Berkshire: 377 Milliarden Dollar Cash sind Warnsignal an die Wall Street
Berkshire Hathaway hortet 377,4 Milliarden Dollar und war in 15 von 16 Quartalen Nettoverkäufer von Aktien.

Berkshire Hathaway hat am 7. November seine Betriebsergebnisse für das dritte Quartal vorgelegt – und darin steckt eine Zahl, die die Wall Street und die Anleger nicht länger ignorieren können. Der Cash-Bestand des Konglomerats aus Omaha, bestehend aus flüssigen Mitteln, Cash-Äquivalenten und US-Treasuries, schoss auf 377,4 Milliarden US-Dollar. Für sich genommen wäre eine gut gefüllte Bilanz eine gute Nachricht. Bei Berkshire ist sie es nicht.
Der Grund liegt in der Geschichte des Unternehmens. Warren Buffett, der Berkshire Hathaway durch Akquisitionen und Investitionen zu dem trillionenschweren Konzern gemacht hat, der es heute ist, war dafür bekannt, Kapital produktiv einzusetzen. Ende 2025 trat er als CEO zurück und übergab an seinen Stellvertreter Greg Abel, der seither die täglichen Geschäfte führt und das 359 Milliarden US-Dollar große Investmentportfolio beaufsichtigt. Buffett hatte den Benchmark S&P 500 zuvor um mehr als 6.000.000 Prozent übertroffen.
Die Wall Street hat sich daran gewöhnt, dass die Chefs von Berkshire dieses Kapital arbeiten lassen. Dass nun 377,4 Milliarden US-Dollar in bar liegen und Zinsen erzielen, ist deshalb kein willkommenes Zeichen. Es ist eine Warnung – und sie wird seit Monaten lauter.
Der Cash-Bestand wächst, obwohl Berkshire im dritten Quartal mehr verdient hat
Im dritten Quartal erwirtschaftete Berkshire Hathaway einen operativen Gewinn von 12,7 Milliarden US-Dollar. Auffällig war zudem ein deutlicher Anstieg bei den Aktienrückkäufen. Beides ließe sich als Zeichen von Stärke lesen. Die konsolidierte Cashflow-Rechnung des Quartals zeigt jedoch eine andere Bewegung: Es wurden 426 Millionen US-Dollar mehr an Wertpapieren verkauft als gekauft.
Damit waren Buffett oder Abel zum 15. Mal in den vergangenen 16 Quartalen – also innerhalb von vier Jahren – unter dem Strich Nettoverkäufer von Aktien. Der Finanzdienst Barchart kommentierte den Bargeldberg am 6. November mit dem Hinweis, Berkshire sitze auf 365 Milliarden US-Dollar in bar, genug, um 472 Unternehmen im S&P 500 zu kaufen.
Der Buffett-Indikator markiert mit 236,42 Prozent einen Allzeithochwert
Warum Berkshire nicht kauft, hat Buffett selbst offengelegt. In einem seltenen Interview mit dem Fortune Magazine im Jahr 2001 beschrieb er das Verhältnis von Marktkapitalisierung zum Bruttoinlandsprodukt als sein bevorzugtes Bewertungsinstrument. Er nannte es „wahrscheinlich das beste einzelne Maß dafür, wo die Bewertungen zu einem bestimmten Zeitpunkt stehen“. Heute ist die Kennzahl als Buffett-Indikator bekannt.
Bei einer Rücktestung bis Dezember 1970 lag der Durchschnittswert des Buffett-Indikators bei etwa 89 Prozent. Der Gesamtwert der US-Aktien entsprach also im Mittel 89 Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts. Im August erreichte der Indikator mit 236,42 Prozent einen Allzeithochwert und liegt weiterhin deutlich über seinem historischen Durchschnitt. Barchart verwies am 15. August auf einen Wert von 239 Prozent und ordnete ihn als teuerste Bewertung der Geschichte ein – oberhalb der Dotcom-Blase, der Globalen Finanzkrise und des Bärenmarkts von 2022.
Buffett war 13 Quartale in Folge Nettoverkäufer, Abel in zwei von drei
Es ist kein Zufall, dass Buffett in den 13 Quartalen vor seinem Ruhestand in Serie mehr Aktien verkaufte als kaufte. Auch Abel war in zwei der drei Quartale seit Übernahme der Führung Nettoverkäufer. Beide gelten als Puristen, wenn es um den Erhalt eines guten Deals geht – und der heutige Aktienmarkt macht es nach Einschätzung des Quelltextes unglaublich schwierig, Schnäppchen zu finden.
