EZB-Sitzung: Zinsen stabil trotz Euro-Stärke und Trump-Unsicherheit
Europäische Zentralbank hält Leitzins bei 2 Prozent - Währungshüter beobachten Euro-Dollar-Kurs aufmerksam

Die Europäische Zentralbank (EZB) trifft sich am Donnerstag zu ihrer geldpolitischen Sitzung. Experten erwarten, dass der Leitzins zum fünften Mal in Folge bei 2 Prozent verharren wird. Die Währungshüter zeigen sich erleichtert über die Entspannung im Handelskonflikt mit den USA, bleiben aber wachsam angesichts anhaltender Unsicherheiten.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde wird voraussichtlich an ihrem datenabhängigen Ansatz festhalten. "Diese drei Punkte sind keine bloße Formalität – sie sind wichtig, weil die Welt Unsicherheiten und geopolitischen Schocks ausgesetzt ist", erklärt Reinhard Cluse, Chefvolkswirt Europa bei der UBS. Die Entscheidungsträger verzichten bewusst darauf, sich auf einen bestimmten Zinspfad festzulegen.
Euro-Stärke im Fokus der Notenbanker
Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Euro-Dollar-Kurs. Die europäische Gemeinschaftswährung überschritt vergangene Woche kurzzeitig die Marke von 1,20 Dollar und erreichte damit den höchsten Stand seit 2021. Obwohl sich der Kurs inzwischen wieder abgeschwächt hat, liegt er in den letzten zwei Wochen noch immer mehr als 2 Prozent im Plus.
"Die Sache mit Grönland hat eines bewirkt: Der Euro ist viel höher", konstatiert Christian Schulz, Chefvolkswirt bei Allianz Global Investors. Die Währungshüter äußern Bedenken hinsichtlich der Euro-Stärke, da eine anhaltende Aufwertung die Inflation weiter drücken könnte. Die Teuerungsrate wird in diesem und im nächsten Jahr voraussichtlich unter dem Zielwert von 2 Prozent liegen.
Handelspolitische Risiken bleiben bestehen
Die Drohung von US-Präsident Donald Trump, neue Zölle gegen europäische Volkswirtschaften zu verhängen, hat sich zunächst nicht materialisiert. Dennoch bleibt die von Trump ausgelöste Unsicherheit ein Belastungsfaktor für die Konjunkturaussichten. Hätte Trump Zölle gegen Europa durchgesetzt, hätte dies das Wachstum beeinträchtigt und die Inflation leicht erhöht.
Längerfristig stellt der Grad der Unsicherheit durch Trumps Kehrtwenden in der Handelspolitik das größere Risiko dar. Diese Unwägbarkeiten könnten das Wirtschaftswachstum in der Eurozone dämpfen, so Lagarde. Die EZB wird am Donnerstag voraussichtlich einige dieser Risiken bewerten, die den Wirtschaftsprognosen entgegenstehen.
Zinssenkung vorerst unwahrscheinlich
Händler spekulierten vergangene Woche, dass die Sorgen um einen stärkeren Euro eine Zinssenkung wahrscheinlicher machen könnten. Diese Wetten sind jedoch zurückgegangen, da der Euro wieder nachgegeben hat. Die Märkte sehen nun nur noch eine Wahrscheinlichkeit von etwa 15 Prozent für eine EZB-Senkung bis zum Sommer.
Ökonomen betonen, dass für die EZB die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Währungsbewegungen wichtiger seien als absolute Niveaus. Ross Hutchison, Leiter der Marktstrategie für die Eurozone bei der Zurich Insurance Group, erklärt: Es bedürfe schnellerer Bewegungen über 1,25 Dollar hinaus, um eine signifikante Herabstufung der EZB-Inflationsprognosen auszulösen.
Zudem beobachten Anleger, wie die EZB den Anstieg der Öl- und europäischen Erdgaspreise seit Jahresbeginn bewertet. Diese Entwicklung könnte den Abwärtsdruck auf die Verbraucherpreise verringern. Die Wirtschaft der Eurozone zeigt sich derzeit widerstandsfähiger als in den vergangenen Monaten, was der EZB zusätzlichen Spielraum verschafft.
