Fed-Bilanz im Fokus: Warsh will Schrumpfung statt Expansion
Trumps Fed-Kandidat Kevin Warsh fordert Abbau der 6,5 Billionen Dollar Bilanz zur Inflationsbekämpfung.

Die Federal Reserve steht vor einem möglichen Kurswechsel. Kevin Warsh, Präsident Trumps Kandidat für die Fed-Führung, will die aufgeblähte Bilanz der US-Notenbank deutlich reduzieren. Die Bilanzsumme beläuft sich aktuell auf über 6,5 Billionen Dollar – ein Ergebnis jahrelanger Anleihekäufe.
Die Fed hatte während der Finanzkrise 2008 begonnen, massiv Hypothekenanleihen und US-Staatsanleihen zu kaufen. Ziel war es, die langfristigen Kreditkosten zu senken und die Wirtschaft zu stabilisieren. Während der Covid-19-Pandemie kehrte die Notenbank zu dieser Strategie zurück, was 2021 zu einem Boom an der Wall Street führte.
Warsh, der bereits während der Finanzkrise 2008 als Fed-Gouverneur tätig war, unterstützte damals die erste Runde der quantitativen Lockerung. Doch bereits 2010 warnte er vor den Risiken einer fortgesetzten Bilanzausweitung. Diese sei "keine kostenlose Option" und mit "erheblichen Risiken" verbunden.
Bilanzabbau als Inflationsbremse
Heute bezeichnet Warsh die Fed-Bilanz als "aufgebläht" und sieht in ihrer Ausweitung einen Haupttreiber der Inflation. Von den 6,5 Billionen Dollar Bilanzsumme entfallen etwa 3 Billionen Dollar auf Reserven – im Wesentlichen Einlagen der Banken bei der Fed.
Seine zentrale These: Eine Schrumpfung der Bilanz könnte niedrigere Zinssätze ermöglichen. Dieser Ansatz steht im Kontrast zur bisherigen Fed-Politik und könnte weitreichende Folgen für die Finanzmärkte haben. Die Wall Street, die jahrelang von der lockeren Geldpolitik profitierte, müsste sich auf veränderte Rahmenbedingungen einstellen.
Für deutsche Anleger ist diese Entwicklung von besonderer Bedeutung. Eine restriktivere Fed-Politik könnte den Dollar stärken und die Attraktivität US-amerikanischer Anlagen beeinflussen. Zugleich würde ein Bilanzabbau die globalen Liquiditätsbedingungen verändern.
