Knorr-Bremse-Aktie: Weltmarktführer lockt mit fast 30 Prozent Kurspotenzial
Der Münchner Bahn- und Nutzfahrzeugzulieferer wächst seit zehn Jahren, treibt digitale Kupplungen voran und könnte neue Rekordkurse erreichen.

Knorr-Bremse gehört zu den ältesten und zugleich größten Anbietern von Bahn- und Fahrzeugtechnik. Die Wurzeln reichen bis 1892 zurück, als Georg Knorr die erste Schnellbremse für Eisenbahnen entwickelte. Gegründet wurde das Unternehmen in Berlin, der heutige Konzernsitz ist München. Die Mehrheit der weltweit betriebenen Züge ist mit Technologie von Knorr-Bremse ausgerüstet – ein Beleg für die Marktstellung des Unternehmens.
Auch das Geschäftsvolumen spiegelt diese Position. Vor zehn Jahren lag es bei 5,5 Milliarden Euro, in diesem Jahr könnte es rund 8,2 Milliarden Euro erreichen. Über die vergangenen zehn Jahre ist das Volumen kontinuierlich gewachsen, unterbrochen lediglich im Coronajahr 2020. Für Privatanleger ist diese Konstanz ein wichtiger Anker, weil sie zeigt, dass das Geschäftsmodell über Konjunkturzyklen hinweg trägt.
Die digitale automatische Kupplung startet 2028 im Güterverkehr
Einen konkreten Wachstumsimpuls liefert die digitale automatische Kupplung, die ab 2028 im Güterbetrieb der Österreichischen Bundesbahn zum Einsatz kommt. Sie beschleunigt das Kuppeln und Rangieren und erhöht zugleich die Sicherheit des Bahnpersonals. Bislang müssen Mitarbeiter diese Arbeiten häufig manuell und unter freiem Himmel erledigen – ein zeitaufwendiger und gefährlicher Vorgang. Mit der automatisierten Lösung rückt der Güterverkehr ein Stück näher an den Standard moderner Logistikprozesse heran.
Ein zweiter Technologiebaustein ist ein Fahrer-Assistenzsystem, das Verkehrsdaten vorausfahrender Züge integriert. Nach Angaben des Unternehmens lassen sich damit bis zu 10 Prozent Energie einsparen. Vorgestellt wurde das System auf der Bahnmesse InnoTrans in Berlin. Für Anleger ist das relevant, weil Energieeffizienz bei Bahnbetreibern zu den zentralen Kostenfaktoren zählt und entsprechende Systeme die Nachfrage nach Rüsttechnik stützen können.
Das Unternehmen wagt sich mit Autobrains ins Robotaxi-Geschäft
Über das klassische Bahngeschäft hinaus hat sich Knorr-Bremse am israelischen Start-up Autobrains beteiligt. An dem Unternehmen sind auch BMW und der Zulieferer Magna beteiligt. In München sind Robotaxis geplant. Damit positioniert sich der Konzern in einem Markt, der weit über das angestammte Bremsengeschäft hinausreicht und neue Erlösquellen erschließen könnte.
Nettogewinn und Umsatz sollen deutlich zulegen
Die operative Entwicklung stützt die Zuversicht. Im ersten Halbjahr erzielte das Unternehmen einen Nettogewinn von 343 Millionen Euro, ein Plus von 16,6 Prozent. Für das Gesamtjahr wird erstmals ein Nettogewinn von mehr als 700 Millionen Euro erwartet. Sparmaßnahmen der vergangenen Jahre stützen diese Entwicklung zusätzlich, weil sie die Kostenbasis dauerhaft senken.
Für das Jahr 2030 hat sich der Konzern ein Umsatzziel von 10 Milliarden Euro gesetzt. Bei einem Umsatz in dieser Größenordnung wäre ein Nettogewinn von knapp 1 Milliarde Euro möglich. Wer die Aktie bewertet, sollte deshalb nicht nur auf das laufende Geschäftsjahr schauen, sondern auch auf die Frage, wie glaubwürdig dieser mittelfristige Pfad ist.
Der Kursverfall von 2022 ist inzwischen ausgeglichen
Der Aktienkurs hatte 2022 unter dem Ukrainekrieg und Lieferkettenproblemen gelitten. Dieser Verfall ist inzwischen wieder ausgeglichen. Das Rekordhoch der Aktie liegt bei rund 110 Euro. Zuletzt hat sich die Bewertung etwas erhöht, weshalb sich der Kurs vom Rekordhoch wieder abwärts bewegt hat.
Rücksetzer bis 80 Euro gelten als mögliche Nachkaufgelegenheit
Nach Einschätzung der Quelle können Rücksetzer bis in den Bereich von 80 Euro als mögliche Nachkaufgelegenheiten dienen. Langfristig werden neue Höchstkurse über 115 Euro für möglich gehalten. Aus dem Rekordhoch von rund 110 Euro und dem genannten Ziel über 115 Euro ergibt sich rechnerisch ein Kurspotenzial von fast 30 Prozent – allerdings ausgehend von dem in der Quelle genannten Bewertungsniveau.
Anleger sollten diese Szenarien als Einschätzungen und nicht als Garantie verstehen. Kursziele hängen maßgeblich davon ab, ob die Auftragslage im Bahn- und Nutzfahrzeuggeschäft hält, ob die digitale automatische Kupplung wie geplant ab 2028 ausgerollt wird und ob sich die neuen Felder wie Autobrains tatsächlich in Erträge übersetzen. Wer auf den Titel setzt, sollte deshalb auf die genannten Rücksetzer achten und die Quartalszahlen zur Gewinnentwicklung im Blick behalten.
