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EZB veröffentlicht neues Modell für Inflationserwartungen seit 1999

Die Europäische Zentralbank analysiert mit einem neuen Werkzeug, wie Prognostiker den Inflationsschub 2021–22 unterschätzten.

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EZB veröffentlicht neues Modell für Inflationserwartungen seit 1999

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ein neues statistisches Modell vorgestellt, das unregelmäßige Umfragedaten in monatliche Schätzungen der Inflationserwartungen umwandelt. Das Instrument reicht zurück bis ins Jahr 1999 und liefert Schätzungen für Zeiträume von bis zu zehn Jahren. Entwickelt wurde es von den EZB-Ökonomen Benjamin Böninghausen, Léa Gosselin, Fabian Schupp und Andreea Vladu.

Das Modell stützt sich auf zwei zentrale Datenquellen: den ECB Survey of Professional Forecasters sowie die Consensus-Economics-Umfrage. Es zeigt deutlich, wie professionelle Prognostiker den Inflationsanstieg der Jahre 2021 und 2022 sowohl in seinem Ausmaß als auch in seiner Persistenz unterschätzten. Die mittelfristige Verankerung der Erwartungen rund um das 2-Prozent-Ziel der EZB blieb dabei jedoch erhalten.

Prognostiker reagierten spät auf den Inflationsschub

Ein zentrales Ergebnis der Analyse: Professionelle Prognostiker revidierten ihren 12-Monats-Ausblick erst nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 auf über 2 Prozent. In nur einem einzigen Monat sprangen die Erwartungen für die Inflation der nächsten zwölf Monate von 1,6 auf 2,8 Prozent. Bis September 2022, kurz vor dem Inflationshöhepunkt, kletterten diese Kurzfristerwartungen sogar auf 4,3 Prozent.

Nachdem die Inflation im Oktober 2022 ihren Höchststand erreicht hatte, erwarteten Experten für die folgenden zwölf Monate noch eine Rate von 3,6 Prozent. Eine Rückkehr auf rund 2 Prozent wurde erst für den Zeitraum Mitte 2024 bis Mitte 2025 prognostiziert – eine Verzögerung von etwa einem Jahr gegenüber früheren Einschätzungen. Längerfristige Prognosen ab einem Horizont von zwei Jahren lagen währenddessen durchgehend nahe am EZB-Ziel.

Bis März 2024 glichen sich kurz-, mittel- und langfristige Inflationserwartungen schließlich beim 2-Prozent-Ziel an. Aktuelle Daten zeigen, dass die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate inzwischen sogar unter diese Marke gefallen sind. Als Hauptursache gilt die niedrig erwartete Energiepreisinflation.

Marktdaten bestätigen die Umfrageergebnisse

Die EZB verglich die umfragebasierten Erwartungen zusätzlich mit marktbasierten Kennzahlen, die aus inflationsgebundenen Swapsätzen abgeleitet wurden. Nach Bereinigung um Inflationsrisikoprämien stimmten Markt- und Umfrageerwartungen sowohl während des Inflationsschubs als auch in der anschließenden Disinflationsphase eng überein. Dieses Ergebnis unterstreicht die Verlässlichkeit beider Methoden.

Das Modell soll politischen Entscheidungsträgern künftig als Instrument dienen, um die Auswirkungen wirtschaftlicher Schocks auf die Inflationserwartungen besser einzuschätzen. Angesichts des anhaltenden Konflikts im Nahen Osten und des damit verbundenen Drucks auf die Energiepreise gewinnt dieses Analysewerkzeug zusätzliche Relevanz. Nach einem erwarteten Tiefpunkt der Gesamtinflation von rund 1,8 Prozent Ende 2026 rechnen die Modellschätzungen für 2027 wieder mit einer Rückkehr auf etwa 2 Prozent.

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