BOJ hebt Zinsen an – Ueda hält weitere Schritte für möglich
BOJ hebt Zinsen auf 31-Jahres-Hoch an – Ueda signalisiert weitere Schritte, aber kein Automatismus.

Die Bank of Japan (BOJ) hat die Zinsen auf den höchsten Stand seit 31 Jahren angehoben und damit ihre Bereitschaft signalisiert, den geldpolitischen Kurs weiter zu straffen. Die Entscheidung reiht sich ein in die Maßnahmen anderer großer Zentralbanken, die gegen hartnäckigen Inflationsdruck vorgehen. Allerdings konnte die Maßnahme den Yen nicht stützen – im Gegenteil: Die japanische Währung gab nach, da Anleger das Fehlen einer explizit hawkischen Forward Guidance sowie zwei abweichende Stimmen im Gremium kritisch bewerteten.
Gouverneur Kazuo Ueda äußerte sich auf der anschließenden Pressekonferenz differenziert zur künftigen Gangart. Auf die Frage nach möglichen 50-Basispunkt-Schritten oder aufeinanderfolgenden Zinserhöhungen sagte Ueda: „Das hängt davon ab, wie sich die Preisbedingungen entwickeln. Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Wir sollten nichts ausschließen.“ Er stellte jedoch klar, dass größere oder schnellere Schritte nur dann infrage kämen, wenn Japan „sehr große Inflationsrisiken“ sehe oder die Inflation das Ziel „deutlich übersteige“.
Präventives Handeln statt scharfer Zinsschritte
Ueda verwies auf die Maßnahmen der US-amerikanischen und europäischen Zentralbanken als Referenz. Die zugrunde liegende Inflation in Japan habe die 2-Prozent-Marke noch nicht überschritten, und dies solle auch so bleiben. „Deshalb möchten wir präventiv handeln. Auf diese Weise können wir vermeiden, gezwungen zu sein, die Zinsen scharf anzuheben und unbeabsichtigte Folgen für die Wirtschaft zu verursachen“, so der BOJ-Chef.
Gleichzeitig warnte Ueda davor, die aktuelle Phase als langsames Vorgehen misszuverstehen. „Wir befinden uns in einer Phase, in der wir verschiedene Daten sorgfältig prüfen müssen. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir uns langsam bewegen können.“ Die BOJ werde versuchen, die Auswirkungen der Zinserhöhungen im nächsten Quartalsbericht im Oktober zu quantifizieren.
Inflationserwartungen und Lohndruck steigen
Ein zentraler Punkt in Uedas Ausführungen war die Entwicklung der Inflationserwartungen. „Wir haben auch Anstiege der mittelfristigen und langfristigen Inflationserwartungen beobachtet. Die jüngsten Lohndaten waren ebenfalls recht stark, was darauf hindeutet, dass der Lohndruck breiter wird“, sagte der Gouverneur. Sollte der erneute Anstieg der Energiekosten anhalten, könnte dies weiteren Druck auf die Großhandels- und anschließend auf die Verbraucherinflation ausüben.
Die BOJ stehe vor der Herausforderung, die zugrunde liegende Inflation nahe der 2-Prozent-Marke zu stabilisieren. „Aber diese Phase hat gerade erst begonnen“, räumte Ueda ein. Es werde Zeit dauern, um festzustellen, ob die zugrunde liegende Inflation tatsächlich stabilisiert sei. Dies bedeute jedoch nicht, dass man warte, bis man einen eindeutigen Anhaltspunkt habe.
Keine Wechselkurssteuerung, aber Beobachtung der Finanzmärkte
Auf die Wechselkursentwicklung angesprochen, stellte Ueda klar: „Wir leiten unsere Politik anhand dessen, wie die Volatilität auf den Devisenmärkten die heimische Inflation beeinflussen könnte. Wir leiten unsere Politik nicht zur Steuerung von Wechselkursbewegungen oder zur Stabilisierung der Wechselkurse in einem bestimmten Bereich.“ Die geldpolitischen Maßnahmen anderer Zentralbanken könnten jedoch über verschiedene Kanäle, einschließlich Wechselkursbewegungen, die japanische Wirtschaft beeinflussen.
Ueda wies zudem auf die globale Koordination hin: Die Zentralbanken in Japan, der Eurozone und den USA scheinen alle auf ähnliche Faktoren zu reagieren – den inflationären Druck durch den Konflikt im Nahen Osten sowie die starken Ausgaben für Künstliche Intelligenz, die milden inflationären Druck erzeugen und das Wirtschaftswachstum antreiben.
Risiken einer zu scharfen Straffung
Der BOJ-Gouverneur zeigte sich auch der Risiken einer zu aggressiven Geldpolitik bewusst. „Die Finanzbedingungen werden weniger expansiv, während wir die Zinsen anheben. Es ist wichtig, zu vermeiden, dass sich die Finanzbedingungen zu stark verschärfen oder es zu großen Anpassungen bei den Vermögenspreisen kommt, indem wir die Zinsen zu scharf anheben.“ Die genaue Bestimmung des neutralen Zinssatzes und damit des Endpunkt-Zinssatzes sei schwierig. „Es könnte sein, dass wir, wenn wir die Politik angemessen anpassen, ex-ante wissen werden, wo diese Zinssätze liegen“, so Ueda abschließend.
Für Anleger bleibt die Lage damit spannungsreich: Die BOJ hat den ersten Schritt getan, doch das Tempo und das Ausmaß weiterer Zinserhöhungen bleiben vom Datenverlauf abhängig. Die Oktober-Sitzung mit dem neuen Quartalsbericht dürfte hier weitere Klarheit bringen.
