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IG Metall fordert fünf Prozent mehr Lohn für 3,7 Millionen Beschäftigte

Tarifrunde in Metall- und Elektroindustrie startet mit Forderung nach fünf Prozent mehr Entgelt.

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IG Metall fordert fünf Prozent mehr Lohn für 3,7 Millionen Beschäftigte

Die IG Metall geht mit einer klaren Forderung in die diesjährige Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie: fünf Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Nach Beratungen in den Tarifbezirken am Dienstag zeichnete sich ein breites Votum für diese Linie ab. Rund 3,7 Millionen Beschäftigte der größten deutschen Industriesparte sind von den Verhandlungen betroffen.

Neben der Entgelterhöhung will die Gewerkschaft mit den Arbeitgebern über Beschäftigungs- und Standortsicherung in den kriselnden Teilen der Branche sprechen. In wirtschaftlich erfolgreichen Betrieben soll zudem eine Gewinnbeteiligung für die Arbeitnehmer thematisiert werden. IG-Metall-Tarifchefin Nadine Boguslawski hatte zuvor betont, die wirtschaftliche Lage der einzelnen Sparten sei noch nie so unterschiedlich gewesen wie heute.

Die Details

Die Forderung von fünf Prozent mehr Entgelt bei zwölf Monaten Laufzeit wurde in den Bezirken einmütig getragen. Sechs Bezirke forderten darüber hinaus eine soziale Komponente, um die unteren Entgeltgruppen zu stärken. Das Votum der Gewerkschafter in Baden-Württemberg stand zum Zeitpunkt der Beratungen noch aus.

Der Bezirksleiter der IG Metall Nordrhein-Westfalen, Knut Giesler, begründete die Forderung mit den Belastungen der vergangenen Jahre: „Die Beschäftigten haben in den vergangenen Jahren enorme Belastungen getragen und die Transformation der Industrie aktiv mitgestaltet. Jetzt ist es an der Zeit, dass sie an den wirtschaftlichen Verbesserungen beteiligt werden." Zugleich forderte er mehr Sicherheit für Arbeitsplätze und Perspektiven für die Standorte.

Der bayerische Bezirksleiter Horst Ott verwies auf positive Wachstumsprognosen und anhaltende Preissteigerungen: „Mit unserer Forderung beweisen wir Augenmaß, stärken die Kaufkraft der Beschäftigten und setzen damit einen Wachstumsimpuls durch die Stärkung der Binnennachfrage."

Der Vorstand der IG Metall will die Tarifforderung am Mittwoch endgültig beschließen. Die ersten Verhandlungsrunden in den Bezirken sind vom 7. bis 14. Oktober geplant. Weitere Termine könnten bis Ende Oktober folgen. Die Friedenspflicht endet mit dem Auslaufen des aktuellen Tarifvertrages am 31. Oktober – danach sind Warnstreiks möglich.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 11. August 2026 berichtete aktien.news, dass die IG Metall zu bundesweiten Protestaktionen gegen den Jobabbau in der Automobilindustrie aufgerufen hatte. Die Gewerkschaft kündigte damals ganztägige Aktionen für den 21. September an, betroffen waren Standorte von Automobilherstellern, Zulieferern und Entwicklungsdienstleistern. Die IG Metall sprach von einem „beispiellosen Angriff auf die Beschäftigung" und warnte vor einem „Totalschaden der deutschen Automobilindustrie".

Am 14. September 2026 folgte ein weiterer Bericht von aktien.news: Die IG Metall rief zu Massenprotesten an mehr als 200 Orten in Deutschland auf. Unter dem Motto „Zukunft statt Kahlschlag – Zusammenhalt ist unsere stärkste Marke" sollten mehr als 100.000 Menschen auf die Straße gebracht werden. IG-Metall-Chefin Christiane Benner kritisierte einen „beispiellosen Angriff auf die Beschäftigten in der Automobilindustrie".

