Grönland-Abkommen lässt Rohstoffaktien explodieren – Anleger aufgepasst
Sicherheitsabkommen zwischen USA, Dänemark und Grönland treibt Kurse von Minenaktien in die Höhe.

Ein neues Sicherheitsabkommen zwischen den USA, Dänemark und Grönland sorgt an den Börsen für Euphorie. Am Dienstag soll das Abkommen in New York unterzeichnet werden. Die Hoffnung vieler Anleger: Es setzt den wiederkehrenden Drohungen von US-Präsident Donald Trump ein Ende, die zu Dänemark gehörende Insel zu annektieren. Details zu dem Abkommen waren am Dienstagnachmittag noch nicht bekannt. Das kümmert die Märkte wenig – sie spekulieren bereits auf einen wie auch immer gearteten Grönland-Deal.
Die Kurse von Rohstoffaktien mit Grönland-Bezug schießen nach oben. Wer jetzt aufspringen will, sollte sich das allerdings gut überlegen. Denn die Hype-Aktien sind hochspekulativ – und das ist teilweise noch vorsichtig ausgedrückt. Bereits am 24. Januar 2026 berichtete aktien.news, dass die USA sich exklusiven Zugang zu den Bodenschätzen Grönlands sichern und damit möglicherweise chinesische Interessen an den wertvollen Seltenen Erden der Insel blockieren. Am 19. September 2026 kündigte Trump dann eine weitreichende Vereinbarung an, die den USA eine dauerhafte militärische Präsenz in Grönland sichert.
Die Details
Der Aktienkurs von Greenland Mines (US49876K2024) schoss seit vergangenem Freitag in der Spitze rund 310 Prozent nach oben, auf fast zwölf Dollar. Das Unternehmen ist an der US-Börse Nasdaq gelistet. Sein Fokus liegt auf der Exploration und Erschließung von Edelmetall- und Seltenerd-Vorkommen in Grönland. Abgebaut werden sollen vor allem Gold, Platin und Palladium. Greenland Mines will eines der – nach eigenen Angaben – größten noch unerschlossenen Vorkommen dieser Metalle im Südosten Grönlands zugänglich machen. Im Südwesten der Insel will das Unternehmen ein Vorkommen der Seltenen Erden Neodym und Praseodym erschließen.
Auch der Kurs von Energy Transition Minerals (AU0000250250) ist seit Ende vergangener Woche deutlich gestiegen. Zwischenzeitlich kletterte er um gut 50 Prozent auf knapp 0,07 australische Dollar. Energy Transition Minerals (ETM) hieß bis vor einigen Jahren Greenland Minerals. Das australische Explorations- und Bergbauunternehmen sucht und entwickelt Vorkommen an kritischen Rohstoffen, in Spanien, Kanada – und Grönland. Auf der Insel will ETM das umstrittene Kuannersuit-Projekt, auf Dänisch Kvanefjeld-Projekt, vorantreiben. Dabei geht es vor allem darum, Seltene Erden abzubauen. Das Problem: Die Lagerstätte enthält auch Uran.
Die Papiere von Critical Metals (VGG2662B1031) gelten derzeit als die vergleichsweise am wenigsten riskante Spekulation. Der Aktienkurs des an der Nasdaq gelisteten Unternehmens mit Sitz auf den britischen Jungferninseln ist seit Freitag um rund 40 Prozent gestiegen. Critical Metals will in Grönland Seltene Erden abbauen und verfügt über seine Tochter Tanbreez sogar bereits über eine Abbaulizenz. Weil einige weitere Genehmigungen fehlen, ist die geplante Mine in Südgrönland trotzdem noch nicht in Betrieb.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 19. Juli 2026 berichtete aktien.news, dass Energy Transition Minerals der grönländischen Regierung vorwirft, faktisch eine Enteignung vorgenommen zu haben – durch die Blockade des Kvanefjeld-Projekts und die Weigerung, die zugrunde liegende Explorationslizenz zu verlängern. Das Projekt gilt als eines der größten Vorkommen an Seltenen Erden außerhalb Chinas. ETM gab an, seit 2013 über seine Tochtergesellschaft Greenland Minerals rund 150 Millionen US-Dollar in Kvanefjeld investiert zu haben.
