SoftBank begibt Rekord-Junk-Bond über 11,1 Milliarden Dollar für OpenAI
Die japanische Technologiegruppe finanziert die dritte Tranche ihrer OpenAI-Investition mit der größten Junk-Bond-Platzierung der Geschichte.

SoftBank hat die größte Junk-Bond-Platzierung aller Zeiten abgeschlossen. Der japanische Technologiekonzern nahm 11,1 Milliarden US-Dollar auf – einschließlich 1 Milliarde Euro –, um die dritte Tranche seiner massiven Investition in OpenAI zu finanzieren, die im nächsten Monat abgeschlossen werden soll.
Mit diesem Volumen übertrifft das Geschäft die mehr als 10 Milliarden US-Dollar, die 2014 Numericable, ein Unternehmen unter der Kontrolle des französischen Konzerns Altice, aufgenommen hatte. Das berichten Analysten und Bankiers, die an der Platzierung beteiligt waren. Für SoftBank ist es der jüngste Schritt, die KI-Ambitionen von Gründer Masayoshi Son über den Kapitalmarkt zu finanzieren.
Einige Anleger sehen in der Emission zugleich einen Indikator für die Bereitschaft des Marktes, den KI-Boom weiterhin zu finanzieren – trotz wachsender Bedenken hinsichtlich der zunehmenden Schuldenlast, die sich in der Branche ansammelt. Der Schritt fällt in eine Phase, in der die Finanzierung von KI-Investitionen zunehmend über den Anleihemarkt statt über klassische Bankkredite läuft.
Die Details
Fitch hat SoftBank eine Rating-Stufe von BB+ verliehen – dem höchsten Rating, das noch unterhalb des Investment-Grade-Bereichs liegt. Satoru Aoyama, Analyst bei Fitch Ratings, sagte, der Sektor gehe zunehmend über Investment-Grade-Kredite von Hyperscalern und Private Credit hinaus. „Jetzt haben wir plötzlich einen High-Yield-Markt, da [SoftBank] die größte Anleihe in der Geschichte des High-Yield-Segments emittiert“, fügte er hinzu.
Die von SoftBank über verschiedene Laufzeiten verkauften Dollar-Anleihen verzeichneten laut den Bankiers Renditen innerhalb einer Bandbreite, deren genaue Höhe die Quelle nicht beziffert. Die Nachfrage lag demnach drei- bis viermal so hoch wie das angebotene Volumen. Angeführt wurde das Geschäft von der Citigroup.
Dabei sprach SoftBank US-amerikanische institutionelle Anleger in großem Umfang an, darunter Vermögensverwalter und passive Investoren, die kauften, um ihre Exposure gegenüber High-Yield-Anleiheindizes aufrechtzuerhalten. „Der einzige Weg, solches Kapital aufzubringen, besteht darin, den größten Kapitalpool der Welt anzusprechen“, sagte eine an der Platzierung beteiligte Person.
Bereits Anfang dieses Monats hatte der Konzern Rekordbeträge in Höhe von 1 Billion Yen (6 Milliarden US-Dollar) in Anleihen an Privatanleger in Japan verkauft. Die von SoftBank gezahlte Rendite spiegelt nach Einschätzung der Bankiers mehrere Faktoren wider: den starken Anstieg der US-Treasury-Zinsen in diesem Jahr, die schiere Größe der Platzierung sowie die wachsende Nervosität bezüglich der Zukunft der KI und insbesondere der Exposure von SoftBank gegenüber OpenAI.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 28.01.2026 berichtete aktien.news, dass SoftBank laut Wall Street Journal über eine zusätzliche Investition von bis zu 30 Milliarden Dollar in den ChatGPT-Entwickler OpenAI verhandelte. Die SoftBank-Aktie legte damals im frühen Handel um über 8 Prozent auf 4.408 Yen zu, weil Anleger euphorisch auf die mögliche Ausweitung des KI-Engagements reagierten.
Am 06.03.2026 folgte der Bericht, dass die japanische SoftBank Group laut einem Bloomberg-Bericht einen Überbrückungskredit von bis zu 40 Milliarden US-Dollar plante. Dieser sollte vorrangig dazu dienen, die bereits umfangreiche Investition des Konzerns in OpenAI weiter auszubauen. Es wäre damit die größte rein in US-Dollar denominierte Kreditaufnahme in der Geschichte von SoftBank gewesen.
Am 27.03.2026 meldete aktien.news, dass SoftBank den Überbrückungskredit über 40 Milliarden US-Dollar gesichert hatte. Das unbesicherte Darlehen läuft bis März 2027 und wurde mit einem Konsortium führender Banken vereinbart, zu dem JPMorgan Chase, Goldman Sachs, Mizuho Bank, Sumitomo Mitsui Banking Corp sowie MUFG Bank zählen.
Am 14.05.2026 berichtete aktien.news über einen volatilen Handelstag: Die SoftBank-Aktie fiel trotz eines Rekordquartalsgewinns um knapp 4 Prozent auf 5.725,0 Yen. Der Konzern erzielte im vierten Quartal, das am 31. März endete, einen zurechenbaren Nettogewinn von 1,829 Billionen Yen.
Was das für Anleger bedeutet
SoftBank hat sich erhebliche Schulden aufgeladen, um Sons Ambitionen zu finanzieren; die Nettoverschuldung belief sich Ende Juni auf 10,8 Billionen Yen. Trotz hoher Volatilität liegt der Aktienkurs des Konzerns immer noch ein Drittel höher als vor einem Jahr. Das Loan-to-Value-Verhältnis bewegt sich nach Angaben des Unternehmens innerhalb der selbst festgelegten Grenzen unter Normalbedingungen.
Der Bond-Verkauf ist Teil der Bestrebungen, die temporäre Bankfinanzierung für die OpenAI-Investition durch langfristigeres Funding zu ersetzen. SoftBank erklärte diesen Monat, dass es die restlichen 25,9 Milliarden US-Dollar zurückzahlen wird, die unter einer 40-Milliarden-Dollar-Brückenfazilität ausstehen. Für Anleger bedeutet das: Der Konzern tauscht kurzfristige Kreditlinien gegen länger laufende Anleihen – zu einem Preis, der sich in der Rendite niederschlägt.
Zugleich bleibt die Frage offen, wie die Finanzierung von Sons Ambitionen fortgesetzt werden soll. Dennoch bestehen weiterhin wachsende Fragen – insbesondere, da der Börsengang von OpenAI nun wahrscheinlich nicht vor 2027 stattfinden wird. Weitere Sorgen betreffen die näher rückende Notierung des Rechenzentrum-Entwicklers SB Energy von SoftBank.
Ausblick
Die dritte Tranche der OpenAI-Investition soll im nächsten Monat abgeschlossen werden. SoftBank will die restlichen 25,9 Milliarden US-Dollar unter der 40-Milliarden-Dollar-Brückenfazilität zurückzahlen. Ein Börsengang von OpenAI wird nun wahrscheinlich nicht vor 2027 stattfinden; zudem rückt die Notierung des Rechenzentrum-Entwicklers SB Energy näher.
Kurz erklärt
- Junk-Bond: Anleihe eines Emittenten mit einem Rating unterhalb des Investment-Grade-Bereichs, die Anlegern dafür höhere Renditen bietet.
- Überbrückungskredit: Kurzfristige Bankfinanzierung, die eine größere Transaktion vorfinanziert und später durch längerfristiges Kapital ersetzt wird.
- Loan-to-Value: Verhältnis von Kreditvolumen zum Wert der zugrunde liegenden Vermögenswerte, das die Verschuldung eines Konzerns begrenzt.
