Pfund stabil vor BoE-Sitzung: Gold-Crash und Fed-Personalie belasten Märkte
Britisches Pfund nahe Mehrjahreshoch, während Edelmetalle massiv einbrechen und Warsh-Nominierung Unsicherheit schafft.

Das britische Pfund Sterling zeigte sich am Montag weitgehend stabil und notierte bei 1,3696 US-Dollar, nachdem es in der Vorwoche mit 1,3867 Dollar den höchsten Stand seit September 2021 erreicht hatte. Die Märkte richten ihren Fokus nun auf die geldpolitische Entscheidung der Bank of England (BoE) am Donnerstag.
Ökonomen erwarten laut einer Reuters-Umfrage, dass die britische Notenbank ihren Leitzins bei 3,75 Prozent belassen wird. Die Wirtschaftsdaten zeigen sich robust, während die Inflation unter den G7-Staaten weiterhin am höchsten liegt. Mohamad Al-Saraf von der Danske Bank rechnet mit einer "langweiligen BoE-Sitzung" ohne größere Marktreaktionen. Der S&P Global Manufacturing PMI stieg zuletzt auf den höchsten Stand seit August 2024, was die optimistische Einschätzung stützt.
Geldmarkt-Händler preisen derzeit nur eine einzige Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte für das gesamte Jahr 2026 ein. Dies unterstreicht die Erwartung, dass die BoE ihren restriktiven Kurs vorerst beibehält.
Gold-Crash setzt sich fort
Ein dramatischer Einbruch bei Edelmetallen überschattete die Marktstimmung am Montag. Spotgold fiel um 4,9 Prozent auf 4.626,80 Dollar pro Unze und rutschte damit deutlich unter die psychologisch wichtige Marke von 5.000 Dollar. Silber stabilisierte sich nahe 79 Dollar pro Unze, nachdem beide Metalle bereits am Freitag massive Verluste verzeichnet hatten.
Analysten führen den Rückgang auf mehrere Faktoren zurück: einen festeren US-Dollar, Gewinnmitnahmen nach der jüngsten Rally und erhöhte Margin-Anforderungen der CME Group für Gold- und Silberfutures. Michael Hsueh von der Deutschen Bank interpretiert den Einbruch eher als "Positionsstress" denn als fundamentale Trendwende. Barclays hält die Korrektur für "berechtigt", da Gold "technisch überdehnt" gewesen sei, erwartet aber Unterstützung durch Zentralbankkäufe und anhaltende politische Unsicherheit.
UBS bezeichnete den Einbruch als "Volatilität innerhalb eines fortlaufenden strukturellen Aufwärtstrends" und prognostiziert nach einer Konsolidierungsphase ein mittelfristiges Kursziel von 6.200 Dollar pro Unze.
Fed-Personalie Warsh sorgt für Unsicherheit
Die erwartete Nominierung von Kevin Warsh als neuer Fed-Vorsitzender durch US-Präsident Donald Trump bewegt die Märkte. Ökonomen von Barclays und Morgan Stanley gehen jedoch davon aus, dass dies die US-Geldpolitik in diesem Jahr nicht wesentlich verändern wird. Marc Giannoni von Barclays argumentiert, dass die Kombination aus "widerstandsfähiger Wirtschaft, erhöhter Inflation und einem gespaltenen FOMC" nur "begrenzten Spielraum für Lockerungen" lasse.
Barclays rechnet mit einer Bestätigung Warshs bis zum 15. Mai, erwartet aber weiterhin zwei Zinssenkungen in diesem Jahr im Juni und Dezember. Seth Carpenter von Morgan Stanley teilt diese Einschätzung und betont, dass das Federal Open Market Committee den Zinspfad bestimmen werde, nicht der Vorsitzende allein.
Die US-Aktienmärkte zeigten sich schwächer: Dow-Futures fielen um 0,7 Prozent, S&P 500-Futures um 0,9 Prozent und Nasdaq 100-Futures um 1,1 Prozent. Auch Bitcoin geriet unter Druck und rutschte unter die Marke von 80.000 Dollar, da Anleger befürchten, Warsh könnte eine straffere Geldpolitik befürworten.
Arbeitsmarktdaten und Quartalsberichte im Fokus
Investoren blicken gespannt auf den monatlichen Arbeitsmarktbericht am Freitag. Ökonomen erwarten einen Anstieg der außerlandwirtschaftlichen Beschäftigten um 67.000, während die Arbeitslosenquote voraussichtlich bei 4,4 Prozent verharrt. Die Widerstandsfähigkeit des Arbeitsmarktes gilt als entscheidend für die künftige Zinspolitik der Fed.
In den kommenden Tagen stehen wichtige Quartalsberichte an: Alphabet berichtet am Mittwoch, gefolgt von Amazon am Donnerstag, wobei die Entwicklungen im KI- und Cloud-Bereich im Fokus stehen. Auch Eli Lilly wird am Mittwoch Zahlen vorlegen, wobei die hohe Nachfrage nach Medikamenten gegen Fettleibigkeit wie Tirzepatid im Mittelpunkt steht. Oracle kündigte Pläne an, bis 2026 frische Mittel in Höhe von 45 bis 50 Milliarden Dollar für den Ausbau der KI- und Cloud-Infrastruktur aufzunehmen.
