Deutsche Institute senken Wachstumsprognosen wegen Iran-Konflikt deutlich
Führende Wirtschaftsforscher revidieren ihre Ausblicke für 2026 und 2027 nach unten – Inflation steigt stärker als erwartet.

Deutschlands fünf führende Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Wachstumsprognosen für 2026 und 2027 erheblich gesenkt. Haupttreiber der Revision ist der Iran-Konflikt, der die Energiepreise in die Höhe treibt und die ohnehin schwächelnde deutsche Wirtschaft zusätzlich belastet. Die aktualisierten Zahlen sollen am Mittwoch offiziell in Berlin vorgestellt werden.
Für 2026 erwarten die Institute nun nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent – gegenüber der September-Prognose von 1,3 Prozent. Auch der Ausblick für 2027 wurde deutlich nach unten korrigiert: von zuvor 1,4 Prozent auf nunmehr 0,9 Prozent. Die reduzierten Erwartungen spiegeln die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts im Nahen Osten wider, wie Insider gegenüber Reuters erklärten.
Inflation übertrifft frühere Erwartungen
Gleichzeitig heben die Institute ihre Inflationsprognosen spürbar an. Für beide Jahre 2026 und 2027 rechnen die Ökonomen nun mit einer Teuerungsrate von jeweils 2,8 Prozent. Bislang lagen die Schätzungen bei 2,0 Prozent für 2026 und 2,3 Prozent für 2027. Die Inflation in Deutschland beschleunigte sich bereits im März auf 2,8 Prozent, getrieben von stark steigenden Energiepreisen.
Die Kerninflation – ohne die volatilen Preise für Lebensmittel und Energie – verharrte im März bei 2,5 Prozent und blieb damit gegenüber dem Vormonat stabil. Experten warnen jedoch: Je länger der Krieg anhält und Energie sowie Rohstoffe knapper werden, desto wahrscheinlicher ist ein Anstieg auch der zugrunde liegenden Inflation. Der Bundestag verabschiedete bereits erste Maßnahmen zur Dämpfung der steigenden Kraftstoffpreise.
Strukturelle Schwäche trifft auf neue Schocks
Die deutsche Wirtschaft kämpft seit der COVID-19-Pandemie mit hartnäckigen Wachstumsproblemen. Zunehmender Wettbewerb aus China und dauerhaft höhere Energiepreise belasten das exportorientierte Wirtschaftsmodell erheblich. Ein erneuter Energiepreisschock durch den Iran-Krieg trifft die Konjunktur damit in einer bereits geschwächten Phase.
Der gemeinsame Bericht ist ein Gemeinschaftsprojekt von RWI (Essen), Ifo-Institut (München), IfW (Kiel), IWH (Halle) und DIW (Berlin). Er bildet eine zentrale Grundlage für die Wirtschaftsplanung der Bundesregierung, einschließlich der Steuerschätzungen. Letzte Korrekturen an den Zahlen sind vor der offiziellen Veröffentlichung noch möglich.
