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Anleihen mit 4,5 Prozent Rendite: So reagieren Anleger jetzt richtig

Hohe Anleiherenditen locken, doch die Risiken an den Aktienmärkten wachsen. Ein Experte gibt Orientierung.

4 Min
Anleihen mit 4,5 Prozent Rendite: So reagieren Anleger jetzt richtig

Die Anleiherenditen klettern auf lang nicht gesehene Niveaus. Für Anleger stellt sich die Frage, ob jetzt der richtige Zeitpunkt für den Einstieg in festverzinsliche Wertpapiere ist. Andreas Beck, ein erfahrener Fondsmanager, sieht darin eine attraktive Gelegenheit – warnt aber zugleich vor übertriebener Euphorie.

Mit einem Portfolio aus zehnjährigen Euro-Staatsanleihen erreichen Anleger derzeit eine Umlaufrendite von knapp 4,5 Prozent. Das ist aus Sicht von Beck "hochattraktiv". Allerdings hat der Renditeanstieg auch seine Schattenseiten: Steigende Renditen bedeuten gefallene Kurse der betreffenden Anleihen. Ursachen sind Inflationssorgen und die wachsende Angst vor weiter steigenden Staatsschulden.

Die Staatsverschuldung sieht Beck als zentrales Problem. "Ich finde es bemerkenswert, wie die Inflation durch staatliche Ausgabenexzesse getrieben wird", sagt er. Höhere Zinsen helfen seiner Analyse nach nur dann gegen Inflation, wenn diese durch privaten Konsum und private Investitionen angetrieben wird. Im aktuellen Umfeld verteuern höhere Zinsen dagegen bloß den Schuldendienst für die Staaten.

Die Details

Becks Fonds Fixed Income One liegt seit Jahresbeginn leicht im Minus. Grund sind die gesunkenen Anleihekurse infolge der Zinsanstiege. Doch der Fondsmanager betont, dass die laufend eingesammelten Zinserträge die Kursverluste fast vollständig ausgeglichen haben.

Das Prinzip erklärt Beck an einem Beispiel: Kauft ein Anleger eine zehnjährige Anleihe zum Nennwert von 100 mit einem jährlichen Zinskupon von drei Prozent und steigen die Zinsen anschließend auf vier Prozent, fällt der Kurs der alten Anleihe auf 91,9. Bei diesem Kurs liegt die Umlaufrendite wieder bei vier Prozent. Die Umlaufrendite fasst den Kupon relativ zum Kaufpreis sowie die Kursgewinne zusammen, da die Anleihe am Laufzeitende zum Nennwert zurückgezahlt wird.

Steigende Zinsen bedeuten also Kursverluste, fallende Zinsen dagegen Kursgewinne. Wer in einer Phase hoher Zinsen Anleihen kauft, profitiert nicht nur von einem hohen Kupon, sondern hat auch die Chance auf Kursgewinne, wenn die Zinsen wieder sinken.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 26. Mai 2026 berichtete aktien.news, dass die Finanzwelt mit wachsender Sorge den Anstieg der Staatsanleiherenditen beobachtet. Damals kletterte die Rendite 30-jähriger US-Treasuries auf den höchsten Stand seit der Finanzkrise. Auch in Deutschland und Großbritannien verzeichneten Anleger ähnliche Renditesprünge. Ein zentraler Treiber war bereits damals die wachsende Staatsverschuldung vieler Industrienationen.

Am 16. September 2026 erreichte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen die 5-Prozent-Marke – das höchste Niveau seit 2007. Zeitgleich stand die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen bei 3,56 Prozent. Viele Anleger hatten sich zuletzt auf kurzfristige Anleihen konzentriert, um der Volatilität zu entgehen. Doch mit steigenden Renditen verbessert sich die Risiko-Ertrags-Rechnung für mittelfristige Anleihen.

Was das für Anleger bedeutet

Der Aktienmarkt ist nach Einschätzung von Beck derzeit "ganz schwer einzuschätzen". Überall werde die KI-Geschichte gespielt. Sollte Künstliche Intelligenz den erhofften Mehrwert für Unternehmen bringen, wären große Effizienzgewinne möglich – und Aktien unter dieser Prämisse noch zu billig. Liefert KI diesen Mehrwert nicht, wären Aktien dagegen wohl zu teuer.

Becks Mischfonds Global Portfolio One hält eine Aktienquote von 78 Prozent. Die normale Zielquote liegt bei 80 Prozent, mit einer Toleranz nach oben oder unten. Der Fonds setzt auf eine antizyklische Steuerung: Würden die Aktienmärkte einbrechen, ginge die Aktienquote auf 90 oder 100 Prozent.

Gold spielt im Fonds mit rund zwei Prozent nur eine untergeordnete Rolle. Beck begründet dies mit einer ungewöhnlich hohen Korrelation zu Aktien: "Wenn Aktien steigen, steigt Gold überproportional stark mit, und umgekehrt." Einen klaren Grund dafür könne er nicht nennen, die Korrelation sei seit einigen Monaten enorm.

Für die Portfolio-Struktur empfiehlt Beck das klassische 60/40-Portfolio: 60 Prozent weltweit gestreute Aktien und 40 Prozent Anleihen in der Heimatwährung. Wer einen langen Anlagehorizont hat, könne auch eine 80/20-Aufteilung wählen. Wer Schwankungen nicht gut aushält, sei mit 30/70 besser bedient.

Ausblick

Beck geht davon aus, dass sich die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen wieder ändern wird. "Wir haben mittlerweile ein hohes Zinsniveau, damit haben Anleihen andere Eigenschaften als in Niedrigzinsphasen." Die jüngere Vergangenheit habe zwar gezeigt, dass Aktien und Anleihen immer wieder im Gleichschritt laufen – doch Beck erwartet eine Rückkehr zu den klassischen Diversifikationseigenschaften.

Rohstoffe hält Beck für Privatanleger praktisch kaum umsetzbar. Das Problem: Die meisten Rohstoffe wie Öl können Privatanleger nicht direkt kaufen. Terminkontrakte seien teuer und führten auf Dauer oft zu Verlusten. Auch das Absichern von Portfolios gegen Risiken hält Beck für die falsche Strategie: "Absichern kostet Geld und ist auf lange Sicht meist die falsche Entscheidung." Seine Empfehlung: Anleger sollten sich stoisch an ihre strategische Aktienquote halten.

Kurz erklärt

  • Umlaufrendite: Die durchschnittliche Verzinsung, die ein Anleger mit Anleihen einer bestimmten Laufzeit erzielt, wenn er sie zum aktuellen Kurs kauft und bis zur Endfälligkeit hält.
  • Kupon: Der festgelegte Zinssatz einer Anleihe, den der Emittent jährlich an den Anleihegläubiger auszahlt, bezogen auf den Nennwert.
  • Antizyklische Steuerung: Eine Anlagestrategie, bei der die Aktienquote in fallenden Märkten erhöht und in steigenden Märkten gesenkt wird, um von Kursschwankungen zu profitieren.
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