China Rare Earth will indirekt an US-Produzent MP Materials beteiligen
Staatskonzern verhandelt über Shenghe-Übernahme – Peking würde Anteil an MP Materials erhalten.

Die staatseigene China Rare Earth Group befindet sich offenbar in fortgeschrittenen Gesprächen über den Erwerb von Shenghe Resources (SHA: 600392). Ein solcher Deal könnte Peking eine indirekte Beteiligung am US-Seltenerd-Produzenten MP Materials (NYSE: MP) verschaffen – und das neben dem US-Verteidigungsministerium als größtem Aktionär.
Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters vom Freitag laufen die Verhandlungen bereits seit Anfang dieses Jahres. Quellen, die mit der Angelegenheit vertraut sind und aus Gründen der Vertraulichkeit auf Anonymität bestanden, bestätigten dies gegenüber der Agentur.
Shenghe hält rund drei Prozent der Anteile an MP Materials, dem Betreiber der Seltenerd-Mine Mountain Pass in Kalifornien. Das Pentagon war im vergangenen Jahr zum größten Aktionär von MP Materials aufgestiegen, nachdem es sich verpflichtet hatte, Vorzugsaktien und Optionsrechte im Wert von 400 Millionen US-Dollar zu erwerben.
Die Aktien von MP Materials reagierten negativ auf die Nachricht und notierten zuletzt mit einem Minus von 2,35 Prozent bei 48,22 US-Dollar pro Stück. Damit liegt der Marktwert des Unternehmens bei rund 8,6 Milliarden US-Dollar.
Ungewisse geopolitische Implikationen
Es ist derzeit völlig unklar, wie sich das Vorhandensein eines großen chinesischen staatlichen Seltenerd-Konzerns und des Pentagons im selben Aktionärsregister auf eine Transaktion auswirken könnte. Auch die mit der Angelegenheit vertrauten Quellen von Reuters wussten nicht, welche Auswirkungen ein Deal auf die ausländischen Beteiligungen von Shenghe haben würde.
MP Materials, der einzige US-Produzent von Seltenerd-Elementen, hat wiederholt betont, dass weder Shenghe noch die chinesische Regierung die Operationen kontrollieren. Die Seltenen Erden sind für Smartphones, Jet-Triebwerke, Elektrofahrzeuge und Verteidigungssysteme unverzichtbar.
Strategische Kontrolle
Eine Übernahme würde eines der letzten großen, privat gehaltenen chinesischen Unternehmen im Bereich Bergbau und Raffination von Seltenerden unter staatliche Kontrolle bringen. Damit würde Peking seine jahrzehntelange Konsolidierung der Branche fortsetzen.
Die China Rare Earth Group wurde 2021 gegründet, als fünf staatliche Seltenerd-Unternehmen neu strukturiert wurden. Sie ist der größte Lieferant schwerer Seltenerden in China. Kombiniert könnte die Übernahme Shenghe zudem einen besseren Zugang zu staatlichen Quoten ermöglichen, die den Abbau, die Schmelzverarbeitung und die Trennung von Seltenerden regeln, so eine Quelle von Reuters. Peking vergibt diese Quoten in der Regel an staatseigene Unternehmen, die sie anschließend an ihre Tochtergesellschaften verteilen.
Diese Quoten werden als wichtiger Indikator für das globale Angebot an Seltenerden beobachtet, obwohl China die öffentliche Veröffentlichung dieser Daten eingestellt hat. Eine stärkere Konsolidierung würde den Einfluss Pekings auf Materialien stärken, die für Elektrofahrzeuge, Windturbinen, Elektronik und Rüstungsgüter entscheidend sind. China hat seine Dominanz bei Seltenerden bereits als Hebel in seinem Handelsstreit mit den USA eingesetzt.
Australische Reichweite
Shenghe expandierte im vergangenen Jahr auch international durch den Erwerb von Australiens Peak Rare Earths, was Fragen aufwirft, wie seine internationalen Vermögenswerte und Investitionen behandelt werden könnten, falls die China Rare Earth Group die Kontrolle übernimmt.
Die potenzielle Transaktion verleiht MP Materials eine ungewöhnliche geopolitische Dimension, während Washington versucht, eine inländische Lieferkette für Seltenerden aufzubauen und die Abhängigkeit von China zu verringern. Für deutsche Anleger ist die Entwicklung besonders relevant, da europäische Automobilhersteller und Industrieunternehmen ebenfalls stark von Seltenerd-Importen abhängig sind.
