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Fed-New-York-Chef Williams hält weiteren Zinsschritt bis Jahresende für plausibel

Der Präsident der New Yorker Fed verweist auf die Anlegerstimmung – und folgt damit dem Kommunikationskurs von Notenbankchef Kevin Warsh.

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Fed-New-York-Chef Williams hält weiteren Zinsschritt bis Jahresende für plausibel

Ein weiterer Zinsschritt der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) bis zum Jahresende ist nach Einschätzung von John Williams „plausibel". Der Präsident der Federal Reserve Bank of New York sagte am Donnerstag, die Stimmung unter den Anlegern deute darauf hin, dass „ein weiterer Zinsanstieg bis zum Ende des Jahres wahrscheinlich angemessen sein könnte". Williams äußerte sich auf dem London Macro Policy Forum.

Mit dieser Formulierung stellt sich der Chef der New Yorker Fed hinter den Kurs von Fed-Vorsitzendem Kevin Warsh. Williams betonte, die Zeit für explizite Forward Guidance sei „vorbei". Warsh hatte zuvor erklärt, die Notenbank werde sich direkte Signale an den Markt zu ihren Absichten bei kommenden Sitzungen sparen. Für die Finanzmärkte bedeutet das einen spürbaren Bruch mit der Kommunikationspraxis der vergangenen Jahre, in denen die Fed ihre nächsten Schritte häufig vorab angekündigt hatte.

Hintergrund der Debatte ist die jüngste Zinsentscheidung: Die Federal Reserve hatte ihren Leitzins zu Beginn dieses Monats um einen Viertel Prozentpunkt erhöht. Der Zielbereich für die Overnight-Funds-Rate wurde dadurch auf 3,75% bis 4% angehoben. Aktuelle Daten deuten darauf hin, dass die US-Wirtschaft weiterhin stark ist, während die Inflation über 3% liegt.

Die Details

Williams' Aussage fiel am Donnerstag im Rahmen des London Macro Policy Forum. Der Notenbanker verwies ausdrücklich auf die Erwartungen der Anleger und leitete daraus ab, dass ein weiterer Zinsschritt bis zum Jahresende „wahrscheinlich angemessen sein könnte". Eine feste Zusage ist das nicht – die Formulierung „plausibel" lässt der Fed bewusst Spielraum nach beiden Seiten.

Der Hinweis auf das Ende der Forward Guidance ist dabei kein Nebensatz, sondern eine Richtungsentscheidung. Williams folgt damit dem Ansatz von Fed-Vorsitzendem Kevin Warsh, der erklärt hatte, die Notenbank werde sich direkte Signale an den Markt bezüglich ihrer Absichten bei kommenden Sitzungen sparen. Anleger erhalten damit weniger Vorlaufzeit, um sich auf geldpolitische Entscheidungen einzustellen.

Williams steht mit seiner Einschätzung nicht allein. Susan Collinson, Präsidentin der Bostoner Fed, warnte am Mittwoch, es bestehe „eine erhöhte Wahrscheinlichkeit", dass die Inflation „deutlich" über dem Zielwert der Federal Reserve von 2% liegen wird. Der Fed-Vorstand Michael Barr sagte am Mittwoch, „weitere politische Anpassungen seien wahrscheinlich erforderlich, um sicherzustellen, dass die Inflation zeitnah auf das Ziel sinkt".

Damit äußern sich innerhalb weniger Tage mehrere hochrangige Vertreter der US-Notenbank in dieselbe Richtung. Die Kombination aus einer starken US-Wirtschaft und einer Inflation über 3% bildet den Rahmen, in dem diese Aussagen zu lesen sind. Der Zielwert der Fed liegt unverändert bei 2%.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 15.07.2026 berichtete aktien.news, dass Williams in einer Rede vor Wirtschaftsvertretern seines Distrikts fünf Gründe genannt hatte, warum er davon ausgeht, dass die Inflation ihren Höhepunkt erreicht hat. Damals sagte er: „Es gibt ermutigende Gründe für die Erwartung, dass die Inflation ihren Höhepunkt erreicht hat und in den kommenden Quartalen leicht zurückgehen sollte." Er erwartete seinerzeit, dass die Gesamtinflation bis zum Jahresende auf etwa 3,25 Prozent sinken würde, bevor sie sich weiter in Richtung des 2-Prozent-Ziels bewegt.

