vertreters stehen im Kontrast zu Forderungen aus der Trump-Administration. Sowohl Präsident Trump als auch der für den Fed-Vorsitz nominierte Kevin Warsh hatten zuletzt argumentiert, dass die jüngsten starken Produktivitätsdaten und die Verbreitung künstlicher Intelligenz Zinssenkungen rechtfertigen würden. Die Logik dahinter: Wenn die Wirtschaft mit weniger Ressourcen mehr produzieren kann, wäre stärkeres Wachstum ohne Inflation möglich.
Skepsis gegenüber Produktivitätshoffnungen
Schmid zeigte sich jedoch skeptisch gegenüber dieser Argumentation. Zwar räumte er ein, dass steigende Produktivität oder KI-Verbreitung das Potenzial der Wirtschaft steigern und einen "nicht-inflationären, angebotsgetriebenen Wachstumszyklus" ermöglichen könnten. Doch seine Einschätzung lautet: "Wir sind noch nicht so weit." Die Zinsen müssten daher hoch genug bleiben, um Ausgaben und Investitionen zu dämpfen.
Der Fed-Vertreter führte die jüngsten Produktivitätsgewinne auf profanere Ursachen zurück als die KI-Revolution. "Meine Kontakte sind sich weitgehend einig, dass wir uns derzeit in einem Arbeitsmarkt mit wenig Neueinstellungen, wenig Entlassungen und wenig Kündigungen befinden", sagte Schmid. Die geringere Fluktuation im Vergleich zu den turbulenten Jahren rund um die COVID-19-Pandemie führe dazu, dass Arbeitnehmer länger in ihren Jobs bleiben und schlichtweg besser in ihrer Tätigkeit werden.
Unklare Perspektiven für Produktivitätswachstum
"Es ist nicht klar, ob die Produktivität weiterhin in diesem Tempo wachsen wird", warnte Schmid. Diese Unsicherheit unterstreicht aus seiner Sicht die Notwendigkeit einer vorsichtigen Geldpolitik. Der Kansas-City-Fed-Präsident ist in diesem Jahr zwar kein stimmberechtigtes Mitglied im Offenmarktausschuss der Federal Reserve, seine Äußerungen geben jedoch Einblick in die Diskussionen innerhalb der Notenbank.
Die Fed hatte die Zinsen auf ihrer Sitzung Ende Januar stabil gehalten. Marktbeobachter erwarten, dass die Leitzinsen mindestens bis zur nächsten geldpolitischen Sitzung am 16. und 17. Juni unverändert bleiben. Der am Mittwoch veröffentlichte US-Arbeitsmarktbericht für Januar fiel stärker aus als erwartet und untermauerte diese Einschätzung. Neue Inflationsdaten werden am Freitag erwartet und dürften weitere Hinweise auf den geldpolitischen Kurs liefern.
Für deutsche Anleger bedeutet die restriktive Haltung der Fed, dass der Zinsvorteil des US-Dollars gegenüber dem Euro vorerst bestehen bleibt. Dies könnte den Druck auf die Europäische Zentralbank erhöhen, ihre eigene Zinspolitik zu überdenken.
