Frankreichs Schuldenberg erreicht 2026 fast 120 Prozent des BIP
Die Staatsverschuldung Frankreichs steigt auf Rekordniveau – fast 120 Prozent des BIP bis 2026.

Die Staatsverschuldung Frankreichs wird im Jahr 2026 voraussichtlich einen neuen Rekordwert von 119,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erreichen. Das gab das französische Finanzministerium am Samstag bekannt. Für das Jahr 2027 wird sogar ein Schuldenstand von 121,7 Prozent des BIP prognostiziert. Die Zahlen sind die bislang deutlichste Indikation für die sich rapide verschlechternde Haushaltslage der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone.
Die Prognose wurde in einer Stellungnahme an den Hohen Rat der öffentlichen Finanzen abgegeben. Dieses Gremium ist mit der Bewertung der Einnahmen- und Ausgabenprognosen in den Haushaltsvorlagen der Regierung beauftragt. Zum Vergleich: Im Jahr 2025 lag die Schuldenquote Frankreichs laut Regierungsdaten noch bei 115,7 Prozent. Vor der Corona-Pandemie, im Jahr 2019, hatte sie noch unter der Marke von 100 Prozent gelegen.
Defizit bleibt hoch – Sparpaket geplant
Das Finanzministerium rechnet zudem damit, das Haushaltsjahr mit einem Defizit von 5,4 Prozent abzuschließen. Premierminister Sebastien Lecornu zeigte sich am Donnerstag zuversichtlich, dass das Defizit 2026 deutlich unter 5,5 Prozent liegen werde. Um die Lage in den Griff zu bekommen, hat Lecornu ein ehrgeiziges Sparprogramm angekündigt. In seinem Haushalt für 2027 soll eine Sparinitiative über 54 Milliarden Euro (rund 62 Milliarden US-Dollar) verankert werden.
Der Premierminister steht jedoch vor einer enormen Herausforderung. Er muss die Sparmaßnahmen durch ein tief gespaltenes Parlament bringen. Gleichzeitig steigt der Druck der Wähler angesichts der steigenden Lebenshaltungskosten. Die politische Durchsetzbarkeit der geplanten Kürzungen gilt als äußerst unsicher.
Investoren werden nervös
Die angespannte Finanzlage Frankreichs spiegelt sich auch an den Kapitalmärkten wider. Die Risikoprämie, die Frankreich im Vergleich zu Deutschland für Staatsanleihen zahlen muss, stieg am Freitag erstmals seit der Euro-Zonen-Schuldenkrise auf mehr als einen ganzen Prozentpunkt. Dies unterstreicht die wachsende Unruhe der Investoren angesichts der fiskalischen Herausforderungen des Landes.
Besonders brisant ist die Entwicklung vor dem Hintergrund der anstehenden Wahlen im kommenden Jahr. Die hohe Verschuldung und das anhaltende Defizit könnten Frankreichs Handlungsspielraum in der Wirtschaftspolitik erheblich einschränken. Für Anleger an den europäischen Anleihemärkten bleibt die Entwicklung der französischen Staatsfinanzen ein zentraler Risikofaktor.
