PizzaExpress steht vor Verkauf mit Bewertung bis 500 Millionen Pfund
Investmentbanker prüfen Verkauf der britischen Restaurantkette, sechs Jahre nach Gläubiger-Übernahme.

PizzaExpress hat Investmentbanker beauftragt, einen Verkauf zu prüfen, der die britische Restaurantkette auf bis zu 500 Millionen Pfund bewerten könnte. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Sechs Jahre nachdem Gläubiger nach einer Restrukturierung die Kontrolle übernommen hatten, könnte nun ein neues Kapitel für die bekannte Pizzakette beginnen.
Das Unternehmen, dessen Eigentümer unter anderem die Special-Situations-Einheit von Bain Capital und Cyrus Capital Partners umfassen, arbeitet mit Bankern bei Rothschild zusammen. Hintergrund sind eingegangene Angebote sowohl von Branchenbewerbern als auch von Investmentfirmen. Die Gespräche befinden sich allerdings noch in einem frühen Stadium, und es bestehe keine Sicherheit, dass ein Deal tatsächlich zustande komme, warnten die mit der Angelegenheit vertrauten Personen.
Von Soho in die ganze Welt
Seit der Eröffnung im Londoner Stadtteil Soho im Jahr 1965 hat PizzaExpress seine Filialen auf mehr als 360 Restaurants in Großbritannien und Irland ausgebaut. Hinzu kommen Franchise-Operationen in einem Dutzend weiterer Länder. Die Kette ist bekannt für ihre Klassiker wie die „American Hot“- und „Sloppy Giuseppe“-Pizzen.
Gegründet wurde PizzaExpress vom Unternehmer Peter Boizot, der einen Pizzabackofen aus Rom importierte, nachdem er über den Mangel an italienischer Küche in Großbritannien geklagt hatte. Seither hat die Pizzakette mehrfach den Besitzer gewechselt. Das Wachstum beschleunigte sich nach einer Übernahme durch die Unternehmer Luke Johnson und Hugh Osmond im Jahr 1993. Später gehörte das Unternehmen der Private-Equity-Firma Cinven, die es 2007 kaufte, bevor Chinas Hony Capital 2014 in einem verschuldeten Deal über 900 Millionen Pfund einstieg.
Restrukturierung und neue Strategie
Die Gruppe wird heute von Investoren gehalten, die das Unternehmen übernahmen, nachdem die Coronavirus-Pandemie eine drastische Restrukturierung erzwungen hatte. Dies führte unter anderem zur Schließung von Dutzenden von Filialen. Im April 2025 sprachen Aktionäre 20 Millionen Pfund in das Unternehmen ein, als Teil einer Refinanzierung in Höhe von 55 Millionen Pfund, die einige ihrer Schulden verlängerte.
PizzaExpress hat zuletzt neue strategische Wege eingeschlagen. So schloss das Unternehmen einen Deal ab, um in den beliebten Markt für frittiertes Hähnchen einzusteigen, indem es die US-Marke Houston Hot Chicken in sein Portfolio aufnahm. Im März lancierte die Kette zudem eine Takeaway-Karte mit Macaroni and Cheese und Hähnchenschnitzel.
Aktuelle Geschäftszahlen
Das Geschäft verzeichnete im Jahr 2025 stagnierende Umsätze von 440 Millionen Pfund. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (EBITDA) stieg hingegen um 6,3 Prozent auf 53 Millionen Pfund. Für das erste Quartal 2026, den jüngsten Zeitraum, für den Daten verfügbar sind, meldete das Unternehmen Umsätze von 112 Millionen Pfund, was einem Anstieg von 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.
Trotz seiner Schuldenlast bewertete PizzaExpress vor drei Jahren möglicherweise ein Übernahmeangebot für The Restaurant Group, den Eigentümer von Wagamama, bevor der rivalisierende Bieter Apollo den Zuschlag erhielt.
Bain, PizzaExpress und Rothschild lehnten eine Stellungnahme ab. Cyrus und Rothschild reagierten nicht umgehend auf Anfragen zur Kommentierung. Der Ausgang der Verkaufsgespräche bleibt damit vorerst offen.
