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Japans Zinswende verändert globale Kapitalströme

Steigende Renditen und knappe Liquidität erhöhen Risiken an den Finanzmärkten

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Japans Zinswende verändert globale Kapitalströme

Die jahrelange Phase extrem niedriger Zinsen in Japan verliert zunehmend an Kraft. Für institutionelle Großinvestoren hatte das Umfeld lange Zeit ideale Bedingungen geboten, um über sogenannte Carry-Trades günstige Kredite in japanischen Yen aufzunehmen und das Kapital gewinnbringend in höher verzinste Anlagen weltweit umzuleiten. Vor allem die USA profitierten in der Vergangenheit erheblich von diesen Kapitalströmen. Doch die Voraussetzungen für dieses Geschäftsmodell haben sich spürbar verändert.

In den vergangenen Wochen sind die Renditen japanischer Staatsanleihen deutlich gestiegen. Die Verzinsung zehnjähriger Papiere erreichte mit 1,875 Prozent den höchsten Stand seit 2008. Auch in längeren Laufzeiten kam es zu markanten Anstiegen, etwa im 40-jährigen Segment mit Renditen über 3,7 Prozent. Auslöser der jüngsten Bewegung war eine beiläufige Bemerkung des Notenbankchefs Kazuo Ueda, der die Möglichkeit einer Zinserhöhung noch im Dezember andeutete. Für Marktteilnehmer deutete dies auf ein beschleunigtes Ende der ultraexpansiven Geldpolitik hin.

Parallel dazu setzt die neue Regierung unter Premierministerin Sanae Takaichi auf eine stimulierende Fiskalpolitik. Die Kombination aus steigenden Kapitalmarktzinsen und wachstumsorientierten Haushaltsplänen festigt den Eindruck, dass die Ära der nahezu zinslosen Finanzierung in Japan vorbei ist. Gleichzeitig stabilisiert sich die Inflation nach starken Schwankungen auf einem Niveau um zwei Prozent, was die geldpolitische Neuorientierung zusätzlich untermauert.

Die Folgen für die globalen Kapitalmärkte könnten erheblich sein. Bereits im Sommer 2024 hatten abrupte Auflösungen von Carry-Trades zu einem weltweiten Kurseinbruch geführt. Zwar deutet sich aktuell kein ähnlicher Schock an, doch die sinkende Liquidität aus Japan wird aufmerksam beobachtet. Marktbeobachter sehen in dem jüngsten Rückgang des Bitcoins ein mögliches Signal für knapper werdende Mittel, da diese Anlageform als Indikator für Liquidität gilt.

Eine stärkere Marktreaktion bleibt bislang jedoch aus. Ein Grund dafür ist die Entscheidung der US-Notenbank Fed, den Abbau ihrer Bilanzsumme zu stoppen. Seit dem 1. Dezember verzichtet sie auf weitere Verkäufe von Staatsanleihen, um Spannungen am Geldmarkt zu dämpfen und kurzfristigen Ausschlägen der Dollar-Zinsen entgegenzuwirken. Diese Maßnahme wirkt wie ein Puffer gegen mögliche Auswirkungen der veränderten japanischen Geldpolitik und entlastet zugleich den Markt für US-Staatsanleihen, der durch die zunehmende Verschuldung der US-Regierung unter Druck steht.

Die Entscheidung kommt auch den politischen Forderungen von US-Präsident Donald Trump entgegen, der eine lockerere Geldpolitik bevorzugt. Ob die Fed jedoch den von vielen erwarteten Zinssenkungen nachgibt, bleibt offen, da die Inflation weiterhin über dem gewünschten Niveau liegt. Vor dem Hintergrund hoher Aktienbewertungen könnten bereits geringe Impulse ausreichen, um Kursbewegungen auszulösen, weshalb Marktteilnehmer die globale Liquiditätslage besonders genau verfolgen.

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