Indische Anleihen fallen fünfte Woche – Fed und RBI setzen zu
Indische Staatsanleihen fallen fünfte Woche in Folge – Fed und RBI setzen den Markt unter Druck.

Indische Staatsanleihen geraten weiter unter Druck. Die Rendite der Benchmark-Anleihe stieg am Freitag auf den höchsten Stand seit Wochen. Auslöser sind die jüngste Zinserhöhung der US-Notenbank Fed und verschärfte Liquiditätsbedingungen durch die indische Zentralbank RBI.
Die Rendite der indischen Benchmark-Anleihe mit einem Kupon von 6,94 Prozent und Fälligkeit im Jahr 2036 schloss am Freitag bei 7,0686 Prozent. Am Donnerstag hatte sie noch bei 7,0463 Prozent gelegen. Damit stieg die Rendite innerhalb einer Woche um 4,5 Basispunkte. Es ist bereits die fünfte Verlustwoche in Folge für indische Staatsanleihen.
Drei Belastungsfaktoren gleichzeitig
Der Markt sah sich in dieser Woche gleich mit drei Belastungsquellen konfrontiert. Erstens sorgte ein globaler Ausverkauf bei Staatsanleihen für steigende Renditen auf Mehrjahreshochs. Zweitens veränderte die Zinserhöhung der Fed die Erwartungen an die künftige Geldpolitik der RBI. Drittens erhöhte die indische Zentralbank durch eigene Anleiheverkäufe das Angebot – in einem Markt, der ohnehin unter begrenzter Nachfrage leidet.
Die US-Notenbank hatte am Mittwoch die Leitzinsen um 25 Basispunkte angehoben. Damit unterstrich sie ihren entschlossenen Kampf gegen die hartnäckige Inflation. Diese Entscheidung hatte unmittelbare Auswirkungen auf die Erwartungen für die indische Geldpolitik. Wie Reuters unter Berufung auf Händler berichtete, steigt nun die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die RBI im Oktober.
US-Renditen auf Höchststand seit 2008
Besonders dramatisch zeigt sich die Lage am US-Anleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries erreichte in dieser Woche 5,03 Prozent – den höchsten Stand seit der Finanzkrise 2008. Dies veranlasste ausländische Investoren weltweit dazu, ihre Risikoexposition zu reduzieren. Auch indische Staatsanleihen, die inzwischen in globale Anleihenindizes aufgenommen sind, wurden davon erfasst.
Ausländische Investoren verkauften ihre Bestände an indischen Staatsanleihen, um das Risiko in ihren Portfolios zu verringern. Der gleichzeitige Anleiheverkauf der RBI verschärfte die Situation zusätzlich. Die indische Zentralbank versucht mit ihren Maßnahmen, die Liquidität am heimischen Markt zu steuern, trifft dabei aber auf eine schwache Nachfrage.
Ausblick bleibt angespannt
Für Anleger an den indischen Anleihemärkten bleibt die Lage vorerst schwierig. Die Kombination aus globalem Zinsdruck, steigenden US-Renditen und heimischen Liquiditätsmaßnahmen dürfte die Renditen kurzfristig weiter stützen. Entscheidend wird sein, ob die RBI im Oktober tatsächlich die Zinsen anhebt und wie sich die Fed in den kommenden Monaten positioniert.
Die Entwicklung zeigt einmal mehr, wie eng die indischen Finanzmärkte inzwischen mit den globalen Kapitalströmen verwoben sind. Steigende US-Renditen ziehen Kapital aus Schwellenländern ab und setzen deren Anleihen unter Druck – ein Mechanismus, der sich in dieser Woche erneut bestätigt hat.
