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Goolsbee lehnt Zinssenkungen zur Finanzierung der US-Staatsschulden ab

Chicago-Fed-Präsident warnt vor Monetarisierung der Schulden und verteidigt Unabhängigkeit der Notenbank.

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Goolsbee lehnt Zinssenkungen zur Finanzierung der US-Staatsschulden ab

Der Präsident der Federal Reserve Bank von Chicago, Austan Goolsbee, hat sich klar gegen Überlegungen ausgesprochen, die US-Notenbank solle die Zinssätze senken, um der Regierung die Finanzierung ihrer Schulden und Defizite zu erleichtern. Bei einer Veranstaltung in London betonte Goolsbee, genau solche Forderungen seien der Grund, warum die Zentralbank bei der Geldpolitik unabhängig bleiben müsse.

Die Fiskalpolitik und die Höhe der Defizite bezeichnete Goolsbee als „Hintergrundwetter" für die Fed. Sie seien nur insoweit relevant, als sie die Inflation beeinflussten, ansonsten aber eine Angelegenheit gewählter Beamter. Die Aussagen fallen in eine Zeit, in der die langfristigen Renditen für US-Staatsanleihen gestiegen sind, was die Finanzierungskosten für die jährlichen Defizite erhöht. Diese liegen weiterhin bei rund sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Die Details

Goolsbee stellte die provokante Frage: „Sollte die Fed versuchen, die Zinssätze zu senken, um das Defizit zu verringern oder die Verschuldung kostengünstiger zu gestalten?" Seine Antwort fiel eindeutig aus: „Wir sollten dabei etwas vorsichtig sein. … Denn ich denke, das ist das kanonische Argument" für die Unabhängigkeit der Zentralbank. Er sprach dabei explizit das Konzept der „Monetarisierung der Schulden" an.

„Das ist das Argument der ‚Monetarisierung der Schulden'. Man sagt: Versuchen wir, die Zinssätze künstlich niedrig zu halten, weil die Schulden immer größer werden", erläuterte Goolsbee. Die meisten Ökonomen gehen davon aus, dass eine solche Politik zu höherer Inflation führen und wahrscheinlich nach hinten losgehen würde. Die marktbasierten Kreditzinsen würden sich aufgrund steigender Inflationserwartungen nach oben korrigieren.

Der frühere US-Präsident Donald Trump hatte angedeutet, die Fed solle ihren Leitzins auf rund ein Prozent senken. Das läge deutlich unter dem aktuellen Bereich von 3,75 bis 4,00 Prozent. Trump argumentierte, ein niedrigerer Zins würde den Status der USA als vertrauenswürdigster Kreditnehmer der Welt widerspiegeln.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 15. August 2026 berichtete aktien.news, dass Goolsbee positive Signale zur Inflationsentwicklung in den USA gesehen hatte. Er zeigte sich damals hoffnungsvoll, dass die Inflation weiter sinken könne, knüpfte dies jedoch an die Bedingung, dass die Auswirkungen von Zöllen und höheren Ölpreisen infolge des Iran-Krieges nachlassen müssten.

Am 9. Mai 2026 hatte Goolsbee in einem Interview mit Bloomberg Television klargestellt, dass die Fed weiterhin alle geldpolitischen Optionen offenhält. Sowohl Zinssenkungen als auch Zinserhöhungen stünden demnach zur Debatte. Die Fed hatte die Zinssätze bei ihrer Sitzung Ende April unverändert gelassen.

Im Februar 2026 rechnete Goolsbee noch mit mehreren Zinssenkungen im laufenden Jahr sowie im Jahr 2026. Er bezeichnete sich damals als einen der optimistischeren Währungshüter innerhalb der Fed, mahnte aber gleichzeitig zur Geduld und Vorsicht. Voraussetzung für weitere Schritte sei, dass die Fed eindeutige Belege für eine Rückkehr der Inflation auf das Ziel von zwei Prozent vorliegen habe.

Erst am 12. August 2026 hatte Goolsbee die Inflation als das größte wirtschaftliche Problem der USA bezeichnet. In einem vom Magazin Wired veröffentlichten Video erklärte er: „Das größte Problem, vor dem unsere Wirtschaft derzeit steht, ist nicht der Zusammenbruch der Industrie oder der Wegfall von Arbeitsplätzen; es ist die Tatsache, dass die Preise zu schnell gestiegen sind. Wir haben ein Inflationsproblem, und die Menschen hassen Inflation."

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die klare Haltung Goolsbees ein wichtiges Signal. Die Fed zeigt sich entschlossen, ihre geldpolitische Unabhängigkeit zu wahren und nicht der Versuchung einer Schuldenmonetarisierung zu erliegen. Dies dürfte langfristig die Glaubwürdigkeit der Notenbank im Kampf gegen die Inflation stärken.

Die gestiegenen Renditen für US-Staatsanleihen bedeuten höhere Zinserträge für Anleger, die in amerikanische Staatsanleihen investieren. Gleichzeitig erhöhen sie aber auch die Finanzierungskosten für die US-Regierung, was angesichts der hohen Defizite von rund sechs Prozent des BIP eine Belastung darstellt.

Anleger sollten die Inflationsentwicklung in den USA weiterhin genau beobachten. Goolsbees Aussagen deuten darauf hin, dass die Fed Zinssenkungen nicht leichtfertig vornehmen wird, solange die Inflation nicht nachhaltig zurückgeht.

Ausblick

Die weitere Entwicklung hängt maßgeblich von den Inflationsdaten ab. Goolsbee hatte zuletzt im August 2026 eine Verbesserung bei den Inflationszahlen gesehen, diese aber an Bedingungen geknüpft. Die Fed hält sich weiterhin alle geldpolitischen Optionen offen. Die nächsten Zinsentscheidungen werden maßgeblich davon abhängen, ob sich die Inflation tatsächlich in Richtung des Zwei-Prozent-Ziels bewegt und ob externe Faktoren wie Zölle und Ölpreise sich beruhigen.

Kurz erklärt

  • Monetarisierung der Schulden: Eine Praxis, bei der die Zentralbank Staatsanleihen kauft und damit die Geldmenge erhöht, um die Finanzierungskosten des Staates zu senken.

  • Leitzins: Der von der Zentralbank festgelegte Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken Geld leihen können und der die Richtung für die gesamten Zinsen in der Volkswirtschaft vorgibt.

  • Fiskalpolitik: Die Gesamtheit der staatlichen Maßnahmen zur Beeinflussung der Konjunktur durch Einnahmen und Ausgaben des Staates, etwa durch Steuern und Staatsausgaben.

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