Italiens Zentralbank senkt Wachstumsprognosen und warnt vor Rezessionsgefahr
Die Banca d'Italia revidiert ihre Wirtschaftsprognosen deutlich nach unten – ein herber Rückschlag für Regierungschefin Meloni.

Die italienische Zentralbank hat ihre Wachstumsprognosen für die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone erheblich gesenkt. Laut einem am Freitag veröffentlichten Bericht der Banca d'Italia wird Italiens Wirtschaft in diesem Jahr lediglich um 0,6 % wachsen – und auch 2027 wird nur ein Wachstum von 0,5 % erwartet. Damit unterschreiten beide Werte die von der Regierung Meloni im September gesetzten Ziele von 0,7 % beziehungsweise 0,8 % deutlich.
Als Hauptgrund für die Revision nennt die Zentralbank die „radikale Verschlechterung der internationalen Aussichten" infolge des US-israelischen Krieges gegen den Iran. Die daraus resultierende „außergewöhnlich hohe Unsicherheit" belastet sowohl die Energiemärkte als auch das Verbrauchervertrauen spürbar. Für 2028 prognostiziert die Banca d'Italia ein Wachstum von lediglich 0,6 % – womit Italien das vierte Jahr in Folge unter der Marke von 1 % bliebe.
Energiepreise und Binnennachfrage unter Druck
Besonders die Binnennachfrage leidet unter den aktuellen Entwicklungen. „Die Wirtschaftstätigkeit ist in diesem Jahr besonders durch die Abschwächung der Binnennachfrage beeinträchtigt, die durch den plötzlichen Anstieg der Energiepreise, die wachsende Unsicherheit und einen Vertrauensverlust gebremst wurde", heißt es im Bericht der Zentralbank. Die Ölpreise dürften im Durchschnitt 103 US-Dollar pro Barrel erreichen, während die Erdgaspreise im zweiten Quartal bei 55 US-Dollar pro Megawattstunde erwartet werden, bevor sie allmählich sinken.
Saison- und arbeitstäglich bereinigt ergibt sich für dieses und das kommende Jahr jeweils ein Wachstum von nur 0,5 %. Die Zahlen verdeutlichen, wie stark die externe Schockwirkung das strukturell ohnehin schwache Wachstumspotenzial Italiens zusätzlich belastet.
Düsteres Alternativszenario: Rezession möglich
Besonders alarmierend ist das im Bericht enthaltene Negativszenario. Sollten die Energiepreise höher und länger als erwartet steigen, könnte das BIP-Wachstum in diesem Jahr um einen halben Prozentpunkt und im Jahr 2027 um etwa einen Prozentpunkt geringer ausfallen. In diesem Fall würde Italien im nächsten Jahr in eine Rezession abgleiten, warnt die Banca d'Italia ausdrücklich.
Für Deutschland und andere europäische Handelspartner wäre eine Rezession in Italien ein ernstes Signal: Als drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone hat die wirtschaftliche Entwicklung des Landes erhebliche Auswirkungen auf die gesamte Währungsunion. Auch die EZB beobachtet die Lage aufmerksam, zumal Italiens hohe Staatsverschuldung in Abschwungphasen stets besondere Risiken birgt.
Inflation überschreitet EZB-Zielwert
Neben dem schwächeren Wachstum hob die Banca d'Italia auch ihre Inflationsprognosen an. Die EU-harmonisierte Verbraucherpreisinflation (HICP) dürfte 2025 bei 2,6 % liegen – deutlich über der vorherigen Schätzung von 1,4 % und über dem EZB-Zielwert von 2,0 %. Für 2027 wurde die Inflationsrate von 1,6 % auf 1,8 % nach oben korrigiert.
Diese Kombination aus schwachem Wachstum und erhöhter Inflation – auch als Stagflation bezeichnet – stellt die Wirtschaftspolitik der Regierung Meloni vor erhebliche Herausforderungen. Das Finanzministerium in Rom wird seine Haushalts- und BIP-Schätzungen voraussichtlich noch im Laufe dieses Monats aktualisieren. Beobachter erwarten, dass die Regierung ihre Wachstumsziele ebenfalls nach unten anpassen muss – mit potenziellen Konsequenzen für die Haushaltspolitik und die Einhaltung europäischer Fiskalregeln.
Im Dezember hatte die Banca d'Italia noch deutlich optimistischere Zahlen veröffentlicht: Damals wurden für 2025 ein Wachstum von 0,7 %, für 2027 ein Plus von 0,8 % und für das Folgejahr ein Zuwachs von 0,7 % erwartet. Die Revision innerhalb weniger Monate zeigt, wie abrupt sich das globale wirtschaftliche Umfeld verändert hat.
