Gold-Crash und Warsh-Nominierung erschüttern globale Finanzmärkte
Edelmetalle brechen historisch ein, DAX unter Druck – Fed-Nominierung löst Verkaufswelle aus

Die Finanzmärkte erlebten am Montag außergewöhnliche Turbulenzen. Gold stürzte um 10 Prozent ab – der stärkste Tagesrückgang seit 1983. Silber verlor zeitweise bis zu 30 Prozent, Platin bis zu 20 Prozent. Der DAX startete schwach in die Woche, konnte sich aber im Tagesverlauf stabilisieren und legte am Nachmittag 0,9 Prozent auf 24.760 Punkte zu.
Auslöser der Verkaufswelle war die überraschende Nominierung von Kevin Warsh zum künftigen Fed-Chef durch US-Präsident Donald Trump. Warsh gilt als geldpolitischer "Falke", der für eine restriktivere Zinspolitik steht. Die Nachricht erschütterte die Marktstimmung, da Investoren zuvor auf eine anhaltend expansive Geldpolitik gesetzt hatten. Der Dollar gewann leicht an Wert, US-Staatsanleiherenditen stiegen.
Gold fiel auf 4.402 Dollar je Feinunze – den tiefsten Stand seit vier Wochen. Zuvor hatte das Edelmetall bei 5.595 Dollar ein Allzeithoch markiert. Silber sackte auf 71,38 Dollar ab, nachdem es erst kürzlich bei 121,65 Dollar ein Rekordhoch erreicht hatte. Die Spekulationswelle hatte Silber allein in den ersten vier Januarwochen um 70 Prozent nach oben getrieben.
Margin-Erhöhung verschärft Abwärtsspirale
Die Rohstoffbörse CME Group erhöhte am Montag die Margin-Anforderungen für Edelmetall-Futures. Dies zwang gehebelte Investoren, Positionen aufzulösen, um Nachschusspflichten zu erfüllen. Brian Jacobsen von Annex Wealth Management sprach von einem "perfekten Sturm". Ein IG-Analyst verglich das Ausmaß mit den "dunklen Tagen der Finanzkrise 2008".
Jochen Stanzl von der Consorsbank erklärte die Schwäche am deutschen Aktienmarkt mit automatischen technischen Verkäufen. Der Edelmetall-Crash habe einen Dominoeffekt auf andere Vermögenswerte ausgelöst. Der MSCI All-World Index fiel den dritten Tag in Folge, der VIX-Volatilitätsindex kletterte auf 18,59 – nahe einem Zwei-Wochen-Hoch.
US-Technologiewerte wie Nvidia und Tesla verzeichneten im vorbörslichen Handel Verluste. Auch Energieaktien wie Exxon Mobil und Chevron gaben nach, nachdem Trump Signale zur Deeskalation im Iran-Konflikt sendete. Die Ölpreise sanken daraufhin um fast 5 Prozent. Kupfer verlor an der London Metal Exchange 3 Prozent.
Langfristige Aussichten bleiben positiv
Trotz der dramatischen Entwicklung sehen Experten die fundamentalen Treiber für Edelmetalle intakt. Die Deutsche Bank bekräftigte ihr Jahresziel für Gold bei 6.000 Dollar. Als Argumente führen die Rohstoffexperten geopolitische Unsicherheiten und die starke chinesische Nachfrage an. Analysten von Heraeus bewerteten die Korrektur als primär technisch bedingt.
Einige Beobachter bezweifeln zudem, dass die Fed ihre Bilanz tatsächlich stark reduzieren kann. Ein aktuelles Fed-Papier verweist auf ein "Bilanz-Trilemma": Die Zentralbank kann maximal zwei von drei Zielen gleichzeitig erreichen – eine kleine Bilanz, geringe Volatilität bei kurzfristigen Zinsen oder begrenzte Marktintervention. Ende 2019 hatte die Fed ihre quantitative Straffung bereits vorzeitig beenden müssen.
Investoren blicken nun auf eine ereignisreiche Woche mit wichtigen Wirtschaftsdaten. Am Freitag stehen die US-Arbeitsmarktdaten (Nonfarm Payrolls) an, zudem werden PMI-Zahlen und weitere Quartalszahlen aus dem Technologiesektor erwartet.
