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Globale Verschuldung erreicht 365 Billionen Dollar – Ökonomen warnen vor Teufelskreis

Die weltweiten Schulden steigen im ersten Halbjahr um 10 Billionen Dollar – IIF und OECD mahnen zu fiskalischen Reformen.

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Globale Verschuldung erreicht 365 Billionen Dollar – Ökonomen warnen vor Teufelskreis

Die globale Schuldenlast hat ein neues Rekordniveau erreicht. Wie aus am Mittwoch veröffentlichten Forschungsergebnissen des Institute of International Finance (IIF) hervorgeht, stiegen die weltweiten Schulden im ersten Halbjahr um 10 Billionen Dollar auf über 365 Billionen Dollar. Ökonomen warnen angesichts dieser Entwicklung vor erheblichen Risiken für Regierungen rund um den Globus, da die Kosten zur Bedienung der wachsenden Verbindlichkeiten steigen.

Besonders die Staatsschulden geraten unter Druck. Die Renditen auf mittelfristige und langfristige Staatsanleihen einer Reihe der größten Volkswirtschaften der Welt erreichten ihre höchsten Werte seit mehr als einem Jahrzehnt – darunter in den USA, Japan, Frankreich und dem Vereinigten Königreich. Die steigenden Renditen spiegeln nach Einschätzung der Experten das wachsende Unbehagen der Anleger gegenüber steigenden Zinssätzen, anhaltendem Druck durch Energiekosten, schwachem Wirtschaftswachstum und hohen fiskalischen Ausgaben wider.

Das IIF hob in seinem Bericht insbesondere vier große Volkswirtschaften hervor, die mit „anhaltend hohen Defiziten und steigenden Zinsaufwendungen" konfrontiert sind. Bemerkenswert ist dabei, dass diese Herausforderungen lange Zeit vor allem mit schuldengeschwächten Schwellenländern in Verbindung gebracht wurden. Nun sehen sich auch führende Industrienationen mit ähnlichen strukturellen Problemen konfrontiert.

Zinslast übertrifft Zukunftsinvestitionen

Ein zentraler Befund der in Washington ansässigen Organisation verdeutlicht die Tragweite der Entwicklung: Fortgeschrittene Volkswirtschaften zahlten im vergangenen Jahr über 3,3 Billionen Dollar an Zinsen für international gehandelte Staatsanleihen. Damit übertraf die Zinslast die weltweiten Ausgaben für künstliche Intelligenz (2,6 Billionen Dollar), Verteidigung (3,1 Billionen Dollar) sowie saubere Energie (2,3 Billionen Dollar). Die Bedienung der Altschulden bindet somit mehr Mittel als zentrale Zukunftsfelder der globalen Wirtschaft.

Das IIF warnt in diesem Zusammenhang vor einer politischen Dimension des Schuldenproblems. Es entstehe ein „Teufelskreis zwischen Wahlen und kurzfristigen Quick-Fixes sowie eine langfristige Verwundbarkeit, während der Grenznutzen höherer Schulden abnimmt", so die Organisation. Die wachsende Verschuldung werde damit zunehmend zu einem politischen Thema, das kurzfristiges Handeln begünstigt, aber langfristige Risiken vergrößert.

Auch die in Paris ansässige Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schlug in ihrem am Mittwoch veröffentlichten wirtschaftlichen Ausblick Alarm. Die steigenden Anleiherenditen zeigten die Notwendigkeit größerer Bemühungen, „die staatlichen Ausgaben zu begrenzen und umzuschichten, die Effizienz des öffentlichen Sektors zu verbessern und die Einnahmen zu stärken". Reformen seien erforderlich, um die langfristige Tragfähigkeit der Schulden sicherzustellen und sicherzustellen, dass Regierungen auf zukünftige Schocks reagieren können.

IWF-Chefin kritisiert mangelndes Handeln

Kristalina Georgieva, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), äußerte sich gegenüber der BBC in einem Interview dieser Woche deutlich. Schocks in der Weltwirtschaft trieben die Schuldenstände „wie eine Treppe nicht zum Himmel, sondern nach oben", sagte sie. Zugleich kritisierte sie die mangelnden Regierungsmaßnahmen gegen diese Entwicklung.

Für deutsche Anleger ist die Warnung der internationalen Institutionen von unmittelbarer Relevanz. Staatsanleihen gelten traditionell als sicherer Hafen in unsicheren Marktphasen. Steigende Renditen mögen zwar höhere Erträge versprechen, gehen aber zugleich mit fallenden Anleihekursen und wachsenden Refinanzierungskosten für die Emittenten einher. Die Kombination aus hohen Defiziten, steigender Zinslast und schwachem Wachstum könnte den Spielraum der Regierungen für künftige Konjunkturprogramme spürbar einschränken.

Die Empfehlungen von IIF und OECD deuten in dieselbe Richtung: Ohne strukturelle Reformen bei Ausgaben und Einnahmen droht die Schuldendynamik weiter an Fahrt aufzunehmen. Ob die Regierungen rechtzeitig gegensteuern, dürfte in den kommenden Monaten zu einer der zentralen Fragen an den internationalen Finanzmärkten werden.

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