Am 03.08.2026 berichtete aktien.news, dass Williams in einem exklusiven Interview mit Reuters einen Inflationsrückgang in der zweiten Jahreshälfte 2025 erwartete – verbunden mit der unmissverständlichen Klarstellung, dass die US-Notenbank bei ausbleibendem Rückgang handeln und die Zinsen anheben werde. Er verwies darauf, dass „einige der wesentlichen Treiber, die die Inflation in den letzten anderthalb Jahren in die Höhe getrieben haben, nicht mehr so stark zum Tragen kommen" würden, sofern Energiepreise und Handelszölle ihren Höhepunkt erreicht hätten und die Wirtschaft auf einem soliden Fundament bleibe.

Ebenfalls am 03.08.2026 meldete aktien.news, Williams habe in dem Reuters-Interview klargestellt, dass die Fed die Zinsen bei Bedarf weiter anheben werde, um die Inflation zurück auf den Zielwert von 2% zu bringen. Schon damals betonte er, dass die wesentlichen Inflationstreiber an Bedeutung verlieren würden – unter den genannten Voraussetzungen.

Am 17.09.2026 berichtete aktien.news über die Zinsentscheidung der Fed: Kevin Warsh setzte als neuer Fed-Vorsitzender ein starkes Signal, das zinsfestlegende Gremium erhöhte den Leitzins um einen Viertelpunkt auf ein Band von 3,75 bis vier Prozent. Es war die erste Zinserhöhung seit Juli 2023, als die Fed verspätet auf den Inflationsanstieg von 2021 reagierte. Die Entscheidung fiel einstimmig. Bemerkenswert war der Zeitpunkt: Nur sieben Wochen zuvor hatte das Gremium noch gegen eine Zinserhöhung gestimmt. Von den 18 Fed-Beamten, die Prognosen einreichten, erwarten nun 16 mindestens eine weitere Viertelpunkterhöhung im Jahr 2026.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung in den USA vor allem deshalb relevant, weil der Leitzins der Federal Reserve als globaler Referenzpunkt für die Kapitalkosten gilt. Der Zielbereich für die Overnight-Funds-Rate liegt aktuell bei 3,75% bis 4%, während die Inflation über 3% liegt. Solange die US-Wirtschaft nach Einschätzung der Notenbanker weiterhin stark ist, bleibt der Spielraum für Zinssenkungen begrenzt.

Bemerkenswert ist die veränderte Kommunikationsstrategie: Wenn die Fed auf explizite Forward Guidance verzichtet, müssen Marktteilnehmer ihre Erwartungen stärker aus einzelnen Datenpunkten und aus Äußerungen wie denen von Williams, Collinson und Barr ableiten. Das kann kurzfristig für mehr Schwankungen an den Märkten sorgen, weil die Orientierung an vorab kommunizierten Signalen wegfällt.

Wer in US-Anleihen, US-Aktien oder in Dollar investiert ist, sollte die Aussagen der einzelnen Fed-Vertreter daher genau verfolgen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten – die Quellenlage erlaubt lediglich die Feststellung, dass mehrere Notenbanker weitere Schritte für möglich oder erforderlich halten.

Ausblick

Konkrete Sitzungstermine oder feste Zusagen nennt Williams nicht. Er hält einen weiteren Zinsanstieg bis zum Ende des Jahres lediglich für „plausibel" und verweist auf die Stimmung unter den Anlegern. Aus dem Archivbericht vom 17.09.2026 geht hervor, dass 16 der 18 Fed-Beamten, die Prognosen eingereicht haben, mindestens eine weitere Viertelpunkterhöhung im Jahr 2026 erwarten.

Collinson sieht eine „erhöhte Wahrscheinlichkeit", dass die Inflation „deutlich" über dem Zielwert von 2% liegen wird. Barr hält „weitere politische Anpassungen" für „wahrscheinlich erforderlich", damit die Inflation zeitnah auf das Ziel sinkt. Beide Aussagen stammen von Mittwoch und damit aus derselben Woche wie der Auftritt von Williams in London.

Kurz erklärt

  • Forward Guidance: Die Praxis einer Notenbank, den Markt vorab über ihre künftigen geldpolitischen Absichten zu informieren.
  • Leitzins (Overnight-Funds-Rate): Der Zinssatz, zu dem sich Banken in den USA über Nacht Geld leihen; die Fed steuert ihn über einen Zielbereich.
  • Inflation: Die allgemeine Teuerungsrate einer Volkswirtschaft, gemessen an der Entwicklung der Verbraucherpreise.
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