Fed reformiert Bank-Stresstests: Mehr Transparenz für Kreditinstitute
Die US-Notbank kündigt eine umfassende Überarbeitung der Stresstests für große Banken an.

Die führende Aufsichtsbeamtin der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Michelle Bowman, hat eine grundlegende Reform des sogenannten Stresstests für große Banken angekündigt. Die Überarbeitung soll den Prozess transparenter und die Ergebnisse für Kreditinstitute vorhersehbarer machen. Dies teilte Bowman, Vizevorsitzende der Fed für Aufsicht, am Freitag in vorbereiteten Ausführungen bei einer Veranstaltung in London mit.
Die Zentralbank werde in den „kommenden Wochen“ eine finale Version des überarbeiteten Tests prüfen. Dieser werde „endlich das Kapitel eines intransparenten und unnötigerweise unvorhersehbaren Rahmens schließen“, so Bowman. Die Stresstests waren nach der Finanzkrise 2008 eingeführt worden und dienen zur Festlegung zusätzlicher Kapitalanforderungen für die größten Kreditgeber des Landes.
Hintergrund der Reform
Banken haben seit Jahren kritisiert, dass die Stresstests der Fed subjektiv und belastend seien. Die Branche verklagte die Zentralbank im Jahr 2024, um die Anwendung der Tests anzufechten. Daraufhin legte die von Bowman geleitete Zentralbank im Oktober eine Reihe vorgeschlagener Änderungen vor.
Die neue Version des Tests werde deutlich mehr Transparenz in die Modelle schaffen, die die Fed nutzt, um Banken auf Schwachstellen zu untersuchen. Dazu gehören verschiedene Gleichungen, Variablen und andere technische Details, die die Zentralbank der Branche lange Zeit vorenthalten hatte. Das neue Verfahren werde zudem detailliertere Angaben zu den hypothetischen wirtschaftlichen Szenarien liefern, die jährlich für den Test erstellt werden.
Mittelung der Ergebnisse geplant
Die Fed plant außerdem, eine neue Regel zu verabschieden, die die Ergebnisse der zwei jüngsten Stresstests einer Bank mittelt. Dies betrifft die sogenannten „Stress Capital Buffers“ – zusätzliche Kapitalpuffer gegen Stresssituationen. Bowman erklärte, dieser Ansatz werde die Volatilität des Kapitals reduzieren, das Banken jedes Jahr zurückhalten müssen.
In Zukunft werde die Öffentlichkeit die Möglichkeit haben, zu den Prüfmodellen Stellung zu nehmen. Die Fed beabsichtige zudem, ihren Stresstest-Prozess dazu zu nutzen, Aufsichtsbehörden diskret auf potenzielle Schwachstellen bei Banken hinzuweisen.
Dialog zwischen Prüfern und Banken
Bowman betonte, dass Banken bereits mehrere interne Stresstests durchführen. Prüfer und Banken sollten einen „offenen Dialog“ über alle relevanten Erkenntnisse führen. „Ich glaube, es gibt einen enormen Wert darin, Erfahrungen auszutauschen“, sagte sie.
Die angekündigten Änderungen würden der Öffentlichkeit ein größeres Verständnis des Prüfprozesses ermöglichen, so Bowman weiter. Für deutsche Anleger ist die Entwicklung relevant, da viele große US-Banken auch in Europa und Deutschland aktiv sind und strengere Kapitalanforderungen direkte Auswirkungen auf ihre Geschäftstätigkeit haben können.