Am 24. Januar 2026 berichtete aktien.news über ein Rahmenabkommen, das Trump nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte ankündigte. Das Abkommen sollte Mineralrechte für die USA und weitere Partner umfassen. Konkrete Details blieben damals unter Verschluss. Am 19. September 2026 folgte dann Trumps Ankündigung einer großen militärischen Präsenz in Grönland, die eine deutliche Abkehr von seinen früheren Bestrebungen markierte, die Insel vollständig in die Vereinigten Staaten einzugliedern.
Was das für Anleger bedeutet
Aktien-Interessenten sollten die Börsengeschichte von Greenland Mines kennen. Noch vor rund einem Jahr hieß das Unternehmen an der Börse Klotho Neurosciences und war im Bereich Biotechnologie tätig. Im März 2026 kaufte Klotho die Firma Greenland Mines, stieg damit ins Explorationsgeschäft ein und benannte sich in Greenland Mines um. Die Reste des Biotech-Geschäfts sollen im vierten Quartal abgespalten werden. Schon vor der Übernahme lag der Aktienkurs so tief, dass die Anforderungen der Nasdaq nicht mehr erfüllt waren. Im August legte Greenland Mines deshalb Aktien im Verhältnis 50:1 zusammen.
Nach dem Reverse Split ging es erst einmal weiter abwärts – unter anderem wegen einer Kapitalerhöhung. Mit der Ausgabe von 1,6 Millionen neuen Aktien und Optionsscheinen, die zum Bezug weiterer 2,4 Millionen Aktien berechtigen, wurden Ende August brutto rund 20 Millionen Dollar erlöst. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung Anfang September stimmten die Aktionäre einer möglichen Ausgabe von bis zu 40,8 Millionen zusätzlicher Stammaktien zu. Diese können bei der Umwandlung von Vorzugsaktien entstehen. Eine Umwandlung ist grundsätzlich ab Januar 2027 möglich, kann aber schon früher erfolgen, wenn die Aktie fünf Handelstage in Folge bei mindestens 15 Dollar schließt.
Bei Energy Transition Minerals liegt das Kuannersuit-Projekt seit 2021 auf Eis. Seitdem sind der Abbau von Uran und das Ausbeuten stark uranhaltiger Lagerstätten in Grönland gesetzlich verboten. 2023 verweigerte die Regierung ETM die Abbaulizenz. Seitdem streiten die Australier mit Grönland vor Gerichten und in Schiedsverfahren. Dass das neue Sicherheitsabkommen daran kurzfristig etwas ändert, ist unwahrscheinlich.
Critical Metals will in absehbarer Zeit European Lithium (AU000000EUR7) übernehmen. Das Unternehmen mit Sitz in Australien hält seinerseits Anteile an Critical Metals und die restlichen 7,5 Prozent am Tanbreez-Projekt in Grönland. European Lithium konnte vom Kursanstieg bei Critical Metals profitieren und legte ebenfalls zu. Wer die Aktie kauft, investiert schon heute indirekt in Critical Metals.
Ausblick
Die Unterzeichnung des Sicherheitsabkommens ist für Dienstag in New York geplant. Ob und wie sich das Abkommen auf die konkreten Bergbauprojekte in Grönland auswirkt, bleibt abzuwarten. Bei Greenland Mines könnte eine Umwandlung von Vorzugsaktien in Stammaktien bereits früher als geplant erfolgen, falls die Kursschwelle von 15 Dollar erreicht wird. Critical Metals plant die Übernahme von European Lithium. Energy Transition Minerals setzt seine rechtlichen Auseinandersetzungen mit der grönländischen Regierung fort.
Kurz erklärt
- Reverse Split: Eine Zusammenlegung von Aktien, bei der mehrere alte Aktien in eine neue Aktie getauscht werden, um den Kurs pro Aktie zu erhöhen.
- Seltene Erden: Eine Gruppe von 17 metallischen Elementen, die für Hightech-Produkte wie Elektromotoren, Windkraftanlagen und Smartphones unverzichtbar sind.
- Kapitalerhöhung: Die Ausgabe neuer Aktien durch ein Unternehmen, um frisches Kapital aufzunehmen, was zu einer Verwässerung der Anteile bestehender Aktionäre führen kann.
