Fed-Zinserhöhung trotz Inflationsdruck unwahrscheinlich – Märkte setzen auf Senkungen
Starke Arbeitsmarktdaten und anhaltende Inflation sprechen für straffere Geldpolitik, doch die US-Notenbank bleibt auf Lockerungskurs.

Die US-Notenbank Federal Reserve steht vor einem geldpolitischen Dilemma: Während die Wirtschaftsdaten eigentlich für Zinserhöhungen sprechen würden, hält die Zentralbank an ihrer lockeren Geldpolitik fest. Fed-Chef Jerome Powell schloss im vergangenen Monat eine Zinserhöhung kategorisch aus – obwohl die Argumente dafür mindestens ebenso stark sind wie für weitere Zinssenkungen.
Die Märkte haben die Botschaft verstanden: Händler von Zinsfutures rechnen bis Dezember mit zwei Zinssenkungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte, eine dritte Senkung bleibt möglich. Diese taubenhafte Haltung steht im Widerspruch zu den robusten Wirtschaftsdaten, die aus den USA kommen.
Die Arbeitsmarktzahlen vom Januar überraschten deutlich positiv: Das Beschäftigungswachstum fiel fast doppelt so stark aus wie erwartet, die Arbeitslosenquote sank auf 4,3 Prozent, und die Löhne stiegen stärker als prognostiziert. Damit stabilisiert sich der Arbeitsmarkt genau wie von Powell zuvor angedeutet – und entzieht der Fed das Hauptargument für weitere Lockerungen.
Inflation bleibt hartnäckig über Zielmarke
Die Teuerungsrate liegt weiterhin etwa einen Prozentpunkt über dem Fed-Zielwert von 2 Prozent – und das bereits im fünften Jahr in Folge. Gleichzeitig stehen massive fiskalische Impulse bevor: Die Trump-Administration plant mit ihrem "One Big Beautiful Bill" umfangreiche Ausgabenprogramme, während ein gewaltiger Investitionsboom im Bereich Künstliche Intelligenz die Wirtschaft zusätzlich ankurbelt.
Die Finanzierungsbedingungen sind so locker wie seit Jahren nicht mehr, das annualisierte BIP-Wachstum liegt über dem Potenzial. Dennoch hält niemand im 19-köpfigen Offenmarktausschuss der Fed eine Zinserhöhung für wahrscheinlich.
Produktivität als zweischneidiges Schwert
Kevin Warsh, Trumps Kandidat für die Powell-Nachfolge, argumentiert, dass die durch KI gesteigerte Produktivität helfen könne, die Inflation zu senken und Zinssenkungen zu ermöglichen. Allerdings impliziert eine starke Produktivität auch schnelleres Wachstum und damit einen höheren neutralen Zinssatz – den sogenannten "r-star". Dies würde eigentlich für ein höheres Zinsniveau sprechen.
Trotz dieser Widersprüche bleibt die Fed bei ihrer lockeren Linie. Für Anleger bedeutet dies weiterhin günstige Finanzierungsbedingungen, während die Inflationsrisiken im Hintergrund schwelen. Die Benchmark-Revisionen zeigen zudem, dass die Wirtschaft im vergangenen Jahr fast 900.000 Arbeitsplätze weniger geschaffen hat als ursprünglich geschätzt – ein Hinweis darauf, dass die Datenlage komplexer ist als die Schlagzeilen vermuten lassen.
