Kühne+Nagel winkt Milliardenumsatz durch Amazon-KI-Logistik-Deal
Logistikkonzern baut Zusammenarbeit mit Amazon aus – KI-Komponenten als Wachstumstreiber.

Der Schweizer Logistikkonzern Kühne+Nagel (K+N) weitet seine Partnerschaft mit dem US-Technologiekonzern Amazon deutlich aus. Die langfristige Vereinbarung umfasst auch die Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS) und könnte das jährliche Geschäftsvolumen zwischen beiden Unternehmen auf mehrere Milliarden Dollar steigern. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person.
Bislang liegt der Umsatz von Kühne+Nagel mit Amazon in einem höheren dreistelligen Millionen-Dollar-Bereich. Ein großer Teil des zusätzlichen Geschäfts dürfte auf Komponenten für die KI-Infrastruktur entfallen, die aus Asien in andere Regionen der Welt geliefert werden. Kühne+Nagel erwirtschaftete 2025 einen Nettoumsatz von 24,5 Milliarden Franken.
Milliardenpotenzial durch KI-Logistik
Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf Logistikdienstleistungen für die AWS-Infrastruktur – vom Bau und der Inbetriebnahme der Anlagen bis hin zur Wartung und Modernisierung. Damit positioniert sich Kühne+Nagel als wichtiger Partner im boomenden Markt für Rechenzentrumslogistik. Google Cloud ist bereits Kunde des Logistikkonzerns.
Die Kooperation wird durch eine finanzielle Vereinbarung untermauert: Amazon erhält eine Kaufoption auf K+N-Aktien. Falls Kühne+Nagel innerhalb von sieben Jahren bestimmte Meilensteine erreicht, kann Amazon dem Insider zufolge Aktien zum gegenwärtigen Kurs erwerben. „Amazon hat also ein Interesse, K+N hohe Aufträge zu erteilen“, zitierte Reuters den Insider. Kühne+Nagel trage dabei kein Risiko. Die Aktien aus dem Eigenbestand seien mithilfe eines Finanzdienstleisters bereits abgesichert worden.
Aktie reagiert positiv
An der Börse legte die K+N-Aktie am Vormittag um 5,8 Prozent zu. Marco Estermann, Analyst der Luzerner Kantonalbank, erklärte, K+N könne mit seinen digitalen Kompetenzen und seiner Lieferketten-Expertise strategisch punkten. Dass AWS als Kunde gewonnen werden konnte, zeige, dass K+N ein erfolgreiches und skalierbares Konzept für die hochkomplexe Rechenzentren-Logistik besitze.
Amazon hat bereits mit anderen Konzernen ähnliche Optionsvereinbarungen geschlossen. Anfang September meldete der US-Halbleiterhersteller Qualcomm eine gemeinsame Entwicklung von Spezialprozessoren für KI-Rechenzentren mit Amazon. Die Kooperation hat ein Volumen von bis zu 60 Milliarden Dollar. Gleichzeitig erhält der Online-Händler die Option, für rund vier Milliarden Dollar bei Qualcomm einzusteigen.
Für Kühne+Nagel eröffnet der Deal neue Perspektiven im milliardenschweren KI-Markt. Die Kombination aus langfristiger Auftragsperspektive und der aktienbasierten Anreizstruktur schafft eine enge Verzahnung der Interessen beider Konzerne. Anleger bewerten die Nachricht entsprechend positiv.
