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Griechenland wirbt um Rückkehr seiner abgewanderten Fachkräfte

Nach dem Braindrain der Schuldenkrise lockt Athen Talente mit Steuererleichterungen zurück.

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Griechenland wirbt um Rückkehr seiner abgewanderten Fachkräfte

Irini Kapogianni ist Kieferorthopädin und führt heute eine eigene Praxis in Athen. Doch ihre ersten Berufserfahrungen sammelte sie in Düsseldorf. "Ich weiß noch, wie wir uns sonntags in griechischen Cafés trafen und die Nachrichten und Zeitungen lasen und uns fragten, ob wir jemals in unser Land zurückkehren könnten", erinnert sie sich. Wie Kapogianni haben vor allem während der Schuldenkrise viele Griechen ihre Heimat verlassen.

Laut Regierungsangaben gingen ab 2010 deutlich mehr als eine halbe Million Griechinnen und Griechen ins Ausland – ein "Braindrain" katastrophalen Ausmaßes für die griechische Wirtschaft. Die meisten zog es nach Deutschland, so wie Kapogianni, die ihre Karriere in Düsseldorf als Traum beschreibt, den sie nie für möglich gehalten hätte.

"Aber auf der anderen Seite fehlte mir die Wärme meines Zuhauses und meiner Familie. Das Dilemma war also groß", erzählt sie. "Ich habe viele Jahre gebraucht, um die Entscheidung zu treffen, zurückzukehren oder zu bleiben."

Wirtschaftserholung als Rückkehr-Magnet

Erleichtert hat ihr die Entscheidung, dass sich die griechische Wirtschaft erholt hat. Mittlerweile wächst sie schneller als der EU-Durchschnitt, die Arbeitslosigkeit ist gesunken. Das veränderte Bild zeigt sich in den Zahlen: 2024 kamen erstmals weniger Griechen nach Deutschland, als das Land verließen.

Julia Reinold, Expertin vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung, sieht darin ein Warnsignal für die europäische Migration insgesamt. "Die Arbeitskräfte werden natürlich auch in den Heimatländern innerhalb der EU immer mehr gebraucht, weil wir auch dort sehen, dass der demografische Wandel immer mehr Probleme auf Arbeitsmärkten verursacht", so die Expertin.

Auch für den deutschen Arbeitsmarkt dürfte die Abwanderung von Europäern zurück in ihre Heimatländer Probleme verursachen. Ende vergangenen Jahres lebten rund 350.000 Griechen in Deutschland. Das ist eine durchaus relevante Gruppe im Arbeitsmarkt, etwa in der Gastronomie, im Gesundheitswesen und in der IT.

"ReBrain Greece" – gezielte Anwerbung in Deutschland

Ihre Daten zeigten zwar, dass zuletzt die griechische Einwanderung zurückging und die Abwanderung stabil blieb, aber sie zeigten auch, "dass sehr viele Griechen darüber nachdenken oder sogar planen, Deutschland zu verlassen". Dabei spielen vor allem persönliche Vorlieben wie das Wetter oder der Lebensstil eine große Rolle. Dazu kämen die politische Lage in Deutschland, die Steuern und die Bürokratie.

Die griechische Regierung wirbt aktiv für ihre Talente. Auf Karrieremessen im Ausland spricht sie gezielt Hochqualifizierte an – unter dem Motto "ReBrain Greece". Konstantinos Agrapidas, ein hochrangiger Beamter aus dem Arbeitsministerium, spricht von Plänen, demnächst eine Veranstaltung in Deutschland zu organisieren. München habe man als Veranstaltungsort ins Auge gefasst: "Dort leben viele Griechen. Es gibt 8.500 bis 9.000 Hochqualifizierte aus den Bereichen Medizin, Informatik, Cybersicherheit und sogar aus dem verarbeitenden Gewerbe."

Um die Menschen zur Rückkehr zu bewegen, verspricht die Regierung konkrete Anreize: Rückkehrer müssen sieben Jahre lang nur die Hälfte der Einkommensteuer zahlen. Zudem sollen ausländische Abschlüsse leichter anerkannt werden. Agrapidas sieht einen Umkehrtrend: Mittlerweile seien rund zwei von drei Griechen zurückgekehrt, die seit der Krise gegangen waren.

Ökonom sieht weiterhin Probleme

Doch der Ökonom Yiorgos Ioannidis vom Zentrum für Planungs- und Wirtschaftsforschung KEPE bestreitet dieses positive Bild. Die Wirtschaft mit dem Schwerpunkt Tourismus biete weiterhin zu wenig Chancen für Hochqualifizierte; viele Rückkehrer beklagten sich über niedrige Löhne. "Fast sechs von zehn geben an, dass sie sich in einer schwierigen oder eher schwierigen finanziellen Situation befinden", so Ioannidis. Es sei keinesfalls so, dass sie zurückgekommen sind und sich in einer viel besseren Situation wiedergefunden hätten.

Auch Kieferorthopädin Kapogianni hat durch ihre Rückkehr auf Geld verzichtet. Um es Rückkehrern zu erleichtern, hat sie das Netzwerk "Back to Greece" gegründet. Rückkehrer tauschen sich aus und helfen sich gegenseitig, auf Instagram hat der Account schon mehr als 27.000 Follower. "Ich glaube, dass auch andere junge Leute aus dem Ausland zurückkommen sollten. Um unserem Land zu helfen, das seit so vielen Jahren in Schwierigkeiten steckt", sagt Kapogianni.

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