Fed-Zinserhöhung: Was steigende Zinsen für amerikanische Rentner bedeuten
Die erste Zinserhöhung der Fed seit drei Jahren ist schlecht für Kreditnehmer, aber gut für Rentner mit festverzinslichen Anlagen.

Die US-Notenbank Federal Reserve hat die Zinsen erstmals seit drei Jahren angehoben. Für Kreditnehmer sind das schlechte Nachrichten. Für Rentner, die ihre Ausgaben aus den Erträgen ihrer Spareinlagen und Anleihebestände bestreiten, stellt der Schritt dagegen eine gute Nachricht dar. Der Grund: Höhere Zinsen verbessern die Erträge festverzinslicher Anlagen, auf die viele Ruheständler angewiesen sind.
"Rentner sollten über steigende Zinsen jubeln", sagte Warren Pierson, Co-CIO von Baird Advisors und festverzinslicher Portfolio-Manager bei Baird Funds. Der Experte für festverzinsliche Anlagen unterstreicht damit, dass der Zinsschritt der Notenbank für diese Anlegergruppe eine positive Entwicklung ist. Besonders relevant ist das für ältere Amerikaner, die von einem festen Einkommen leben und auf regelmäßige Erträge aus ihrem Ersparten angewiesen sind.
Für Menschen im Ruhestand, die ihr Vermögen vor allem in Spareinlagen und Anleihen halten, verändert sich damit die Einkommenssituation. Steigende Zinsen führen in der Regel dazu, dass neu angelegtes Geld höhere Renditen abwirft als zuvor. Wer sein Kapital in festverzinslichen Wertpapieren parkt, kann dadurch im Laufe der Zeit höhere laufende Erträge erzielen.
Die Kehrseite der Zinswende
Zugleich gilt es, einen wichtigen Zusammenhang zu beachten: Bereits gehaltene Anleihen mit niedrigerem Kupon verlieren an Attraktivität, wenn am Markt höhere Zinsen gezahlt werden. Anleger, die ihre Papiere vor Fälligkeit verkaufen wollen, müssen unter Umständen Abschläge hinnehmen. Wer die Anleihen dagegen bis zur Endfälligkeit hält, erhält weiterhin die ursprünglich vereinbarten Zinsen. Die Rechnung geht also vor allem für jene Sparer auf, die ihr Kapital neu investieren können oder auf kurzfristige Einlagen setzen.
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung an den US-Märkten von Bedeutung, weil die Federal Reserve als globale Leitnotenbank gilt. Ihre Entscheidungen wirken sich auf die internationalen Finanzmärkte, auf Wechselkurse und auf die Zinslandschaft in anderen Währungsräumen aus. Auch hiesige Sparer spüren die Folgen, wenn sich die geldpolitischen Bedingungen weltweit verändern.
Der Schritt der Fed markiert das Ende einer mehrjährigen Phase extrem niedriger Zinsen. In dieser Zeit mussten sich Sparer mit minimalen Erträgen auf ihre Einlagen begnügen, während Kreditaufnahme günstig war. Die nun eingeleitete Zinswende verschiebt diese Balance. Wer Schulden hat, zahlt mehr; wer Kapital verleiht, erhält mehr.
Fazit
Ob steigende Zinsen für den Einzelnen ein Vorteil oder ein Nachteil sind, hängt von der persönlichen Anlagestrategie und Lebenssituation ab. Kreditnehmer und Besitzer langlaufender Anleihen stehen vor Herausforderungen. Rentner mit einem hohen Anteil an kurzfristigen Spareinlagen oder neu investierbarem Kapital können dagegen von den höheren Erträgen profitieren. Die Einschätzung von Pierson macht deutlich, dass die Perspektive auf Zinssteigerungen je nach finanzieller Ausgangslage sehr unterschiedlich ausfällt.
