S&P und Nasdaq legen zu: Händler verdauen Fed-Zinserhöhung
US-Börsen starten freundlich in den Freitag nach ereignisreicher Woche mit Fed-Entscheid.

Die US-Aktienmärkte sind am Freitag überwiegend mit leichten Gewinnen in den Handel gestartet. Die Anleger verdauten eine ereignisreiche Woche, die von der ersten Zinserhöhung der Federal Reserve seit mehr als drei Jahren und neuen Spannungen um die Sicherheit Künstlicher Intelligenz geprägt war.
Um 09:32 Uhr ET (13:32 Uhr GMT) notierte der Leitindex S&P 500 mit einem Plus von 0,1 Prozent bei 7.646,72 Punkten. Der technologieorientierte Nasdaq Composite legte um 0,4 Prozent auf 26.522,44 Zähler zu. Der Blue-Chip-Dow-Jones-Index bewegte sich mit 51.790,60 Punkten kaum verändert. In der vorangegangenen Sitzung hatten die Indizes noch deutlicher zugelegt: Der S&P und der Nasdaq stiegen um rund 1,1 beziehungsweise 1,7 Prozent, der Dow gewann 0,6 Prozent hinzu.
Fed-Entscheid und globale Zinswende
Die erste Zinserhöhung der US-Notenbank seit über drei Jahren stand im Mittelpunkt der Handelswoche. Viele Marktteilnehmer werteten den hawkischen Schritt der Fed als Beleg für das Engagement der Notenbank, den durch Energiepreise befeuerten Inflationsdruck einzudämmen. Zudem sahen Beobachter darin einen Beweis für die Unabhängigkeit der Fed, die zuletzt infrage gestellt worden war, nachdem Präsident Donald Trump wiederholt drastische Zinssenkungen zur Stützung der Wirtschaft gefordert hatte.
Parallel dazu bewerteten die Händler eine Entscheidung der Bank of Japan, die die Zinsen am Freitag auf ein 31-Jahres-Hoch anhob. Es handelte sich um die zweite Erhöhung in diesem Jahr und die sechste seit März 2024. „Der Schritt folgt auf die Erhöhung der Fed am Mittwoch und die der EZB letzte Woche, was uns wenig Zweifel lässt, dass wir uns erneut in einem global synchronisierten Zyklus von Zinserhöhungen befinden, wobei von allen drei Notenbanken weitere Schritte wahrscheinlich sind“, hieß es in einer Analyse von Analysten der Deutschen Bank.
Ölpreise unter Druck – geopolitische Risiken bleiben
Die Analysten der Deutschen Bank argumentierten zudem, dass Ölpreisbewegungen in dieser Woche einer der Haupttreiber der Aktienmärkte gewesen seien. Es habe zahlreiche Befürchtungen gegeben, dass erhöhte Rohölpreise einen längeren Zeitraum energiegetriebener Inflation auslösen könnten, was den Fall für eine Verschärfungspolitik der Zentralbanken weiter gestärkt hätte.
Die Ölpreise fielen am Freitag den dritten Tag in Folge. Grund dafür waren Erwartungen, dass Produzenten im Nahen Osten unterbrochene Liefermengen wiederherstellen könnten, was Bedenken hinsichtlich eines sich ausweitenden regionalen Konflikts ausglich. Die Kursverluste kamen trotz neuer Kämpfe zwischen Saudi-Arabien und den iranisch unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen zustande, die dem Ölexport eine weitere Risikoschicht hinzufügten. Der Konflikt hat die Schiffstransporte durch die Straße von Hormus bereits gestört.
Entscheidend ist, dass Gewinne der Huthis im westlichen Jemen der Gruppe mehr Hebelwirkung über die Straße von Bab el-Mandeb verschafft haben. Diese wird zusammen mit der Straße von Hormus von Saudi-Arabien genutzt, um Öl auf die globalen Märkte zu exportieren. Die Straße von Bab el-Mandeb verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden, während Hormus vor der Südküste Irans liegt.
Hoffnung auf Pipeline-Wiederherstellung
Die Investoren konzentrierten sich auf die Hoffnung, dass Saudi-Arabien bald teilweise die Durchflüsse durch seine wichtige Ost-West-Pipeline wiederherstellen könnte. Diese war vergangene Woche durch Drohnenangriffe beschädigt worden. Normalerweise transportiert die Pipeline Rohöl nach Yanbu an der Rotmeerküste Saudi-Arabiens.
Laut Bloomberg News strebt Saudi-Arabien danach, etwa die Hälfte der Kapazität der Pipeline innerhalb weniger Tage wiederherzustellen. Frühere Berichte waren noch von mehreren Wochen bis zur Wiederaufnahme des Betriebs ausgegangen. Riad bot asiatischen Raffinerien zudem zusätzliche Rohölfrachten über Schiff-zu-Schiff-Übertragungen vor dem Hafen Sohar in Oman an. Dies bietet eine alternative Exportroute und zerstreute einige Bedenken hinsichtlich verlorener Volumina.
Diplomatische Bemühungen und militärische Drohungen
China, ein wichtiger Käufer iranischen Öls, hat seine diplomatischen Bemühungen intensiviert. Außenminister Wang Yi forderte Washington und Teheran auf, Zurückhaltung zu walten und die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi führte unterdessen Konsultationen mit chinesischen und pakistanischen Beamten.
Die Versorgungslage bleibt jedoch hochgradig unsicher. Die Marine der Iranischen Revolutionsgarde erklärte am Freitag, dass ein unter togoischer Flagge fahrendes Tankerschiff getroffen worden sei, während es versuchte, die „illegale Passage“ durch die Straße von Hormus zu vollziehen. Präsident Donald Trump sagte gegenüber Axios zudem, er stehe kurz vor einer wichtigen Entscheidung darüber, ob er groß angelegte militärische Aktionen gegen den Iran wieder aufnehmen werde. Laut Axios soll er nächste Woche an den Rändern der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York mit Führern aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Bahrain, Kuwait und Oman zusammentreffen.
