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Robotaxis übernehmen bald wichtige Jobs – wer verliert?

Selbstfahrende Taxis kommen – und bedrohen vor allem Migranten als Fahrer.

3 Min
Robotaxis übernehmen bald wichtige Jobs – wer verliert?

Die Ära der Robotaxis rückt näher. In London rollen in diesem Monat die ersten selbstfahrenden Taxis durch die Straßen, und in Wuhan (China) ist der Dienst Apollo Go von Baidu bereits seit 2022 im Einsatz. Doch während viele Verbraucher die Bequemlichkeit autonomer Fahrzeuge begrüßen, zeichnet sich eine massive gesellschaftliche Schieflage ab: Besonders Migranten und gering qualifizierte Arbeitnehmer könnten zu den großen Verlierern dieser Technologie werden.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie aus Schweden zeigt, wie wichtig der Taxijob für Neuankömmlinge ist. Mehr als 60 Prozent der schwedischen Taxifahrer wurden im Ausland geboren. Nach dem Bestehen eines schriftlichen Taxiführerscheins stieg ihr monatliches Einkommen um fast 50 Prozent. Gleichzeitig sank die Abhängigkeit von Sozialleistungen drastisch: Der Anteil der Arbeitnehmer, die staatliche Unterstützung bezogen, fiel nach der Qualifikation um 25 Prozent.

Flexibilität als entscheidender Vorteil

Taxifahren bietet Migranten nicht nur ein vergleichsweise hohes Einkommen, sondern vor allem flexible Arbeitszeiten. Viele kommen mit schlechten Sprachkenntnissen und ohne anerkannte Qualifikationen in ein neues Land. Wer als Taxifahrer arbeitet, kann sich seine Schichten selbst einteilen – ein entscheidender Vorteil gegenüber festen Jobs wie Büroreiniger oder Geschirrspüler. So bleibt Zeit zum Studieren oder für die Weiterbildung.

Ökonomen sind zwar generell skeptisch gegenüber der Annahme, dass neue Technologien ganze Berufsgruppen in die Arbeitslosigkeit treiben. Theoretisch entstehen anderswo neue Arbeitsplätze. Doch Mounir Karadja, Mitautor der schwedischen Studie, warnt: „Das ist jedoch die optimistische Sichtweise.“ Migranten hätten bereits jetzt mit höheren Arbeitslosenquoten in vielen EU-Ländern zu kämpfen.

Wuhan als warnendes Beispiel

Die konkreten Auswirkungen autonomer Fahrzeuge auf die Beschäftigung lassen sich am Beispiel der chinesischen Stadt Wuhan ablesen. Ein im April veröffentlichtes Papier chinesischer und US-amerikanischer Forscher untersuchte die Einführung von Apollo Go, dem Robotaxi-Dienst des Tech-Giganten Baidu. Nach mehr als 200.000 täglichen Beobachtungen traditioneller Taxifahrer im Jahr 2024 stellten die Forscher fest, dass deren durchschnittliches Tageseinkommen nach der Einführung der Robotaxis um 11 Prozent sank. Die Fahrer arbeiteten länger, wurden gestresster und unglücklicher und begannen, nach neuen Jobs zu suchen.

Die Technologie ist zudem noch nicht ausgereift. Im April dieses Jahres brachte ein massiver Ausfall in Wuhan mindestens 100 fahrerlose Autos mitten auf der Straße zum abrupten Halt. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich fünf Monate zuvor in San Francisco, als ein Stromausfall die selbstfahrenden Taxis in der gesamten Stadt lahmlegte.

Auch Lkw-Fahrer in Gefahr

Nicht nur Taxifahrer sind betroffen. In den USA sind weiße Männer ohne Hochschulabschluss, die einen Großteil der Lkw-Fahrer stellen, stark durch autonome Lastwagen gefährdet, die bereits in Texas getestet werden. Modellierungen anderer Forscher deuten darauf hin, dass Robotaxis langfristig bis zu 76 Prozent der Frontline-Fahrjobs eliminieren könnten.

Es gibt jedoch auch positive Nachrichten. Fahrerlose Autos müssen gereinigt, gewartet und umpositioniert werden. In Nashville (USA) hat Lyft begonnen, Waymo-Robotaxi-Fahrten über seine App anzubieten. Berichten zufolge sind die Hälfte der 72 Mitarbeiter in einem Lyft-Betriebsdepot ehemalige Fahrer. Diese neuen Jobs bieten Stabilität und potenziell mehr Geld.

Städte erwägen Sondersteuern

Dennoch warnen Experten davor, die Risiken zu unterschätzen. Robotaxis könnten eine weit größere Anzahl von Arbeitsplätzen eliminieren, die einen höherwertigen Beitrag leisten, als allgemein angenommen wird. Einige US-Städte erwägen bereits, Betreiber fahrerloser Fahrzeuge zu besteuern und die Einnahmen zu nutzen, um Taxifahrern bei der Umschulung für neue Jobs zu helfen. Das ist ein guter Anfang, doch viele weitere Behörden müssen folgen, um die sozialen Verwerfungen abzufedern, die mit der Einführung autonomer Fahrzeuge einhergehen.

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