Die Geschichte zeigt, dass Premium-Bewertungen langfristig nicht nachhaltig sind. Ob und wann ein Rückgang beginnt, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Der Quelltext betont ausdrücklich, dass eine exakte Vorhersage von Aktienmarktrückgängen unmöglich ist. Die Warnung von Buffett und Abel erreicht nach dieser Lesart dennoch erschreckende Ausmaße.
aktien.news berichtete im August 2026 über eine 366-Milliarden-Dollar-Warnung
Bereits am 09.08.2026 berichtete aktien.news, dass Berkshire Hathaway einen Cash-Bestand von 366 Milliarden US-Dollar hält und damit Anleger weltweit aufhorchen lässt. Damals trat der neue Berkshire-Chef Greg Abel im zweiten Quartal unter dem Strich noch als Netto-Käufer von Aktien auf und beendete damit eine Serie von 14 aufeinanderfolgenden Quartalen, in denen Berkshire per Saldo mehr Aktien verkaufte als kaufte.
Am selben Tag, dem 09.08.2026, meldete aktien.news weitere Details zum zweiten Quartal: Zum 30. Juni verfügte Berkshire über Barmittel in Höhe von 365,5 Milliarden US-Dollar, ein Rückgang von 8,0 Prozent gegenüber dem Rekordhoch von 397,4 Milliarden US-Dollar zum 31. März. Bereinigt um die Barmittel der Bahntochter BNSF und um erworbene, aber noch nicht bezahlte Schatzwechsel – eine von Berkshire bevorzugte interne Kennzahl – sank der Wert entsprechend.
Schon am 19.05.2026 hatte aktien.news berichtet, dass 397 Milliarden US-Dollar in der Bilanz von Berkshire schlummern und weiter wachsen. Buffett hinterließ bei seinem Rücktritt Ende 2025 einen Bestand von 373 Milliarden US-Dollar; drei Monate nach seinem Abgang legte Abel seinen ersten Ergebnisbericht vor, und die Zahl war um weitere 24 Milliarden US-Dollar angewachsen. Am 02.08.2026 folgte der Hinweis, dass Berkshire das erste Quartal 2025 mit einem Rekord-Cashbestand von 397 Milliarden US-Dollar beendet hatte und die Beteiligung an Apple von einem Höchststand von mehr als 915 Millionen Aktien auf zuletzt 228 Millionen Aktien reduziert worden war.
Für deutsche Anleger ist die Bewertungsfrage der zentrale Punkt
Deutsche Privatanleger, die über ETFs oder Einzelaktien am US-Markt engagiert sind, sollten die Signalwirkung des Berkshire-Cashbestands einordnen können. Berkshire ist kein Hedgefonds, der kurzfristig handelt, sondern ein Konglomerat mit langfristigem Horizont. Wenn ein solcher Investor über viele Quartale hinweg mehr verkauft als kauft und gleichzeitig Rekordsummen in US-Treasuries parkt, ist das eine Aussage über die Bewertung des Marktes – nicht über die Qualität einzelner Unternehmen.
Zugleich gilt: Aus dem Cashbestand lässt sich kein Zeitpunkt für eine Korrektur ableiten. Der Quelltext nennt keine Prognose und keine Empfehlung. Wer die Zahlen als Grundlage für eigene Entscheidungen nutzt, sollte sie als Bewertungssignal lesen, nicht als Timing-Instrument.
Wann der Aktienmarkt korrigiert, lässt sich laut Quelltext nicht vorhersagen
Der Quelltext formuliert keine konkreten Erwartungen für die kommenden Quartale und nennt keinen Termin für den nächsten Bericht von Berkshire Hathaway. Er hält lediglich fest, dass Premium-Bewertungen langfristig nicht nachhaltig sind und dass sich die Geschichte an der Wall Street zumindest bei überhöhten Bewertungen wiederholt. Beobachten dürften Anleger daher vor allem, ob Berkshire unter Greg Abel weiter Kapital hortet oder ob der Cashbestand wieder sinkt.
Diese drei Fachbegriffe helfen beim Verständnis des Artikels
- Cash-Bestand: Die Summe aus flüssigen Mitteln, Zahlungsmitteläquivalenten und kurzfristigen US-Schatzanweisungen, die ein Unternehmen hält.
- Buffett-Indikator: Das Verhältnis der gesamten Marktkapitalisierung aller US-Aktien zum US-Bruttoinlandsprodukt.
- Nettoverkäufer: Ein Anleger oder Unternehmen verkauft per Saldo mehr Wertpapiere, als es im gleichen Zeitraum kauft.
