Nomura verschiebt Fed-Zinssenkungsprognose auf September 2026
Das japanische Investmenthaus begründet die Verzögerung mit dem Iran-Konflikt und einer ungeklärten Fed-Führungsnachfolge.

Die US-Notenbank Federal Reserve wird ihre mit Spannung erwartete geldpolitische Wende später als bisher erwartet einleiten. Das japanische Investmenthaus Nomura hat seine Prognose für die erste Fed-Zinssenkung von Juni auf September 2026 verschoben. Als Hauptgründe nennen die Analysten in ihrem aktuellen „Policy Watch"-Bericht eine Kombination aus geopolitischer Volatilität und einer sich verändernden Führungsdynamik innerhalb der US-Zentralbank.
Konkret rechnet Nomura für das laufende Jahr nun nur noch mit zwei Zinsschritten nach unten. Der erste soll demnach im September 2026 erfolgen, der zweite im Dezember desselben Jahres. Damit rückt die lang erwartete Zinswende der Fed deutlich weiter in die Zukunft als noch vor wenigen Monaten angenommen.
Iran-Konflikt als zentraler Inflationstreiber
Der entscheidende Auslöser für diese restriktivere Einschätzung ist laut Nomura der anhaltende Konflikt im Iran. Dieser hat neuen Inflationsdruck in die US-Wirtschaft gebracht, vor allem durch volatile Energiepreise und Störungen in den globalen Lieferketten. Für den Offenmarktausschuss der Fed (FOMC) ist die kurzfristige Preisstabilität damit zu einem unmittelbareren Anliegen geworden, als es die Märkte zuletzt eingepreist hatten.
Hinzu kommt ein politischer Faktor, der in der öffentlichen Debatte bislang wenig Beachtung gefunden hat: Die verzögerte Bestätigung des designierten Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh. Solange dieser Führungswechsel nicht abgeschlossen ist, fehlt der Zentralbank ein klares politisches Mandat für eine Kursänderung. Nomura argumentiert, dass dieses institutionelle Vakuum den unmittelbaren Druck für eine Zinssenkung zur Jahresmitte erheblich reduziert.
Die Kombination aus kriegsbedingter Inflation und einem laufenden Führungswechsel liefert der Fed nach Einschätzung von Nomura eine überzeugende Begründung, ihre restriktive Haltung über die Sommermonate beizubehalten. Für Anleger bedeutet das: Ein „Higher-for-longer"-Umfeld bleibt im zweiten Quartal 2026 das wahrscheinlichste Szenario.
Grundlegende Lockerungstendenz bleibt intakt
Trotz der Verzögerung hält Nomura an seiner grundsätzlichen Einschätzung fest, dass die Fed mittelfristig auf Zinssenkungen zusteuert. Die FOMC-Mitglieder – einschließlich des amtierenden Vorsitzenden Jerome Powell – hätten zuletzt eine sogenannte „asymmetrische Reaktion" auf Wirtschaftsdaten gezeigt. Das bedeutet: Sie reagieren empfindlicher auf Schwächesignale am Arbeitsmarkt als auf vorübergehende Preisanstiege.
Diese Haltung ist für deutsche Anleger und institutionelle Investoren besonders relevant, da sie die Richtung der globalen Zinspolitik maßgeblich beeinflusst. Ein länger hohes US-Zinsniveau stärkt tendenziell den US-Dollar und erhöht den Renditedruck auf andere Anlageklassen weltweit, darunter auch europäische Staatsanleihen und Aktien.
Die Analysten von Nomura gehen davon aus, dass der aktuelle Inflationsdruck aus dem Nahen Osten vorübergehender Natur sein wird. Sobald der Führungswechsel an der Fed-Spitze vollzogen ist und der Arbeitsmarkt weitere Abkühlungszeichen zeigt, sehen sie den Weg für eine Zinssenkung im September 2026 als frei an. Bis dahin dürfte die Unsicherheit an den Märkten anhalten – und die Geldpolitik der weltgrößten Volkswirtschaft im Fokus der Investoren bleiben.