Bereits Anfang Juli 2026 hatte die Gewerkschaft bei Mercedes-Benz gegen einen verschärften Sparkurs protestiert. Am 4. Juli 2026 berichtete aktien.news von bundesweiten Kundgebungen der IG Metall, unter anderem an den Standorten Sindelfingen und Untertürkheim. Hintergrund war die Verschiebung einer tariflichen Sonderzahlung und die Ankündigung des Vorstands, über eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich verhandeln zu wollen.

Was das für Anleger bedeutet

Die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie betrifft nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die Unternehmen und damit die Aktionäre. Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Entgelt, während die Arbeitgeber auf sinkende Arbeitskosten pochen. Der Arbeitgeberverband Nordmetall erklärte, der Ruf nach fünf Prozent mehr Lohn sei kein geeignetes Signal, um die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland zu bremsen. Verhandlungsführerin Lena Ströbele forderte: „Der Industriestandort bei uns im Norden und auch im gesamten Land kann nur zukunftsfest gemacht werden, wenn die Arbeitskosten spürbar und nachhaltig sinken."

Südwestmetall zeigte sich „fassungslos" über die Forderung. Vorsitzender Sebastian Krause warnte, die IG Metall gefährde mit der „maßlosen Forderung" in der Krise zehntausende Arbeitsplätze.

Die Tarifverhandlungen werden von der anhaltenden Krise in großen Teilen der Branche überschattet. Die Automobilindustrie baut massiv Stellen ab, Werkschließungen drohen. Am Montag protestierten rund 175.000 Beschäftigte auf einem bundesweiten Aktionstag der IG Metall. Auch der Maschinenbau ist angeschlagen. In anderen Zweigen wie der Luft- und Raumfahrt oder der IT-Industrie ist die Lage nach Einschätzung der Gewerkschaft hingegen besser.

Für Anleger in Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie bedeutet dies: Steigende Personalkosten könnten die Margen belasten, während gleichzeitig der Druck auf die Standortsicherung zunimmt. Die unterschiedliche wirtschaftliche Lage der einzelnen Sparten sorgt für eine komplexe Verhandlungsdynamik.

Ausblick

Die IG Metall will die Tarifforderung am Mittwoch endgültig beschließen. Die ersten Verhandlungsrunden in den Bezirken sind vom 7. bis 14. Oktober geplant. Bis Ende Oktober könnte es weitere Termine geben. Die Friedenspflicht endet mit dem Auslaufen des aktuellen Tarifvertrages am 31. Oktober. Danach sind Warnstreiks möglich.

Die IG Metall geht mit einer niedrigeren Forderung in die Verhandlungen als vor zwei Jahren. Damals wurden in einer wirtschaftlich besseren Situation sieben Prozent verlangt. Herauskam ein Volumen von 5,5 Prozent Erhöhung in zwei Schritten inklusive Einmalzahlungen. Bei einer Umfrage unter Beschäftigten sprach sich fast die Hälfte für eine „moderate" Lohnerhöhung aus, ein Drittel für ein starkes Plus.

Jörg Köhlinger, Bezirksleiter und Verhandlungsführer der IG Metall Mitte, stimmte die Tarifkommissionsmitglieder in Mainz auf eine schwierige Auseinandersetzung ein. Die Arbeitgeber führten in der herausfordernden wirtschaftlichen Situation einen abgestimmten, flächendeckenden Kampf gegen tarifliche Standards. „Wir müssen uns auf eine kämpferische Runde einstellen und uns gegen massive Angriffe wehren", sagte der Verhandlungsführer für Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Thüringen.

Kurz erklärt

  • Friedenspflicht: Zeitraum während eines Tarifvertrags, in dem Arbeitskämpfe wie Streiks ausgeschlossen sind.
  • Warnstreik: Befristete, kurze Arbeitsniederlegung während laufender Tarifverhandlungen, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen.
  • Tarifbezirk: Regionale Organisationseinheit einer Gewerkschaft, die für die Tarifverhandlungen in ihrem Gebiet zuständig ist.
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